(77/ 2026) Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 der PI Göttingen: 10 % weniger Straftaten, FahrraddiebstĂ€hle stark zurĂŒckgegangen, Fallzahlen Messerangriffe gestiegen
20.03.2026 - 13:41:15 | presseportal.de
Die jÀhrlich erscheinende Statistik befasst sich mit den erhobenen Fallzahlen zu angezeigten und bearbeiteten Straftaten.
In 2025 wurden 23.166 Straftaten registriert. Erfreulicherweise handelt es sich dabei um eine Fallzahlensenkung von 10 % zum Vorjahr (2024: 25.737). Dieser Trend ist landesweit feststellbar. Dennoch ist hervorzuheben, dass die AufklÀrungsquote von 59,03% in 2024 auf 58,35% gesunken ist. Dieser Wert liegt unter dem Landesdurchschnitt von 62,72%.
PolizeiprĂ€sidentin Tanja Wulff-Bruhn zum Straftaten-RĂŒckgang: "Im Jahr 2025 haben wir im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen rund 4000 Straftaten weniger registriert - das ist eine erfreuliche Entwicklung, die unter anderem natĂŒrlich auf die hervorragende Arbeit in den Dienststellen zurĂŒckzufĂŒhren ist. Einen besonderen Anteil an der rĂŒcklĂ€ufigen Entwicklung hat die Reduzierung der FahrraddiebstĂ€hle um fast ein Drittel - hier ist insbesondere die beharrliche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektion Göttingen herauszustellen. Aber auch eine verĂ€nderte Rechtslage, wie etwa die EinfĂŒhrung des Konsum-Cannabisgesetzes, haben sich auf die Statistik ausgewirkt. Hier fallen die sogenannten Konsumentendelikte, wie Besitz und Erwerb von geringen Mengen Cannabis, weg. Einerseits bedeutet das ein geringeres Straftatenaufkommen und eine Entkriminalisierung der Konsumentinnen und Konsumenten, andererseits aber auch den Wegfall von HandlungsspielrĂ€umen fĂŒr die Ermittlerinnen und Ermittler, ĂŒber die Konsumenten an die 'groĂen Fische' - also die Dealer - heranzukommen."
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 der PI Göttingen kompakt
Die KriminalitÀtsphÀnomene im Einzelnen:
Rohheitsdelikte
Zu den Rohheitsdelikten zĂ€hlen u.a. der Raub, die Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Hier ist seit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 (3.189) ein stetiger Fallzahlenanstieg festzustellen. Im Jahr 2024 sind in der PI Göttingen insgesamt 4.339 Rohheitsdelikte ermittelt worden. 2025 lĂ€sst sich hier erstmalig ein RĂŒckgang um 253 Taten verzeichnen (4.086). Zu den Rohheitsdelikten gehören auch die Gewaltdelikte, die mit 871 Taten im Jahr 2025 (2024: 825) ebenfalls zunahmen. Die Entstehung von Gewalt ist durch diverse Faktoren begrĂŒndbar. Kriminologischen Erkenntnissen nach, spielen Abgrenzungsdynamiken durch Perspektivlosigkeit, Desintegration, Verunsicherung und soziale Ungerechtigkeit eine zentrale Rolle. Diese treten durch gesellschaftliche Herausforderungen, wie die Inflation, den Krieg in der Ukraine oder Israel, die Klimakrise oder politische Divergenzen verstĂ€rkt zu Tage. Das PhĂ€nomen der Messerangriffe wird seit 2020 gesondert erhoben. Seitdem pendeln sich die Fallzahlen bei etwa 100 Taten (2024: 101; 2023: 97) pro Jahr ein. In 2025 ist erstmals ein enormer Anstieg um 26 Taten zu verzeichnen. Es konnte registriert werden, dass das Messer als Tatmittel vornehmlich im Stadtgebiet Göttingen einen verstĂ€rkten Gebrauch aufweist. Zu Beginn des Jahres 2026 wurde in der Innenstadt eine Waffenverbotszone eingerichtet. Polizeilicherseits stellt dies in Verbindung mit stetigen KontrollmaĂnahmen eine geeignete PrĂ€ventionsmaĂnahme dar, um das Fallaufkommen zu senken.
