POL-DH, Landkreis --- Landkreis, HĂ€usliche Gewalt ist keine Privatsache - Zweites Netzwerktreffen Interventionskette HĂ€usliche Gewalt ---
03.05.2024 - 09:16:04
Diepholz - Der Statistik kann entnommen werden, dass das PhĂ€nomen HĂ€usliche Gewalt mehr denn je prĂ€sent ist. Steigende Fallzahlen sprechen fĂŒr sich (2023 612 / 2022 565 FĂ€lle hĂ€uslicher Gewalt in der Polizeiinspektion Diepholz). Aber ist dieses PhĂ€nomen auch in unserer Gesellschaft, in unseren Köpfen angekommen? In der Nachbarschaft wird immer wiederkehrender Streit wahrgenommen. In der hĂ€uslichen Gemeinschaft wird geschrien, ge- und bedroht - nicht nur verbal, es geht dort mitunter handfest zur Sache. Es wird geschlagen, getreten, mit GegenstĂ€nden jemand verletzt. Nehme ich derartige Geschehnisse wahr und wie regiere ich darauf? Biete ich meine Hilfe an? Suche ich das GesprĂ€ch? Oder nutze ich die Notrufnummer 110? Oder schaue ich einfach weg, weil es mich nichts angeht? Privatsache? Was passiert mit Kindern in den gewaltbetroffenen Haushalten? Fragen, denen man sich stellen kann, wenn im eigenen sozialen Umfeld, wie Nachbarschaft, Familie, Beruf oder Sport derartige Sachverhalte bekannt werden. Studien belegen immer wieder, dass Opfer von hĂ€uslicher Gewalt eine lange Leidensgeschichte haben, welche auch durch das soziale Umfeld wahrgenommen wird. Unbeobachtet bleiben die Ereignisse von hĂ€uslicher Gewalt in der Regel nicht. Im Falle einer Notrufauslösung 110 ist die Polizei fĂŒr die Opfer immer die erste Anlaufstelle im Rahmen der Krisenintervention. Nach der Sachverhaltserfassung vor Ort wird dem Opfer Hilfe angeboten. Mittels einer Wegweisung des TĂ€ters / der TĂ€terin aus der Wohnung von mehreren Tagen, hat das Opfer die Möglichkeit, sich um seine Belange zu kĂŒmmern, um zukĂŒnftig ein sicheres und gewaltfreies Leben fĂŒhren zu können. Nicht selten fĂŒhrt das auch zu Ăberforderung auf Seiten der Opfer. Sie ĂŒberblicken schon allein aus vielfĂ€ltigen emotionalen GrĂŒnden nicht, wie dieses 'kĂŒmmern' eigentlich aussehen könnten. Liebe, Sorge um die Kinder, Geldsorgen, Auseinandersetzungen mit den Behörden wie Jugendamt, Familienhilfe und Gerichten und weitere gefĂŒhlte AbhĂ€ngigkeiten stehen zu oft im Vordergrund. Um die Opfer von hĂ€uslicher Gewalt bestmöglich unterstĂŒtzen zu können, hat sich das Netzwerk Interventionskette HĂ€usliche Gewalt im Landkreis Diepholz zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Aktiven in diesen Ereignissen wie u.a. Jugendamt, Sozialraumteams des Fachdienst Jugend, Landesschulbehörde, Schulen, Familienhilfe, Opfer- und TĂ€terberatungsstellen, Polizei, Justiz, Opferhilfeeinrichtungen, Frauenschutzhaus und Frauenberatungsstellen zu vereinen und in einen engeren Austausch miteinander zu bringen. Wer macht im Rahmen seiner Profession eigentlich was und wo kann man sich fĂŒr den Schutz von Opfern in der gemeinsamen individuellen Arbeit ergĂ€nzen und gegenseitig unterstĂŒtzen? Im Rahmen des 2. Netzwerktreffens, welches erneut in Twistringen stattfand, haben sich am 18. April etwa 80 Aktive getroffen. In Kleingruppenarbeit wurde ein anonymisierter Sachverhalt vorgestellt, in dem die Netzwerkteilnehmenden im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben darstellen konnten, wie und in welcher Art dem Opfer geholfen werden kann. Dies war insofern so spannend, da die Teilnehmenden sehr bunt gemischt zusammensaĂen. Der informelle Austausch an den Arbeitstischen war dadurch sehr vielfĂ€ltig und bereichernd. Die Ergebnisse wurden anschlieĂend vorgestellt und diskutiert. Alle Teilnehmenden waren sich darin einig, dass dieses Treffen sinnvoll war und das Netzwerk auch weiter mit Leben gefĂŒllt werden sollte. Ziel dieser Netzwerkarbeit ist zum einen, sich im Austausch zu befinden, ĂŒbereinander Bescheid zu wissen und VerstĂ€ndnis zu haben. Zum anderen gemeinsam das Ziel vor Augen zu haben, fĂŒr die Opfer von hĂ€uslicher Gewalt da zu sein und adĂ€quate Hilfen anzubieten. Ein gewaltfreies und sicheres Leben sollte im Ergebnis fĂŒr die Opfer immer im Vordergrund stehen. Je eher, umso besser. Das nĂ€chste Netzwerktreffen ist bereits in Planung. Organisiert wird dieses Netzwerk durch Aktive der Polizei, des Landkreises Diepholz und des Netzwerkes gegen HĂ€usliche Gewalt im Landkreis Diepholz e.V. Bei RĂŒckfragen oder Interesse, Teil des Netzwerkes Interventionskette HĂ€usliche Gewalt zu werden, wenden Sie sich bitte an die E-Mail-Anschrift [email protected]
Fotos (Polizei) Vorbereitungsteam Interventionskette hĂ€usliche Gewalt (von links nach rechts)Corinna Wiegmann, Fachberatungsstelle fĂŒr Frauen und MĂ€dchen, Bruchhausen-Vilsen Jutta Stricker, Kriminaloberkommissarin, Ansprechpartnerin Interventionskette HĂ€usliche Gewalt Christina Runge, Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Diepholz Michael Wessels, Kriminalhauptkommissar, Beauftragter fĂŒr KriminalprĂ€vention Doris Wieferich, Leiterin des Netzwerkes gegen HĂ€usliche Gewalt im Landkreis Diepholz e.V.
Ăbersichtsaufnahme des Netzwerktreffens vom 18. April in Twistringen
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