(97 / 2025) Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 der Polizei Göttingen: Mehr Straftaten bei leichtem Anstieg der AufklÀrungsquote, mehr Gewalt gegen Polizeibeamte, FahrraddiebstÀhle erreichen Höhepunkt
20.03.2025 - 13:17:19Die jÀhrlich erscheinende Statistik befasst sich mit den erhobenen Fallzahlen zu angezeigten und bearbeiteten Straftaten.
"Insgesamt ist festzustellen, dass seit dem Corona-Jahr 2020 mit 20.320 Taten wieder ein stetiger Anstieg des Straftatenaufkommens in Stadt und Landkreis Göttingen zu verzeichnen ist. Dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2024 mit insgesamt 25.737 Straftaten (2023: 24.286) fort", erklÀrt der Kripo-Chef.
Die AufklÀrungsquote (AQ), verzeichnet seit 2022 (61,75 %) einen AbwÀrtstrend. Im Jahr 2023 lag sie bei 58,84%. Im Jahr 2024 wurde zwar wieder ein leichter Anstieg auf 59,03% registriert, der Wert liegt aber, wie schon im Vorjahr, erneut unterhalb der AQ des Landes Niedersachen (2024: 62,77%, siehe auch Pressemitteilung zur PKS 204 unter https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/polizeiliche-kriminalstatistik-2024-niedersachsen-weniger-taten-geringere-haufigkeitszahl-hohere-aufklarungsquote-240258.html)
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 im Ăberblick - Mehr Straftaten in Stadt und Landkreis Göttingen registriert - AufklĂ€rungsquote leicht gestiegen KriminalitĂ€tsphĂ€nomene im Einzelnen - Weniger Tötungsdelikte - Mehr FĂ€lle HĂ€uslicher Gewalt - Kein Anstieg bei Kinderpornographie - Fallzahlenanstieg bei Gewaltdelikten - Messerangriffe auf konstantem Niveau - Mehr Angriffe auf Polizeibeamte und RettungskrĂ€fte - FahrraddiebstĂ€hle erreichen in Göttingen erneuten Höhepunkt - Serie von Kfz-SachbeschĂ€digungen und Zigarettenautomatensprengungen beschĂ€ftigten Ermittler - Weniger BetĂ€ubungsmittelkriminalitĂ€t - Doppelt so viele Kfz-Totalentwendungen - Leichter Anstieg bei Wohnungseinbruchsdiebstahl - Weniger Straftaten durch junge Menschen
Die KriminalitÀtsphÀnomene im Einzelnen:
Tötungsdelikte
In der PI Göttingen wurden im Jahr 2024 drei Tötungsdelikte (2023: 7), davon zwei im Versuchsstadium, im Fachkommissariat 1 des Zentralen Kriminaldienstes bearbeitet. Die AufklĂ€rungsquote betrug hierbei 100%. In zwei der drei geschilderten FĂ€lle kamen Messer zum Einsatz. Im Detail wurde ein Verfahren wegen vollendeten Totschlags (nach § 212 Strafgesetzbuch) eingeleitet, wĂ€hrend in zwei weiteren FĂ€llen wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde. Unter den Tötungsdelikten dĂŒrfte das als Femizid eingestufte Tötungsdelikt im Mai in Göttingen zu erwĂ€hnen sein. Der Fall sorgte bundesweit medial und auch in der Bevölkerung fĂŒr groĂes Aufsehen. In der Nacht des 5. Mai fanden Beamte nach Eingang eines Notrufes eine 34 Jahre alte Frau leblos und mit schweren Verletzungen in einer Wohnung in einem Mehrparteienwohnhaus im Göttinger Stadtteil Grone auf. Die Göttingerin wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Eine NotĂ€rztin konnte nur noch den Tod der Frau und Mutter mehrerer Kinder feststellen. Der mutmaĂliche 39 Jahre alte TĂ€ter lieĂ sich seinerzeit vor Ort widerstandslos festnehmen. Das Amtsgericht Göttingen ordnete gegen den inzwischen 40 Jahre alten Mann zunĂ€chst die Untersuchungshaft wegen Totschlags an. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen verurteilte den Angeklagten im FrĂŒhjahr 2025 zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes.
