POL-MFR, Veröffentlichung

(280) Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2023

20.03.2024 - 11:00:12

Mittelfranken - "Eine Steigerung der AufklĂ€rungsquote trotz höherer Fallzahlen - ein Beleg fĂŒr unseren fortwĂ€hrenden und erfolgreichen Einsatz fĂŒr die Sicherheit der mittelfrĂ€nkischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger", bilanziert PolizeiprĂ€sident Adolf Blöchl mit Blick auf die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2023. Zusammen mit Kriminaldirektor Holger Stein, dem Leiter des Sachgebiets KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung, stellte Blöchl am Mittwoch (20.03.2024) die neuen Zahlen im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

Die mittelfrĂ€nkische Polizei registrierte im vergangenen Jahr 82.523 Straftaten (inklusive auslĂ€nderrechtlicher VerstĂ¶ĂŸe: 87.339; fortan wird stets - ohne weitere Nennung - die Anzahl exklusive auslĂ€nderrechtlicher VerstĂ¶ĂŸe genannt). Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreswert von 78.262 einem Aufwuchs von 4.261 Straftaten und damit einem Anstieg um 5,4 %. Nachdem bei der Gesamtzahl der Straftaten bereits 2022 nach dem Wegfall aller Corona-EinschrĂ€nkungen ein deutlicher Anstieg (11,9 %) zu verzeichnen war, liegt der Wert nun statistisch zwischen den Vor-Corona-Jahren 2018 (83.942) und 2019 (80.904). Im 10-Jahres-Vergleich stellt man einen RĂŒckgang der KriminalitĂ€tszahlen um knapp 10 % fest (2014: 91.582).

Ähnlich stellt sich die Entwicklung der HĂ€ufigkeitszahl dar. Mit diesem Wert wird das VerhĂ€ltnis der erfassten Straftaten in Relation zur Bevölkerungszahl eines geografischen Raums gesetzt. Mit einem Wert von 4.570 verzeichnet die mittelfrĂ€nkische Polizei - im Vergleich zu 4.404 im Vorjahr - auch hier einen Anstieg um knapp 3,8 %. Damit erreicht die Kennzahl exakt das Niveau aus dem Vor-Corona-Jahr 2019. Der RĂŒckgang im 10-Jahres-Vergleich fĂ€llt bei der HĂ€ufigkeitszahl noch erfreulicher aus als in der GesamtkriminalitĂ€t. Hier lĂ€sst sich eine Senkung um 14,8 % (2014: 5.364) ermitteln. Im Zusammenhang mit den aktuellen HĂ€ufigkeitszahlen gibt es vor allem in FĂŒrth wieder Grund zur Freude: Mit 4.684 erfassten Straftaten pro 100.000 Einwohnern nimmt die Kleeblattstadt im bayernweiten Vergleich erneut den Spitzenplatz als sicherste Großstadt ein.

Die positive Langzeitentwicklung in der AufklĂ€rungsquote setzte sich indes fort. Im Vergleich zum Vorjahr ist erneut eine Verbesserung um einen Prozentpunkt (2022: 66,8 %) auf 67,8 % zu verzeichnen. Im 10-Jahres-Vergleich lĂ€sst sich konstatieren, dass die AufklĂ€rungsquote - ohne BerĂŒcksichtigung der Corona-Jahre - weiterhin sukzessive ansteigt.

"Wir haben im Verlauf des vergangenen Jahres einen Anstieg sowohl der Fallzahlen als auch der KriminalitĂ€tsbelastung wahrgenommen. Dies schlĂ€gt sich nun auch in der KriminalitĂ€tsstatistik nieder", fasst Blöchl zusammen. "Das Sicherheitsniveau ist nach wie vor hoch, wir mĂŒssen die Gesamtentwicklung jedoch genau im Auge behalten", so Blöchl weiter. "Wir analysieren mögliche Ursachen fĂŒr den Anstieg und werden diesem Trend bestmöglich mit wirksamen Maßnahmen begegnen. Wir haben hierfĂŒr mehrere Schwerpunkte identifiziert, die fĂŒr die jĂŒngste Entwicklung mitverantwortlich sind. Hieraus ergeben sich fĂŒr die mittelfrĂ€nkische Polizei besondere Aufgabenschwerpunkte fĂŒr das laufende und die kommenden Jahre".

Schwerpunkte können insbesondere in den Bereichen der Delikte, begangen durch nichtdeutsche TatverdÀchtige, KriminalitÀt im öffentlichen Raum, Diebstahlsdelikte sowie Kinder- und JugendkriminalitÀt ausgemacht werden:

Mit dem Anstieg der Gesamtzahlen in Verbindung mit einer gestiegenen AufklĂ€rungsquote ging unweigerlich auch ein Anstieg der Zahl der TatverdĂ€chtigen einher. AugenfĂ€llig ist hierbei, dass der Gesamtanstieg der TatverdĂ€chtigen um 6 % mit lediglich 0,9 % auf tatverdĂ€chtige Deutsche entfĂ€llt. Bei den tatverdĂ€chtigen Nichtdeutschen ist hingegen ein Anstieg um 11 % zu verzeichnen. Betrachtet man hierunter die Teilmenge der Zuwanderer, dann fĂ€llt ein Anstieg um 26,6 % auf. "Wir stellen fest, dass nichtdeutsche TatverdĂ€chtige und tatverdĂ€chtige Zuwanderer bei dem jĂŒngsten Anstieg der Zahlen deutlich ĂŒberreprĂ€sentiert sind", bemerkt der PolizeiprĂ€sident. Eine genauere Analyse der durch Zuwanderer begangenen Straftaten zeigt, dass die Zahlen hier in allen Deliktsbereichen deutlich gestiegen sind. Die Deliktsbereiche Diebstahl (+44,9 %) und Vermögens- und FĂ€lschungsdelikte (+32,7 %) zeigen sich hierbei am auffĂ€lligsten.