Dazu Tanja Wulff-Bruhn, PrÀsidentin der Polizeidirektion Göttingen:
"608 Menschen sind im vergangenen Jahr im ZustÀndigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen bei 446 Taten durch einen Messerangriff teils schwer verletzt worden - das ist die höchste Zahl seit Beginn der Auswertung dieses PhÀnomens im Jahr 2020. Das zeigt, dass die Einrichtung von Waffenverbotszonen, wie es in unserem ZustÀndigkeitsbereich in Göttingen bereits der Fall ist, auch perspektivisch richtig, nötig und wichtig ist. Jede Waffe, die wir aus dem Verkehr ziehen können, macht den öffentlichen Raum sicherer."
Gewalt gegen Polizeibeamte und RettungskrÀfte
In 2025 (514 (-25 %)) sind EinsatzkrÀfte seltener Opfer von Gewalt geworden als noch im Vorjahr (2024: 687). Insgesamt 480 Polizeibeamtinnen und -beamte (2024: 648) sowie 34 RettungskrÀfte (2024: 39) wurden im vergangenen Jahr hierbei verletzt.
Tötungsdelikte
In der PI Göttingen wurden in 2025 insgesamt dreizehn Tötungsdelikte, darunter 9 Versuche bearbeitet. In fĂŒnf FĂ€llen richtete die Polizeiinspektion Göttingen zur Bearbeitung der komplexen Tatgeschehen Mordkommissionen ein.
In chronologischer Reihenfolge waren dies:
Moko "Sittich" : Tötungsdelikt in einem Einfamilienhaus in Dramfeld am 24. Januar 2025 zum Nachteil eines 81 Jahre alten Hausbewohners (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5956808 und https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5964127 ) . Die seinerzeit tatverdĂ€chtige Untermieterin des Mannes wurde in Spanien festgenommen und nach Deutschland ĂŒberfĂŒhrt. Der Prozess gegen die 22-JĂ€hrige vor dem Landgericht Göttingen ist bereits abgeschlossen. Sie wurde unbefristet im MaĂregelvollzug untergebracht.
Moko "Laub": Tötungsdelikt im ReinhĂ€user Wald, Gemeinde Gleichen, zum Nachteil einer jungen Frau am 30. Juni 2025 (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6066299, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6070207 ). Der Prozess gegen die von der Polizei ermittelte mutmaĂliche TĂ€terin vor dem Landgericht Göttingen dauert an.
Moko "Grenzfall": Tötungsdelikt am 12. August 2025, am Bahnhof Friedland zum Nachteil der Jugendlichen Liana K. (siehe auch Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Göttingen vom 29. August 2025). Gegen den mutmaĂlichen 31 Jahre alten TĂ€ter lĂ€uft derzeit das Sicherungsverfahren am Landgericht Göttingen.
Moko "Burg": Versuchtes Tötungsdelikt am 15.08.2025 in der Göttinger Innenstadt zum Nachteil eines 25-jÀhrigen Opfers (wir berichteten, siehe auchhttps://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6097829, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6099840, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6116722). Der TÀter konnte bislang nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Das Verfahren liegt zurzeit bei der Staatsanwaltschaft Göttingen.
Moko "Fitness": Verfahren wegen Totschlags am 7. September 2026 in Göttingen, Im GroĂen Feld. Der spĂ€tere Beschuldigte gab an, seinen Bekannten tot in der Wohnung gefunden zu haben. Im Zuge der Ermittlungen erhĂ€rtete sich der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen. Der Prozess gegen den Hinweisgeber und zugleich mutmaĂlichen TĂ€ter vor dem Landgericht Göttingen hat diese Tage begonnen.
Stellvertretend fĂŒr weitere Ermittlungsverfahren im Kontext Tötungsdelikte sei an dieser Stelle der nachfolgende Fall besonders erwĂ€hnt:
WÀhrend einer Verkehrskontrolle am 27. Februar 2025 wurde in Bovenden eine Polizeibeamtin von einem losfahrenden PKW erfasst und verletzt (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5980614, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5980728, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5981355). Der unbekannte Fahrer des Wagens konnte von der Polizei ermittelt und im Nachgang festgenommen werden. Er wurde bereits rechtskrÀftig verurteilt.