HĂ€usliche Gewalt
Die Bearbeitung von Delikten im Zusammenhang mit hÀuslicher Gewalt erfolgt in Göttingen originÀr im 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes durch speziell geschulte Ermittlerinnen und Ermittler. Auch hier lÀsst sich im Bereich der PI Göttingen von 2023 (1.282) zu 2024 (1.378) ein Fallzahlenanstieg um 7,49 % feststellen.
HÀusliche Gewalt findet tÀglich in Partnerschaften bzw. im hÀuslichen Bereich in allen gesellschaftlichen Schichten statt. Sie kann unterschiedliche Formen haben und wird z.B. als Hausfriedensbruch, Nachstellung, Bedrohung, Körperverletzung, Diebstahl oder als Sexualdelikt bei der Polizei angezeigt.
Ein Grund fĂŒr den weiteren Fallzahlenanstieg ist das verĂ€nderte Anzeigeverhalten von Opfer und Zeugen, durch vermehrte AufklĂ€rung. Dies fĂŒhrt zu einer Erhellung des Dunkelfeldes. Zum anderen beinhaltet der Begriff nach neuer Definition nicht nur die Partnergewalt, sondern auch Gewalt innerhalb der Familie. Frauen sind dabei weitaus hĂ€ufiger als Opfer betroffen, als MĂ€nner.
In zahlreichen FĂ€llen wurden 24-stĂŒndige Platzverweise fĂŒr die Wohnanschrift des Opfers oder 10-tĂ€gige Wegweisungen von der eigenen Wohnung gegen die Beschuldigten ausgesprochen. Das sind MaĂnahmen, die den Opferschutz stĂ€rken und dem Opfer Gelegenheit bieten, die persönliche Situation zu reflektieren und dem Leben ggfs. eine neue Richtung zu geben. HĂ€ufig werden die 10 Tage der Wegweisung genutzt, bei Gericht eine Gewaltschutzanordnung zu erwirken, die in der Regel dem/der Antragsgegner/-in untersagt, sich dem/der Antragsteller/-in und seiner/ihrer Wohnung auf eine Entfernung von weniger als 50 Meter zu nĂ€hern oder sonstigen Kontakt zu ihm/ihr aufzunehmen. Wenn Kinder derartige Gewalt beobachten oder selbst erleben, wird stets das zustĂ€ndige Jugendamt darĂŒber in Kenntnis gesetzt bzw. das Jugendamt um sofortige Entscheidung ĂŒber den Verbleib des Kindes gebeten.
"Auch wenn das Dunkelfeld groĂ ist und derartige Gewalterfahrungen oft im Verborgenen bleiben, wird Gewalt vom Staat nicht toleriert und ist strafbar, denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, gewaltfrei zu leben," so Kriminaldirektor Oliver Tschirner.
Im Jahr 2024 wurden drei HochrisikofĂ€lle bekannt, zu denen insgesamt vier Fallkonferenzen durchgefĂŒhrt worden sind. Die bestehenden Kooperationsstrukturen bei HochrisikofĂ€llen haben sich bewĂ€hrt, so dass zeitnah schnelle Absprachen mit der Staatsanwaltschaft Göttingen, dem Jugendamt, der Beratungs- und Interventionsstelle etc. gewĂ€hrleistet und zu treffende MaĂnahmen zeitnah umgesetzt werden konnten.