Die Gewaltdelikte im öffentlichen Raum nahmen mit 6,3 % im Vergleich zum Anstieg der Gesamtzahl aller Straftaten leicht ĂŒberdurchschnittlich zu. Der deutlichste Zuwachs ist hier mit 21,7 % in der Gruppe der Raubdelikte zu verzeichnen. Diese stellen mit 4,5 % jedoch lediglich einen kleineren Anteil. Erfreulicherweise sind die Sexualdelikte im öffentlichen Raum rĂŒcklĂ€ufig. Diese nahmen um 3,4 % ab. Insbesondere die Zahl der Vergewaltigungen sank von 61 auf 48 FĂ€lle um 21,3 %.

2023 wurden gegen 8.750 Personen unter 21 Jahren ein oder mehrere Strafverfahren eingeleitet - 3,8 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt entfielen auf die Gruppe der Kinder (unter 14 Jahren), Jugendlichen (unter 18 Jahren) und Heranwachsenden (unter 21 Jahren) 12.452 FÀlle. Knapp zwei Drittel davon fallen hierbei unter die Kategorien Diebstahls-, Rohheits- sowie BetÀubungsmitteldelikte. "WÀhrend die Anzahl der tatverdÀchtigen Kinder leicht abnahm (-4,4 %), mussten wir einen Anstieg bei den Jugendlichen (+4,1 %) und mit 8,1 % einen noch deutlicheren Anstieg bei den tatverdÀchtigen Heranwachsenden feststellen", hÀlt Holger Stein fest.

Mit knapp 11 % nahm die Zahl der Diebstahlsdelikte 2023 deutlich zu. Dazu trugen insbesondere die erhöhten Fallzahlen beim besonders schweren Fall des Fahrraddiebstahls (+ 7,9 %) und dem Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen (+12,3 %) bei. Der augenfĂ€lligste Anstieg liegt mit 21,6 % im Bereich der LadendiebstĂ€hle. Waren 2022 hier noch 6.984 FĂ€lle zu verbuchen, sprang die Zahl 2023 auf 8.492 und damit auf einen 10-Jahres-Höchststand. "AuffĂ€llig, wenn auch wenig ĂŒberraschend, ist der Umstand, dass mehr als die HĂ€lfte der Taten in NĂŒrnberg stattfanden", bemerkt Stein.

Nach signifikanten Anstiegen im Bereich der polizeilich zu betreuenden Einsatzlagen in den letzten Jahren konnte das PolizeiprĂ€sidium Mittelfranken hier 2023 eine Reduktion um 12,6 % verzeichnen. Blöchl gab jedoch zu bedenken: "Mit insgesamt 3.316 Veranstaltungen sahen sich meine Kolleginnen und Kollegen dennoch wieder mit einem beachtlichen Einsatzpensum konfrontiert. Die Gesamtzahl der Versammlungen ging zwar um knapp ein Drittel zurĂŒck - seit Jahresende ist hier aber wieder ein spĂŒrbarer Anstieg zu verzeichnen. Allein in den ersten zwei Monaten des Jahres 2024 lag die Zahl der zu betreuenden Versammlungen annĂ€hernd beim doppelten Wert des Vorjahres." Beim tĂ€glichen Arbeitsaufkommen waren 2023 keine signifikanten VerĂ€nderungen zu verzeichnen. Die Zahl der Notrufe nahm mit insgesamt 246.627 um 4,4 %, die Zahl der EinsĂ€tze mit 291.364 um 1,0 % nur leicht zu. Letztere erreichte trotz des geringen Anstiegs einen neuen Rekordwert.

Mit Blick auf die Steigerung im Bereich der Fallzahlen und der Anzahl der TatverdĂ€chtigen ordnet der PolizeiprĂ€sident ein: "Mit der Entwicklung, die wir bei uns in Mittelfranken 2023 beobachteten, liegen wir im bayernweiten Vergleich mit den anderen PolizeiprĂ€sidien im Mittelfeld." Einen Grund zur Sorge sieht Blöchl nicht: "Wir dĂŒrfen trotz leicht gestiegener Fallzahlen nicht vergessen, dass wir uns mit Blick auf die Langzeitentwicklung der KriminalitĂ€t nach wie vor auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau befinden. In Mittelfranken können Menschen nicht nur sicher leben, sondern sich auch sicher fĂŒhlen". Mit den erkannten Schwerpunkten seien dennoch besondere Aufgaben fĂŒr das Jahr 2024 und die kommenden Jahre identifiziert. "Uns ist es gelungen, bereits wĂ€hrend des vergangenen Jahres auf gewisse erkannte Entwicklungen - unter anderem durch Einrichtung spezieller Arbeitsgruppen sowie der Erarbeitung teils bayernweiter Konzepte - zu reagieren. Diese BemĂŒhungen werden seitdem sukzessive erweitert und ergĂ€nzt, um dem Trend bestmöglich entgegenzutreten", ergĂ€nzt Stein.

Einzelheiten zur Polizeilichen Kriminalstatistik können Sie dem Sicherheitsbericht des PolizeiprÀsidiums Mittelfranken entnehmen. Dieser ist unter folgendem Link im Internet abrufbar:

https://www.polizei.bayern.de/kriminalitaet/statistik/003105/index.html

Erstellt durch: Markus Feder / mc

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