Die weiteren Taten ereigneten sich im Stadtgebiet Göttingen (incl. Ortsteile/5), in Bad Lauterberg (1) und in Osterode (1). In allen FÀllen konnten TatverdÀchtige ermittelt werden. Die entsprechenden Verfahren wurden an die Staatsanwaltschaften in Göttingen oder Braunschweig abgegeben.
HĂ€usliche Gewalt
Die Bearbeitung von Delikten im Zusammenhang mit hĂ€uslicher Gewalt erfolgt in Göttingen originĂ€r im 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes durch speziell geschulte Ermittlerinnen und Ermittler. Auch hier lĂ€sst sich im Bereich der PI Göttingen von 2024 (1.378) zu 2025 (1.315) eine Fallzahlensenkung um fast 5 % feststellen. HĂ€usliche Gewalt findet tĂ€glich in Partnerschaften bzw. im hĂ€uslichen Bereich in allen gesellschaftlichen Schichten statt. Sie kann unterschiedliche Formen haben und wird z.B. als Hausfriedensbruch, Nachstellung, Bedrohung, Körperverletzung, Diebstahl oder als Sexualdelikt bei der Polizei angezeigt. Ein Grund fĂŒr das weiterhin hohe Fallzahlenaufkommen ist das verĂ€nderte Anzeigeverhalten von Opfer und Zeugen, durch vermehrte AufklĂ€rung. Dies fĂŒhrt zu einer Erhellung des Dunkelfeldes. Zum anderen beinhaltet der Begriff nach neuer Definition nicht nur die Partnergewalt, sondern auch Gewalt innerhalb der Familie. Frauen sind dabei weitaus hĂ€ufiger als Opfer betroffen, als MĂ€nner. In zahlreichen FĂ€llen wurden 24-stĂŒndige Platzverweise fĂŒr die Wohnanschrift des Opfers oder bis zu 10-tĂ€gige Wegweisungen von der eigenen Wohnung gegen die Beschuldigten ausgesprochen. Das sind MaĂnahmen, die den Opferschutz stĂ€rken und dem Opfer Gelegenheit bieten, die persönliche Situation zu reflektieren und dem Leben ggfs. eine neue Richtung zu geben. HĂ€ufig werden die 10 Tage der Wegweisung genutzt, bei Gericht eine Gewaltschutzanordnung zu erwirken, die in der Regel dem/der Antragsgegner/-in untersagt, sich dem/der Antragsteller/-in und seiner/ihrer Wohnung auf eine Entfernung von weniger als 50 Meter zu nĂ€hern oder sonstigen Kontakt zu ihm/ihr aufzunehmen. Wenn Kinder derartige Gewalt beobachten oder selbst erleben, wird stets das zustĂ€ndige Jugendamt darĂŒber in Kenntnis gesetzt bzw. das Jugendamt um sofortige Entscheidung ĂŒber den Verbleib des Kindes gebeten. Im Jahr 2024 wurden drei HochrisikofĂ€lle bekannt, zu denen insgesamt vier Fallkonferenzen durchgefĂŒhrt worden sind. Im Jahr 2025 verzeichnete die PI Göttingen in ihrem Bereich keinen einzigen Hochrisikofall. Die bestehenden Kooperationsstrukturen bei HochrisikofĂ€llen haben sich bewĂ€hrt, so dass zeitnah schnelle Absprachen Netzwerkpartnern der Staatsanwaltschaft Göttingen, dem Jugendamt, der Beratungs- und Interventionsstelle etc. gewĂ€hrleistet und zu treffende MaĂnahmen zeitnah umgesetzt werden konnten.
"HĂ€usliche Gewalt war und ist keine Familienangelegenheit, sondern eine schwere Straftat. Auch wenn die Fallzahlen im vergangenen Jahr leicht gesunken sind, wird dies unser hartnĂ€ckiges Bestreben, solche Taten weiter konsequent zu verfolgen, nicht beeinflussen. Neben der eigentlichen Strafverfolgung bildet fĂŒr uns die Abwehr von Gefahren und der Schutz der Opfer einen ganz wichtigen Schwerpunkt unserer tĂ€glichen Arbeit und vorrangiges Ziel unseres polizeilichen Einschreitens. Eine groĂe Bedeutung kommt dabei auch der Opferbetreuung zu rechtlichen Möglichkeiten nach dem Gewaltschutzgesetz zu," so ZKD-Leiter Oliver Tschirner.