Dazu die PolizeiprĂ€sidentin der Polizeidirektion Göttingen Tanja Wulff-Bruhn: "Gewalt zeigt sich aber eben nicht nur auf der StraĂe, sondern gerade im scheinbar sicheren Umfeld des eigenen Zuhauses: Wieder ĂŒber 200 Taten mehr im Kontext hĂ€uslicher Gewalt sind nicht hinnehmbar. Leider sind im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen auch im vergangenen Jahr zwei weibliche Todesopfer zu beklagen: Eine Frau, die von ihrem Ehepartner, sowie ein MĂ€dchen, das von ihrer Mutter getötet wurde. Klar ist: Wir werden auch in Zukunft alles tun, um hĂ€usliche Gewalt zu verhindern und da, wo geschehen nachhaltig zu verfolgen. Jeder einzelne Fall wird sehr akribisch analysiert, MaĂnahmen mit Zielrichtung der TĂ€ter zum Schutze der Opfer konsequent umgesetzt. Der Einsatz einer sogenannten elektronischen FuĂfessel beim TĂ€ter ist fĂŒr mich dabei ein wichtiges Instrument zur Verhinderung weiterer Taten. Daher begrĂŒĂe ich die geplanten Ănderungen im niedersĂ€chsischen Gefahrenabwehrrecht sehr."
Kinderpornographie
Mit der Bearbeitung von FĂ€llen der Kinderpornographie sind in der PI Göttingen 14 Mitarbeitende im Bereich der Ermittlungen und der Forensik betraut. Dieser hohe personelle Ansatz in Verbindung mit dem Einsatz einer Software, basierend auf KĂŒnstlicher Intelligenz, dient der Abarbeitung aller Delikte in diesem PhĂ€nomenbereich. Die Fallzahlen bewegen sich im Jahresvergleich auf einem nahezu gleichbleibenden Niveau (2023:226; 2024: 222).
ZKD-Leiter Oliver Tschirner:
"Zu den Aufgaben der ermittelnden Personen zĂ€hlt neben Durchsuchungen und Vernehmungen, vor allem die Auswertung von sichergestellten oder beschlagnahmten DatentrĂ€gern. Diese TĂ€tigkeit stellt fĂŒr Ermittlungsbehörden eine groĂe Herausforderung dar. Die Massen an Daten und insbesondere die inkriminierten zu sichtenden Inhalte fordern den eigensetzten KrĂ€ften eine hohe ProfessionalitĂ€t und Belastbarkeit ab."
Gewaltdelikte
Im Berichtsjahr 2024 wurden in der PI Göttingen 825 (2023: 794, 2022: 778, 2021: 633) Gewaltdelikte verzeichnet. Damit sind die Fallzahlen in diesem Deliktsfeld im vierten Jahr in Folge erneut gestiegen. "GewaltkriminalitĂ€t" umfasst u. a. die Deliktsbereiche: Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Ăbergriff im besonders schweren Fall einschl. mit Todesfolge, Raub, rĂ€uberische Erpressung und rĂ€uberischer Angriff auf Kraftfahrer, Körperverletzung mit Todesfolge, GefĂ€hrliche und schwere Körperverletzung. Darunter fallen somit neben den bereits unter "Tötungsdelikten" dargestellten FĂ€llen, u. a. 60 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen (2023: 46) sowie 2.676 Körperverletzungen (2023: 2.528). Von diesen wiederum sind 632 Taten (2023: 606) den schweren und gefĂ€hrlichen Körperverletzungen zuzuordnen.
"Die Entstehung von Gewalt ist durch diverse Faktoren begrĂŒndbar. Kriminologischen Erkenntnissen nach, spielen Abgrenzungsdynamiken durch Perspektivlosigkeit, Desintegration, Verunsicherung und soziale Ungerechtigkeit eine zentrale Rolle. Diese treten durch gesellschaftliche Herausforderungen, wie die Inflation, den Krieg in der Ukraine, die Klimakrise oder die Nachwirkungen der Corona-Pandemie verstĂ€rkt zu Tage", erlĂ€utert Oliver Tschirner.
Das PhÀnomen der Messerangriffe wird seit 2020 gesondert erhoben. Seitdem pendeln sich die Fallzahlen in der PI Göttingen bei etwa 100 Taten (2024:101; 2023:97) pro Jahr ein.
