Rechts, LehrkrÀfte

Alarmsignal nach rechten Anfeindungen an Schule

13.07.2023 - 17:01:38

Zwei Lehrer aus dem Spreewald schreiben einen Brandbrief und berichten von rechtsextremen VorfÀllen an ihrer Schule. Nun haben sie eine Entscheidung gefÀllt, die aufhorchen lÀsst.

Der RĂŒckzug zweier Lehrer von ihrer Schule im Spreewald wegen rechter Anfeindungen hat in Brandenburg fĂŒr BestĂŒrzung gesorgt. Neben strafrechtlichen Ermittlungen soll der Kampf gegen Rechtsextremismus verstĂ€rkt werden.

«Ob auf der Straße, in Vereinen, Schulen oder Betrieben: In Brandenburg darf es keinen Ort geben, in denen Rechte Ängste schĂŒren und Andersdenkende vertreiben wollen», sagte MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD). Und er betonte: «Allen, die sich mit Engagement und mutig dem Rechtsextremismus entgegenstellen, gilt unsere UnterstĂŒtzung.»

Folgenreiches Schreiben

Damit bezog er sich auf die LehrkrÀfte Max Teske und Laura Nickel. Sie hatten im April in einem Brandbrief öffentlich gemacht, dass sie an ihrer Schule in Burg im Spreewald tÀglich mit Rechtsextremismus, Sexismus und Homophobie konfrontiert seien. Das Schreiben löste eine Debatte aus, die auch bundesweit verfolgt wurde.

Die Lehrerin und der Lehrer waren danach zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. In dem Ort waren in den vergangenen Tagen Aufkleber zu sehen, auf denen ein Foto der beiden zu sehen war, darunter stand: «#'pisst Euch nach Berl*in». Beide wurden zudem in einem sozialen Netzwerk bedroht. Am Mittwoch wurde bekannt, dass nun beide die Schule verlassen.

Die VorfÀlle sind in Brandenburg kein Einzelfall. Die SchulÀmter meldeten seit Bekanntwerden der rechtsextremen Taten in Burg mehr solcher FÀlle. Und die Zahl politisch motivierter rechter Straftaten in Brandenburg insgesamt stieg im ersten Halbjahr dieses Jahres nach vorlÀufigen Zahlen des Innenministeriums um ein Drittel auf 1049.

BundesprÀsident schaltet sich ein

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier sieht einen indirekten Zusammenhang zwischen den rechtsextremen VorfĂ€llen in Burg und den jĂŒngsten AfD-Wahlerfolgen. Es gebe einen Zusammenhang insofern, als dass die Vorteile einer Demokratie nicht ĂŒberall wertgeschĂ€tzt wĂŒrden, sagte Steinmeier bei einem Besuch in Werder/Havel. Man mĂŒsse wieder mehr Menschen davon ĂŒberzeugen, dass die Demokratie nicht vom Himmel gefallen sei.

«Dass diejenigen, die sich rechtsextremem Hass entschlossen entgegenstellen, mehr und mehr selbst zum Ziel rechter Gewalt werden, ist alarmierend», sagte die GrĂŒnen-Innenpolitikerin Misbah Khan. «Neben einer nachhaltigen StĂ€rkung demokratischer und antifaschistischer Strukturen» gelte es, die Betroffenen besser zu schĂŒtzen. In der geplanten Reform des Melderechts werde die Ampel-Koalition daher die Möglichkeit von Auskunftssperren vereinfachen. Ist eine solche Sperre eingetragen, erteilt die Meldebehörde keine Auskunft ĂŒber die Adresse. Die HĂŒrden fĂŒr eine solche Sperre sind allerdings bislang relativ hoch. Sie muss zudem alle zwei Jahre neu beantragt werden.

In Brandenburg wird im kommenden Jahr ein neuer Landtag gewĂ€hlt, in der jĂŒngsten Umfrage des Instituts Insa fĂŒr «Bild» kam die AfD bei der Sonntagsfrage auf 28 Prozent - vor der SPD mit 21 Prozent. Der Verfassungsschutz stufte den AfD-Landesverband dort 2020 als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein, die AfD-Jugend Junge Alternative gilt seit Mittwoch gesichert rechtsextremistisch.

BĂŒndnis kritisiert Politik

Wegen der Bedrohungen aus der rechten Szene gegen die beiden LehrkrĂ€fte prĂŒft das Staatliche Schulamt Cottbus Strafanzeigen gegen unbekannt. «Dass Beamte oder Angestellte des Landes bedroht werden, ist inakzeptabel», sagte Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.

Das Schulamt sei in der Schule nach dem Brandbrief sofort tĂ€tig geworden. Es habe GesprĂ€che mit Betroffenen, Eltern, Lehrern und SchĂŒlern gegeben. Die beiden hĂ€tten sich vor ihrer Entscheidung, die Schule zu verlassen, in der Sache aber weder an ihn noch an das Schulamt gewandt.

Die beiden LehrkrĂ€fte grĂŒndeten im FrĂŒhjahr mit einem Pfarrer das BĂŒndnis «Schule fĂŒr mehr Demokratie». Am Donnerstag kritisierte das BĂŒndnis, Teske und Nickel seien von der Landespolitik und der Schule nicht ausreichend unterstĂŒtzt worden. Auch die Lehrergewerkschaft GEW hĂ€lt eine weitere Aufarbeitung fĂŒr nötig. Solche rechtsextremen VorfĂ€lle seien aber kein Problem der Schule allein. Vielmehr seien die rechten Tendenzen eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung.

Der Verein Opferperspektive warnte: «Das Problem, das Burg mit der extremen Rechten hat, verschwindet nicht, wenn niemand mehr da ist, um es zu thematisieren.»

@ dpa.de