Kinderpornographie
Mit der Bearbeitung von FĂ€llen der Kinderpornographie sind in der PI Göttingen 14 Mitarbeitende im Bereich der Ermittlungen und der Forensik betraut. Dieser hohe personelle Ansatz in Verbindung mit dem Einsatz einer Software, basierend auf KĂŒnstlicher Intelligenz, dient der Abarbeitung der Fallzahlen (2024: 222; 2025: 240) in diesem PhĂ€nomenbereich. Zu den Aufgaben der ermittelnden Personen zĂ€hlt neben Durchsuchungen und Vernehmungen, vor allem die Auswertung von sichergestellten oder beschlagnahmten DatentrĂ€gern. Diese TĂ€tigkeit stellt fĂŒr Ermittlungsbehörden eine groĂe Herausforderung dar. Die Massen an Daten und insbesondere die inkriminierten zu sichtenden Inhalte fordern den eingesetzten KrĂ€ften eine hohe ProfessionalitĂ€t und Belastbarkeit ab.
Fahrraddiebstahl
FĂŒr die PI Göttingen lieĂ sich seit Jahren eine Steigerung im Bereich des Fahrraddiebstahles feststellen. Im Stadtgebiet von Göttingen ist es im Jahr 2024 zu 2.803 (2023: 2.599) FahrraddiebstĂ€hlen inkl. unbefugter Ingebrauchnahme von Fahrzeugen gekommen. Die Schadenssumme hierbei betrug 4.753.246 EUR. 2025 ist es den EinsatzkrĂ€ften gelungen, diese Fallzahlen um 35 % und somit rund 1.000 Taten auf 1.817 FĂ€lle zu senken. Die Schadenssumme belĂ€uft sich nunmehr auf 3.177.148 EUR.
Zur BekĂ€mpfung des andauernden KriminalitĂ€tsphĂ€nomens hatte der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Leitender Polizeidirektor Marco Hansmann, im Juni u. a. eine Forcierung der polizeilichen KontrollmaĂnahmen und Erweiterung des taktischen Konzeptes angekĂŒndigt (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6056214).
Dazu PolizeioberrÀtin Berkhan:
"Die deutliche Reduzierung der Fallzahlen im Bereich der FahrraddiebstĂ€hle ist das Ergebnis einer konsequenten und langfristig angelegten BekĂ€mpfungsstrategie. MaĂgeblich dazu beigetragen haben die hohe polizeiliche PrĂ€senz, die intensive KontrolltĂ€tigkeit sowie das niederschwellige und zugleich konsequente Einschreiten, wodurch der Kontrolldruck auf die ĂŒberwiegend organisiert agierenden TĂ€tergruppierungen spĂŒrbar erhöht wurde" und weiter: "Die Anzahl der FahrraddiebstĂ€hle befindet sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit 2016. Diese positive Entwicklung ist auch das Ergebnis von engmaschigen Kontrollen - auch im Umfeld kriminalitĂ€tsbelasteter Orte -, der konsequenten Beantragung und Umsetzung von Untersuchungshaftbefehlen sowie einer fortlaufenden Auswertung von Videoaufzeichnungen, DNA-Spuren und technischen Ortungsmöglichkeiten (u. a. durch GPS-Tracker/AirTags)."
Wiederholte Festnahmen von MehrfachtĂ€tern trugen auĂerdem zu einer nachhaltigen Störung bestehender TĂ€terstrukturen bei. Die konsequente Sicherstellung von Diebesgut - insbesondere bei Fahrzeugkontrollen und DurchsuchungsmaĂnahmen - hat die Logistik der TĂ€ter erheblich erschwert. Festzustellen ist auĂerdem, dass entwendete FahrrĂ€der zunehmend auĂerhalb bekannter kriminalitĂ€tsbelasteter Orte zwischengelagert oder nur noch kurzfristig deponiert werden. Dies ist als direkte Reaktion auf den erhöhten Ermittlungsdruck zu werten.