Behördenleiterin Tanja Wulff-Bruhn:
"Der seit einigen Jahren anhaltende Negativ-Trend zur AusĂŒbung von Gewalt als legitimes Mittel zur Konfliktlösung ist leider immer noch ungebrochen. Gewaltdelikte steigen erneut, die Zahl der Messerangriffe bleibt auf einem anhaltend gleichen, viel zu hohen Niveau: 422 Taten im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen - das ist mehr als ein Angriff pro Tag, 577 Menschen wurden dabei - teils schwer - verletzt. Wir werden uns deshalb mit den Kommunen weiter intensiv ĂŒber Waffenverbotszonen austauschen und besonders gefĂ€hrliche Orte auch als solche deklarieren, um intensiv kontrollieren zu können. Die AufklĂ€rungsquote dieser Taten konnte auf dem hohen Niveau des Vorjahres 2023 stabilisiert werden und liegt deutlich ĂŒber dem Landesschnitt. Genau wie bei der GesamtaufklĂ€rungsquote, die sich nach wie vor auf hohem Niveau bewegt, werden wir auch hier nicht nachlassen, die TĂ€terinnen und TĂ€ter zur Verantwortung zu ziehen, damit die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger weiterhin sicher leben können."
Gewalt gegen Polizeibeamte und RettungskrĂ€fte Ein erhöhter Anstieg von 16% ist im Bereich der Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen (PVB) und -beamte (2024: 648; 2023: 432) sowie RettungskrĂ€fte (2024: 39; 2023: 30) von 619 auf 719 zu verzeichnen. Im Jahr wurden 2024 hierbei 71 PVB verletzt und waren insgesamt 312 Tage nicht dienstfĂ€hig. Beim Silvestereinsatz 2023/2024 wurden im Göttinger Stadtteil Grone aus dem Schutz einer ca. 30 bis 50 Personen groĂen Gruppe heraus EinsatzkrĂ€fte massiv und gezielt mit Pyrotechnik beworfen und auch beschossen. Dreizehn Polizeibeamtinnen und -beamte erlitten u. a. Knalltraumen sowie AbschĂŒrfungen hauptsĂ€chlich an den ExtremitĂ€ten. Im Zusammenhang mit dem Geschehen konnte die Polizei noch in der Nacht fĂŒnf TatverdĂ€chtige ermitteln und strafprozessualen MaĂnahmen unterziehen. Die Ermittlungen wegen TĂ€tlichen Angriffs und Landfriedensbruchs richteten sich gegen zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren sowie drei 28-, 31- und 43 - jĂ€hrige MĂ€nner. Alle kamen aus Grone. Nur wenige Tage spĂ€ter wurden vier EinsatzkrĂ€fte bei einem Polizeieinsatz anlĂ€sslich des Rewe-Junior-Cups an der Göttinger Lokhalle durch eine gemeinschaftlich agierende gröĂere Personengruppe attackiert und verletzt.
PolizeiprÀsidentin Wulff-Bruhn:
"Angriffe gegen Polizei- und RettungskrĂ€fte sind im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand im Zehn-Jahres-Vergleich geklettert. Dabei wurden insgesamt 1.704 EinsatzkrĂ€fte verletzt. Als Teil der Blaulichtfamilie bleibt diese Entwicklung fĂŒr uns unertrĂ€glich. Dass Menschen, die sich tĂ€glich fĂŒr Wohl und Sicherheit ihrer MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger einsetzen, Opfer von Angriffen werden und dann aufgrund von zum Teil schweren Verletzungen tage- oder wochenlang im Polizei-, Feuerwehr- sowie Rettungsdienst oder in ihren Berufen als Ehrenamtler ausfallen, fĂŒhrt neben der körperlichen und psychischen BeeintrĂ€chtigung der Opfer zu einem nicht bezifferbaren gesamtgesellschaftlichen Schaden. Diese AbwĂ€rtsspirale muss daher auch gesamtgesellschaftlich gestoppt und abgewendet werden. TĂ€ter mĂŒssen zudem konsequent bestraft werden."
