Polizeimeldungen, NRW

Kripo-Gewerkschaft kritisiert NRW-Regierung wegen Clan-Gewalt

18.07.2023 - 07:54:14

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wirft der nordrhein-westfÀlischen Landesregierung vor, zu wenig gegen Clan-KriminalitÀt zu unternehmen.

Die schwarz-grĂŒne Koalition habe "in ihrem ersten Regierungsjahr nichts getan, um uns zu stĂ€rken", sagte der BDK-Landesvorsitzende in NRW, Oliver Huth, der "Neuen WestfĂ€lischen" (Dienstagsausgabe). Das seit 2017 von der CDU gefĂŒhrte Innenministerium in DĂŒsseldorf habe die Anzahl der Ermittler, die sich mit organisierter KriminalitĂ€t auskennen, seit sechs Jahren nicht erhöht.

Der NRW-Chef der Kripo-Gewerkschaft kritisierte angesichts der jĂŒngsten MassenschlĂ€gereien zwischen Mitgliedern tĂŒrkisch-libanesischer und syrischer Clans im Ruhrgebiet die "Null-Toleranz"-Strategie von Innenminister Herbert Reul (CDU): "Es genĂŒgt nicht, nur in Shisha-Bars zu gehen und Tabak zu konfiszieren, begleitet von Fotografen und Fernsehkameras." So entstehe in der Öffentlichkeit "der Eindruck der Selbstvermarktung der Politik". NRW mĂŒsse einen strategischen Ansatz verfolgen, um die Clan-KriminalitĂ€t so weit einzudĂ€mmen, dass "diese Leute uns mit ihrer Paralleljustiz nicht auf der Nase herumtanzen". In NRW sind laut BDK derzeit rund 700 Beamte fĂŒr organisierte KriminalitĂ€t zustĂ€ndig. Aus Sicht des gewerkschaftlichen Berufsverbandes wĂ€re es geboten, landesweit 200 weitere Kriminalisten einzusetzen - nur fĂŒr die BekĂ€mpfung der Clan-KriminalitĂ€t. Neben einem Stellenzuwachs forderte Huth tragfĂ€hige Ermittlungsstrukturen und eine flankierende Forschung. Das PhĂ€nomen der Clan-KriminalitĂ€t sei strafrechtlich noch nicht richtig beschrieben worden, sagte er. "Das ist unser grĂ¶ĂŸtes Problem." Kritiker einer hĂ€rteren Gangart gegenĂŒber kriminellen tĂŒrkisch-arabischen Großfamilien warnen vor allem vor einer Stigmatisierung einzelner Mitglieder aufgrund ihres Namens. Der BDK-Landesvorsitzende ließ solche Vorbehalte nicht gelten. "Wenn die Politik uns immer nur erklĂ€rt, warum alles so schwierig ist, dann können wir einpacken", sagte Huth. "In unseren Parlamenten sitzen rechtsextreme KrĂ€fte, wir können es uns nicht leisten, zu lange ĂŒber konsequente Strafverfolgung zu grĂŒbeln. Auf Dauer gefĂ€hrdet diese zaudernde Haltung unsere Demokratie."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

@ dts-nachrichtenagentur.de