Beispielhafter Ermittlungserfolg:
Im Sommer 2025 wurde nach einem Zeugenhinweis ein rumĂ€nischer Kleintransporter im Stadtgebiet kontrolliert. In dem Fahrzeug wurden insgesamt 14 hochwertige, teilzerlegte E-Bikes festgestellt, die zum Abtransport in Bettlaken eingewickelt waren (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6062303). Die Ermittlungen ergaben, dass die FahrrĂ€der zuvor im Stadtgebiet entwendet und mutmaĂlich fĂŒr den Weitertransport ins Ausland bestimmt waren. Der 35-jĂ€hrige rumĂ€nische StaatsbĂŒrger wurde vorlĂ€ufig festgenommen und dem Haftrichter vorgefĂŒhrt. Dieser erlieĂ Untersuchungshaftbefehl. In engem zeitlichen Zusammenhang dazu konnten weitere TatverdĂ€chtige bei E-Bike-DiebstĂ€hlen auf frischer Tat gestellt werden. Durch Videoauswertung, DNA-Treffer sowie die Ortung entwendeter FahrrĂ€der konnten in mehreren FĂ€llen zusĂ€tzliche Taten nachgewiesen werden. Die Beschuldigten, die ĂŒberwiegend als MehrfachtĂ€ter im Bereich der Eigentumsdelikte bekannt sind, wurden dem Haftrichter vorgefĂŒhrt. In mehreren FĂ€llen wurden Untersuchungshaftbefehle erlassen. Die wiederholten Festnahmen, die Sicherstellung groĂer Mengen hochwertigen Diebesguts und die empfindliche Störung der logistischen AblĂ€ufe innerhalb der TĂ€tergruppierungen zeigen deutlich Wirkung und tragen maĂgeblich zur nachhaltigen Senkung der Fallzahlen im Bereich der FahrraddiebstĂ€hle bei.
BetÀubungsmittelkriminalitÀt
Politische Entscheidungen fĂŒhrten zu einer, in Teilbereichen, erheblichen Liberalisierung des BetĂ€ubungsmittelrechtes, insbesondere im Bereich der Cannabisprodukte. Mit der EinfĂŒhrung des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im Jahr 2024 und der damit einhergehenden Straffreiheit bestimmter Delikte, die zuvor noch dem BetĂ€ubungsmittelgesetz unterlagen, ist hier systemimmanent ein erheblicher RĂŒckgang von Straftaten erwartbar gewesen und auch eingetreten. In diesem Kontext ist der RĂŒckgang der Gesamttaten im Drogenbereich auch zu betrachten. Wurden in 2024 noch 1.046 Rauschgiftdelikte bearbeitet, sank diese Zahl auf 587 im Jahr 2025. Der gröĂte RĂŒckgang ist hier im Bereich der nicht mehr strafbewĂ€hrten VerstöĂe im Zusammenhang mit Cannabisprodukten feststellbar.
Wohnungseinbruchdiebstahl
Im Jahr 2025 ist im Deliktsbereich des Wohnungseinbruchdiebstahls ein Anstieg der registrierten Fallzahlen von 251 im Jahr 2024 auf 329 Taten im Jahr 2025 festzustellen. In der Gesamtbetrachtung liegt das Fallaufkommen damit weiterhin unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre in Höhe von 338 FĂ€llen. Die AufklĂ€rungsquote ist von 15,54 % auf 17,93 % gestiegen. Die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen wie die Inflation können zu individuellen finanziellen Belastungssituationen fĂŒhren, die als tatmotivierende Faktoren im Bereich der EigentumskriminalitĂ€t nicht auszuschlieĂen sind. Insbesondere in sozialstrukturell belasteten MehrfamilienhĂ€usern ergaben die Ermittlungen Hinweise darauf, dass TatverdĂ€chtige oft aus dem jeweiligen Haus- oder Nahbereich stammten. Aufgrund der hohen AnonymitĂ€t bei gleichzeitiger rĂ€umlicher NĂ€he der Bewohner gestaltete sich die AufklĂ€rung in diesen FĂ€llen oft besonders schwierig. Im Hinblick auf kriminalstatistische Entwicklungen ist zu berĂŒcksichtigen, dass polizeiliche SchwerpunktmaĂnahmen sowie prĂ€ventive Ăffentlichkeitsarbeit zu einer erhöhten Sensibilisierung der Bevölkerung gefĂŒhrt haben. Im Rahmen der gefĂŒhrten Ermittlungsverfahren wurde zudem deutlich, dass ein wesentlicher Anteil der Taten durch organisierte, ĂŒberregional agierende TĂ€tergruppierungen mit hoher MobilitĂ€t begangen wurden. Im Rahmen umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen konnte jĂŒngst eine europaweit agierende TĂ€tergruppierung identifiziert werden, die mutmaĂlich fĂŒr einen GroĂteil der in der dunklen Jahreszeit begangenen EinbruchsdiebstĂ€hle in EinfamilienhĂ€user in der Region verantwortlich waren.