Fahrraddiebstahl
FĂŒr die PI Göttingen lĂ€sst sich seit Jahren eine Steigerung im Bereich des Fahrraddiebstahles feststellen. Im Stadtgebiet von Göttingen ist es im Jahr 2024 zu 2.803 (2023: 2.599) FahrraddiebstĂ€hlen inkl. unbefugter Ingebrauchnahmen von Fahrzeugen gekommen. Die Schadenssumme betrug 4.753.246 EUR (2023: 3.894.112 EUR; 2022: 2.411.999 EUR).
Die AufklÀrungsquote in diesem Deliktsfeld lag 2024 bei 10,06 % und verzeichnete damit eine leichte Steigerung zu den beiden Vorjahren (2023: 8,00%; 2022: 9,59%).
Als Reaktion auf die Entwicklung wurde zum 01.01.2024 eine sechsköpfige Sonderkommission (SoKo) gegrĂŒndet, die sich speziell mit allen ErmittlungstĂ€tigkeiten rund um den Fahrraddiebstahl befasst. Seitdem wurden 1.624 Delikte wurden von der Sondereinheit bearbeitet. Insgesamt ist festzustellen, dass die Gesamtzahl der FĂ€lle mit einer Steigerung von 160 Delikten im Jahr 2024 erneut einen traurigen Höhepunkt erreicht hat.
"Trotz bereits erzielter örtlicher, aber auch ĂŒberörtlicher Ermittlungserfolge in diesem PhĂ€nomenbereich, bleibt die BekĂ€mpfung der nach unseren Erkenntnissen zumeist organisiert agierenden TĂ€ter im Fokus unserer polizeilichen Arbeit", sagt dazu Oliver Tschirner, und weiter: "FahrraddiebstĂ€hle bilden insbesondere in Göttingen einen besonderen polizeilichen Schwerpunkt. Das PhĂ€nomen fĂŒhrt zudem zu einer spĂŒrbaren, groĂen Verunsicherung bei den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern dieser Stadt, das wissen wir, nehmen wir sehr ernst und lassen wir nicht auĂer Acht. Zur weiteren EindĂ€mmung der Taten werden die eingerichtete Sonderkommission und auch die Polizei in Göttingen insgesamt ihre initiierten MaĂnahmen weiter forcieren und konsequent und beharrlich fortsetzen", sagt Kriminaldirektor Tschirner.
Ermittlungserfolge (Beispiele) Durch einen Zeugenhinweis wurde der Polizei am 20.04.2024 der Transport von mehreren entwendeten FahrrĂ€dern von Göttingen in Richtung Osteuropa bekannt. Der beschriebene Transporter konnte im Zuge einer grenzĂŒbergreifenden Fahndung in Tschechien von der dortigen Polizei gestoppt werden. Die Kontrolle fĂŒhrte zum Auffinden von sieben FahrrĂ€dern und zwei E-Scootern. Bis auf ein Rad stammten alle FahrrĂ€der und auch die beiden Scooter aus DiebstĂ€hlen. Am 09.06.2024 nahm die Göttinger Polizei nach Zeugenhinweisen vier Personen beim Beladen eines Transporters fest. Die Durchsuchung des Fahrzeugs fĂŒhrte zum Auffinden von 26 hochwertigen Fahrradrahmen, welche Diebstahlstaten aus den Bereichen Göttingen, Katlenburg-Lindau, Nordhessen und Paderborn zuzuordnen waren. Der Wert der in Verwahrung genommenen FahrrĂ€der betrug mindestens EUR 70.000,00. Gegen alle vier Beschuldigten ergingen Untersuchungshaftbefehle.
SachbeschÀdigungen an Kfz
Der Trend der ansteigenden Fallzahlen im Zusammenhang mit SachbeschĂ€digungen an Kfz hat sich insbesondere im ersten Halbjahr 2024 fortgesetzt. Hier muss letztlich eine Zunahme von 721 (2023) auf 1.039 Taten (2024) verzeichnet werden. Der groĂe Anstieg um 44 % ist auf eine Serie von Taten zuzufĂŒhren, die sich bis August 2024 hinzog und schlieĂlich mit der Inhaftierung eines örtlichen TĂ€ters schlagartig beendet werden konnte.
Neun Serien mit 900 Taten in Göttingen
Im Zeitraum von August 2023 bis August 2024 kam es in Göttingen zu neun SachbeschĂ€digungsserien im nahezu gesamten Stadtgebiet Göttingen. Hierbei wurden insgesamt mindestens 900 Fahrzeuge mittels eines spitzen Gegenstandes zerkratzt. Der verursachte Gesamtschaden betrug nach derzeitigen SchĂ€tzungen ĂŒber zwei Millionen Euro. Bei einer der Tatserien konnte ein TatverdĂ€chtiger auf frischer Tat festgestellt werden. Zudem wurde derselbe Mann wĂ€hrend einer der folgenden Serien von einer Videokamera erfasst. Polizeiliche MaĂnahmen und weitere Ermittlungen fĂŒhrten letztlich zur ErhĂ€rtung des Tatverdachts gegen den Göttinger. Zuletzt wurde der 39-JĂ€hrige nach erfolgter Tatbegehung im unmittelbaren Tatortbereich angetroffen. Aufgrund der rechtlichen Voraussetzungen konnte der Mann lediglich fĂŒr 10 Tage in den polizeilichen Langzeitgewahrsam ĂŒberfĂŒhrt werden. SĂ€mtliche anderen Möglichkeiten der Freiheitsentziehung mussten, in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Göttingen, zunĂ€chst verworfen werden. Inzwischen befindet sich der Göttinger aufgrund der TĂ€terschaft zu einer Brandlegung in einem Göttinger Wohnkomplex in Haft.
Zigarettenautomatensprengungen
2024 begann eine bis dato anhaltende Serie von Zigarettenautomatensprengungen, die sich von der PI Göttingen bis in die benachbarte PI Northeim erstreckt. Mit 24 registrierten Sprengungen wurde der GroĂteil der Taten im Bereich der PI Göttingen begangen. In allen FĂ€llen sprengten die TĂ€ter die Automaten mittels sog. Polenböller auf und stahlen den Inhalt. Die Ermittler der Polizeien in Northeim und Göttingen gehen von einer aus mehreren Personen bestehenden TĂ€tergruppierung aus, die die landkreisĂŒbergreifenden Taten begeht und sich hierbei auch verschiedener Fluchtfahrzeuge bedient. Die Sprengungen erfolgten an verschiedenen Wochentagen, die jeweiligen Tatzeiten lagen jedoch in den meisten FĂ€llen zwischen 00:30 Uhr und 03:30 Uhr in der Nacht. Im Zusammenhang mit der Serie konnten bereits vier TatverdĂ€chtige festgenommen werden. Die Höhe des entstandenen Gesamtschadens wird im unteren sechsstelligen Bereich angenommen.
BetÀubungsmittelkriminalitÀt
Politische Entscheidungen fĂŒhrten zu einer, in Teilbereichen, erheblichen Liberalisierung des BetĂ€ubungsmittelrechtes, insbesondere im Bereich der Cannabisprodukte. Mit der EinfĂŒhrung des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) und der damit einhergehenden Straffreiheit bestimmter Delikte, die zuvor noch dem BetĂ€ubungsmittelgesetz unterlagen, ist hier systemimmanent ein erheblicher RĂŒckgang von Straftaten erwartbar gewesen und auch eingetreten. In diesem Kontext ist der RĂŒckgang der Gesamttaten im Drogenbereich auch zu betrachten. Wurden in 2023 noch 744 Rauschgiftdelikte bearbeitet, sank diese Zahl auf 503 im Jahr 2024. Der gröĂte RĂŒckgang ist hier im Bereich der nicht mehr strafbewĂ€hrten VerstöĂe im Zusammenhang mit Cannabisprodukten feststellbar. Hier liegt der RĂŒckgang der allgemeinen VerstöĂe teilweise bei 50 % bis 60 %.