Straftaten durch junge Menschen (Jugenddelinquenz)
Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten durch Kinder (0- unter 14 Jahre), Jugendliche (14- unter 18 Jahre) und Heranwachsende (18- unter 21 Jahre) ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,14 % auf 2.027 Taten gesunken. Jugenddelinquenz bleibt nach wie vor ein mĂ€nnliches PhĂ€nomen. Weibliche TatverdĂ€chtige hatten im Jahr 2025 hier nur einen Anteil von 25,52 % am Gesamtaufkommen. Jugenddelinquenz hebt sich durch gruppendynamische Prozesse hervor, wonach 23,38 % nicht allein handelnd polizeilich in Erscheinung getreten sind. Bei den unter 14-JĂ€hrigen handelt sogar ĂŒber die HĂ€lfte der tatverdĂ€chtigen Kinder nicht allein. Rohheitsdelikte waren insgesamt mit 570 Taten die hĂ€ufigsten Delikte, welche junge TatverdĂ€chtige auch im Jahr 2025 begangen haben. Unter den Begriff der Rohheitsdelikte fallen bspw. StraftatbestĂ€nde wie Körperverletzung, Raub oder rĂ€uberische Erpressung, Bedrohung und Nötigung.
Bezogen auf das letzte Jahr ist im Bereich der einfachen Körperverletzungen ein leichter RĂŒckgang um 7,99 %, bzw. ein gleichbleibendes Niveau mit Blick auf die gefĂ€hrliche - und schwere Körperverletzung festzustellen. Angestiegen sind hingegen die Fallzahlen bezĂŒglich verbaler Gewalt. Ein möglicher ErklĂ€rungsansatz fĂŒr das konstant hohe Niveau könnten die psychologischen Belastungen, wie auch die Entwicklung des Sozialverhaltens sein, welche Kinder und Jugendliche in der Folge bei Konflikten eher eskalieren lassen. GruppenzwĂ€nge, das Erkunden und Austesten von Grenzen, Leistungsdruck, gewaltverherrlichende Videos im digitalen Raum oder auch Schwierigkeiten im sozialen Umfeld sind Faktoren die dazu fĂŒhren, dass Kinder und Jugendliche, gerade unter Gleichaltrigen, eher gewalttĂ€tig werden.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Der Deliktsbereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung impliziert unter anderem die TatbestĂ€nde der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, die sexuelle BelĂ€stigung und auch den sexuellen Missbrauch. Im Bereich der Sexualdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 20,41 % festzustellen. Ein ErklĂ€rungsansatz hierzu liegt in den stetigen BemĂŒhungen zur Erhellung des Dunkelfeldes. Eine intensivierte Ausweitung der Netzwerkarbeit durch regelmĂ€Ăigen Austausch, beispielsweise in den Arbeitskreisen Jugend und HĂ€usliche Gewalt, sowie eine verstĂ€rkte Sensibilisierung der Ăffentlichkeit fĂŒr diese Thematik, tragen aus polizeilicher Perspektive zu einem verĂ€nderten Anzeigeverhalten bei. Ein GroĂteil der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ereignet sich nach wie vor im familiĂ€ren und sozialen Umfeld. Ein Umdenken ist nicht nur bei Polizei und Justiz, sondern auch in breiten Teilen der Bevölkerung dahingehend angekommen, dass HĂ€usliche Gewalt keine Privatsache ist.