Kfz- Diebstahl
Die nahezu Verdoppelung der Taten im Bereich der Kraftfahrzeug-Totalentwendungen von 28 (davon 4 Versuche) im Jahre 2023 auf 52 (davon 9 Versuche) in 2024 weist eine grundsĂ€tzlich negative Entwicklung auf. Nach einem Höhepunkt im Jahr 2018 mit insgesamt 108 (davon 29 Versuche) bekannt gewordenen FĂ€llen und einem deutlichen RĂŒckgang, insbesondere in den Jahren der Coronapandemie, ist im Jahr 2024 erstmals wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Belastbare ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr die Zunahme der Taten liegen der Polizei Göttingen nicht vor. Möglicherweise spielen eine zufĂ€llige Auswahl der Tatorte oder aber die gĂŒnstige NĂ€he zur Autobahn hier eine Rolle.
Wohnungseinbruchdiebstahl
Der leichte Anstieg der Fallzahlen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls von 214 im Jahre 2023 auf 251 im Jahr 2024 liegt in der Gesamtbetrachtung weiterhin weit unter den Zahlen der Jahre 2015 - 2020. Im Jahr 2024 wurde eine Einbruchsserie im PI-Bereich bearbeitet, fĂŒr die erneut eine TĂ€tergruppierung kriminalistisch, aber letztlich nicht in allen FĂ€llen nachweisbar, verantwortlich gemacht wird. Nach erfolgter Festnahme eines TatverdĂ€chtigen auf frischer Tat im hiesigen Bereich, aber auch infolge von Festnahmen in Hessen, riss die Serie nahezu ab. Weitere Ermittlungen ergaben BezĂŒge untereinander und zu weiteren Personen, die im Jahr 2018 bereits im selben PhĂ€nomenbereich polizeilich in Erscheinung getreten waren. Hierbei handelte es sich ebenfalls um eine Einbruchserie mit ĂŒber 300 Taten.
Straftaten durch junge Menschen (Jugenddelinquenz) Die Gesamtzahlen der bekannt gewordenen FĂ€lle im Bereich der Straftatenbegehung durch Kinder (0-unter 14 Jahre), Jugendliche (14- unter 18 Jahre) und Heranwachsende (18-unter 21 Jahre) ist von 2023 (2.316 Taten) zu 2024 (2.231 Taten) marginal gesunken. Die AufklĂ€rungsquote liegt mit 59,03 % auf einem hohen Niveau. Die Anzahl der ermittelten TatverdĂ€chtigen ist insgesamt von 1.839 auf 1.999 gestiegen. Die Senkung der Fallzahlen liegt u.a. im Wegfall der VerstöĂe nach dem BetĂ€ubungsmittelgesetz. Hier ist ein RĂŒckgang von 38,43 % zu verzeichnen. Dies dĂŒrfte, wie bei den erwachsenen TĂ€terinnen und TĂ€tern, auf das Inkrafttreten des KCanG vom 01.04.2024 zurĂŒckzufĂŒhren sein. Wenngleich Kinder- und Jugenddelinquenz in allen Gesellschaftsschichten vorkommt und entwicklungsbedingt ist, so haben sich die drei Bereiche Rohheitsdelikte, Sexualdelikte und SachbeschĂ€digungen in der PI Göttingen herauskristallisiert, die in 2024 einen Zuwachs erfahren haben.
Gewaltdelikte waren insgesamt die hĂ€ufigsten Delikte, welche junge TatverdĂ€chtige 2024 begangen haben. Bezogen auf das letzte Jahr ist im Bereich der Körperverletzungen ein massiver Zuwachs zu verzeichnen, nachdem im Jahr 2023 im Vergleich zum Jahr 2022 das Niveau gesunken war. 484 junge TatverdĂ€chtige konnten in 2024 ermittelt werden, was einen Anstieg von 30,81 % bedeutet. Davon konnten 312 junge TatverdĂ€chtige bei vorsĂ€tzlich leichten Körperverletzungen ermittelt werden. Hier ist ein Anstieg von 41,18 % zu verzeichnen. Bei den gefĂ€hrlichen/ schweren Körperverletzungen konnten 199 Junge TatverdĂ€chtige ermittelt werden. Auch hier ist ein leichter Anstieg von 17,75 % zu verzeichnen. Ein möglicher ErklĂ€rungsansatz liegt im Bereich der zunehmenden psychologischen Belastungen, die u.a. eine Auswirkung der EinschrĂ€nkungen zu Zeiten den Corona-Pandemie darstellen. GruppenzwĂ€nge, das Erkunden und Austesten von Grenzen, Leistungsdruck, gewaltverherrlichende Videos im digitalen Raum oder auch Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, sind Faktoren, die dazu fĂŒhren, dass Kinder und Jugendliche, gerade unter Gleichaltrigen, eher gewalttĂ€tig werden.