Besitz und Erwerb Kinder- und Jugendpornografie Die Straftaten im Zusammenhang mit dem Erwerb und der Verbreitung pornografischer Inhalte von Kinder- und Jugendpornografie sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gestiegen - um 29,76%. In diesem Kontext kann im Bereich der Jugenddelinquenz von einem eher wachsenden Deliktsfeld ausgegangen werden. Gruppenchats ĂŒber WhatsApp, Snapchat oder vergleichbare Portale sind beliebte Kommunikationsmittel bei Kindern und Jugendlichen, wobei nicht nur alltĂ€gliche Dinge ausgetauscht werden, sondern auch schnell unzulĂ€ssige Inhalte mit vielen Freunden unbedacht geteilt werden können. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass es sich dabei um Straftaten handelt. Zudem wird intimes Bildmaterial, welches im Rahmen einer Beziehung einvernehmlich dem jeweiligen Partner zugesandt wurde, nach Beziehungsende nicht selten an andere versendet. Eine solche Vorgehensweise ist bei jungen Menschen immer wieder beobachtbar und teils bedingt durch emotionale RĂŒckschlĂ€ge in ersten Liebesbeziehungen.
Dieser Anstieg ist laut Kriminaldirektor Tschirner nicht hinnehmbar. "Wir begegnen diesem Aufkommen mit abgestimmten PrĂ€ventionsmaĂnahmen. Hier sei einerseits die PuppenbĂŒhne der Polizeidirektion Göttingen genannt, aber in erster Linie das PrĂ€ventionsteam und das Fachkommissariat fĂŒr JugendkriminalitĂ€t der Polizeiinspektion Göttingen, die insbesondere den Schulen, aber auch anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen, sowie Privatpersonen als Ansprechpartner fĂŒr AufklĂ€rungsarbeit zur Seite stehen."
SachbeschÀdigung
Im Bereich der SachbeschĂ€digung ist ein Anstieg von 15,5 % im Vergleich zum Vorjahr zu dokumentieren. Darunter fallen Vandalismus oder auch blinde Zerstörungswut. SachbeschĂ€digungen werden oft aus der Gruppe heraus ausgeĂŒbt. Dabei entstehen dynamische, unkontrollierte kollektive Verhaltensweisen, die durch Alkoholeinfluss oft noch verstĂ€rkt werden. Als Motiv wurden Langeweile und das Erlangen von Aufmerksamkeit bekannt. Hierzu zĂ€hlen auch sogenannte Mutproben die begangen werden, um sich als geleichwertiges Mitglied in einer Gruppe zu behaupten.
Schlussstatement Inspektionsleiter Marco Hansmann: "Es ist sehr positiv zu bewerten, dass das Fallzahlenaufkommen grundsÀtzlich gesunken ist. Dennoch sind weiterhin hohe Fallzahlen u.a. im Bereich der Rohheitsdelikte, der HÀuslichen Gewalt, der Messerangriffe und des Wohnungseinbruch- und Fahrraddiebstahls nicht hinnehmbar. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen Mitarbeitenden der Polizeiinspektion Göttingen, die ihre akribische Arbeit in 2026 feststellbar motiviert weiter fortsetzen, um kriminelles Vorgehen zu verhindern und Straftaten und Ordnungswidrigkeiten professionell zu bearbeiten."
Hinweis fĂŒr Medien: AusgewĂ€hlte Grafiken befinden sich als PDF im Anhang.
RĂŒckfragen bitte an:
Polizeiinspektion Göttingen
Presse- und Ăffentlichkeitsarbeit
Jasmin Kaatz
Otto-Hahn-StraĂe 2
37077 Göttingen
Telefon: 0551/491-2017
Fax: 0551/491-2010
E-Mail: pressestelle@pi-goe.polizei.niedersachsen.de
http://www.pi-goe.polizei-nds.de
Original-Content von: Polizeiinspektion Göttingen ĂŒbermittelt durch news aktuell
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