Der Deliktsbereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung impliziert unter anderem die TatbestĂ€nde der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, die sexuelle BelĂ€stigung, als auch den sexuellen Missbrauch. Im Vergleich zum Vorjahr ist hier ein Anstieg von 6,82% zu verzeichnen. Zu den Sexualdelikten zĂ€hlen auch die Straftaten im Zusammenhang mit der Verbreitung pornografischer Inhalte, inklusive Kinder- und Jugendpornografie. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Trotz des leichten RĂŒckgangs bleibt dieses Delikt im Bereich der Jugenddelinquenz ein eher wachsendes Deliktsfeld. Gruppenchats ĂŒber WhatsApp, Snapchat oder vergleichbare Portale sind beliebte Kommunikationsmittel bei Jugendlichen, wobei nicht nur alltĂ€gliche Dinge ausgetauscht werden, sondern auch schnell unzulĂ€ssige Inhalte mit vielen Freunden unbedacht geteilt werden können. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass es sich um Straftaten handelt.
Im Bereich der SachbeschĂ€digung ist ein Anstieg von 27,42 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Darunter fallen Vandalismus oder auch blinde Zerstörungswut. SachbeschĂ€digungen werden oft aus der Gruppe heraus ausgeĂŒbt. Dabei entstehen dynamische, unkontrollierte kollektive Verhaltensweisen, die durch Alkoholeinfluss oft noch verstĂ€rkt werden. Auch die Brandstiftung, als spezielle Form der SachbeschĂ€digung, war besonders an Schulen stark verbreitet. Ende letzten Jahres erfuhren SachbeschĂ€digungen durch Feuer einen Aufwind. Besonders eine weiterfĂŒhrende Schule in Göttingen war davon stark betroffen, was temporĂ€r zu BeeintrĂ€chtigungen des Schulbetriebs und einer zunĂ€chst hohen Verunsicherung in der Schule fĂŒhrte. TatverdĂ€chtig hierzu sind SchĂŒler, die aus der Gruppe heraus agierend Papierkörbe der Schultoiletten oder Spindinhalte entzĂŒndet haben. Als Motiv wurden Langeweile und das Erlangen von Aufmerksamkeit bekannt.
"Die BeschĂ€ftigten der Polizei Göttingen geben tĂ€glich ihr Bestes, um fĂŒr die Sicherheit der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger Sorge zu tragen. Dies wird durch die hohe Arbeitsbereitschaft im beruflichen Alltag, trotz vermehrter Gewalt gegen EinsatzkrĂ€fte regelmĂ€Ăig deutlich. Dem spĂŒrbar steigenden Arbeitsvolumen begegnen wir durch die Ausschöpfung der Möglichkeiten der Digitalisierung und mit einer strategischen Schwerpunktsetzung. Ziel ist es arbeitsökonomischer zu handeln, um noch prĂ€senter fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger und deren Belange zu sein," sagt Kriminaldirektor Oliver Tschirner abschlieĂend.
Grafiken im Anhang (siehe unter Download) Ăbersicht Fallzahlen und AufklĂ€rungsquote
Grafiken zu Fallzahlen HĂ€usliche Gewalt, Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Gewaltdelikte, Diebstahlsdelikte, Fahrraddiebstahl, Wohnungseinbruchdiebstahl
Links:
Pressemitteilung PKS 2022 Polizeiinspektion Göttingen: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5470058
Pressemitteilung PKS 2023 Polizeiinspektion Göttingen: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5736226
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