Emsland/ Grafschaft Bentheim - Mit bis zu 60 km/ h unterwegs - Polizei warnt vor manipulierten Fatbikes
Veröffentlicht am: 10.07.2026 um 08:34 Uhr | presseportal.de
WĂ€hrend Fatbikes im Emsland bislang noch eher vereinzelt im StraĂenbild auffallen und dort nach wie vor E-Scooter hĂ€ufiger Anlass fĂŒr polizeiliche MaĂnahmen geben, beobachtet die Polizei insbesondere im Bereich der Grafschaft Bentheim eine deutliche Zunahme manipulierter Fatbikes. Wiederkehrende VerkehrsunfĂ€lle, BĂŒrgerbeschwerden sowie die zunehmende Zahl an Fahrzeugen ohne Versicherungsschutz oder mit technischen Manipulationen haben die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim dazu veranlasst, die Kontrollen deutlich zu intensivieren.
Schwerpunktkontrollen bestĂ€tigen den Trend Bereits am 2. Juli 2026 fĂŒhrte die Polizei im Nordhorner Stadtgebiet eine erste Schwerpunktkontrolle durch. Zwischen 10:30 Uhr und 16:30 Uhr kontrollierten die EinsatzkrĂ€fte insgesamt 20 Fatbikes und E-Scooter. Dabei wurden 16 Ordnungswidrigkeiten sowie fĂŒnf Straftaten festgestellt. Ein manipuliertes Fatbike wurde sichergestellt, nachdem dessen Fahrer trotz einer zuvor festgestellten Fahrt ohne Fahrerlaubnis kurze Zeit spĂ€ter erneut mit dem Fahrzeug unterwegs war. Das Fahrzeug erreichte eine Geschwindigkeit von rund 50 km/h und verfĂŒgte weder ĂŒber die erforderliche Pflichtversicherung noch ĂŒber eine gĂŒltige Zulassung.
Eine Woche spĂ€ter, am 9. Juli 2026, setzte die Polizei ihre Kontrollen fort und weitete diese auf das gesamte Nordhorner Stadtgebiet aus. UnterstĂŒtzt wurden die EinsatzkrĂ€fte dabei unter anderem durch Kontaktbeamte der Polizeiinspektion Lingen, einen Beamten der VerkehrsprĂ€vention des Polizeikommissariats Nordhorn sowie einen Kollegen der niederlĂ€ndischen Politie aus Oldenzaal.
Insgesamt wurden 101 Fahrzeuge, darunter 44 Fatbikes, kontrolliert. Die Bilanz: 26 Ordnungswidrigkeiten sowie zehn Straftaten, darunter vier FĂ€lle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und sechs VerstöĂe gegen das Pflichtversicherungsgesetz. DarĂŒber hinaus wurden drei manipulierte Fatbikes sichergestellt.
FĂŒr die Polizei bestĂ€tigen die Ergebnisse beider Kontrolltage, dass manipulierte Fahrzeuge zunehmend im StraĂenverkehr anzutreffen sind und gezielte Kontrollen weiterhin erforderlich bleiben.
Aus dem Fahrrad wird schnell ein Kraftfahrzeug
Vielen Nutzerinnen und Nutzern ist nicht bewusst, dass bereits wenige technische VerĂ€nderungen erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können. Wird die MotorunterstĂŒtzung manipuliert oder die zulĂ€ssige Höchstgeschwindigkeit aufgehoben, handelt es sich hĂ€ufig nicht mehr um ein Fahrrad, sondern um ein zulassungspflichtiges Kraftfahrzeug.
Je nach Art der Manipulation können unter anderem folgende VerstöĂe vorliegen:
Besonders schwerwiegend sind die möglichen finanziellen Folgen nach einem Verkehrsunfall. Besteht fĂŒr ein manipuliertes Fahrzeug kein vorgeschriebener Versicherungsschutz, mĂŒssen die Verantwortlichen unter UmstĂ€nden fĂŒr sĂ€mtliche entstandenen Sach- und PersonenschĂ€den selbst aufkommen. Gerade bei schweren Verletzungen können schnell Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen entstehen, die sich auf mehrere zehntausend oder sogar hunderttausende Euro belaufen können. Auch Eltern sollten sich dieser möglichen Konsequenzen bewusst sein, wenn ihre minderjĂ€hrigen Kinder solche Fahrzeuge nutzen.
Hohe Geschwindigkeit, fehlender Schutz, schwerwiegende Folgen
Besonders kritisch bewertet die Polizei die Kombination aus hohen Geschwindigkeiten und fehlender SchutzausrĂŒstung. Viele Fahrerinnen und Fahrer sind ohne Helm unterwegs und unterschĂ€tzen die Folgen eines Sturzes erheblich.
Dass die Gefahr real ist, zeigen mehrere VerkehrsunfĂ€lle aus diesem Jahr. In der Grafschaft Bentheim wurden bereits zahlreiche UnfĂ€lle registriert, bei denen Fatbike-Fahrer verletzt wurden. Betroffen waren ĂŒberwiegend Kinder und Jugendliche. Die UnfĂ€lle reichen von AlleinunfĂ€llen ĂŒber Kollisionen mit FuĂgĂ€ngern bis hin zu ZusammenstöĂen mit abbiegenden Pkw. In einem Fall kollidierte ein 14-jĂ€hriger Fatbike-Fahrer beim Ăberholen mit einem elfjĂ€hrigen FuĂgĂ€nger, wobei beide verletzt wurden. In einem anderen Fall waren drei MinderjĂ€hrige gleichzeitig auf einem Fatbike unterwegs, als es beim Abbiegen eines Pkw zu einem Verkehrsunfall kam(genaue Zahlen können erst im Rahmen der Jahresstatistik erfolgen).
Mit steigender Geschwindigkeit nimmt die Schwere möglicher Verletzungen erheblich zu. Bereits ein Sturz bei 50 oder 60 km/h kann lebensgefĂ€hrliche Folgen haben. Gleichzeitig steigt auch das Risiko fĂŒr andere Verkehrsteilnehmer erheblich.
Polizei appelliert an Eltern und junge Fahrer Die Polizei richtet ihren Appell ausdrĂŒcklich auch an Eltern und Erziehungsberechtigte. Vor dem Kauf oder der Nutzung eines elektrisch unterstĂŒtzten Zweirades sollte genau geprĂŒft werden, um welche Fahrzeugart es sich handelt und ob technische VerĂ€nderungen vorgenommen wurden. Nicht jedes Fahrzeug, das wie ein Fahrrad aussieht, darf auch wie ein Fahrrad im öffentlichen StraĂenverkehr genutzt werden.
Zudem kursieren insbesondere in sozialen Medien zahlreiche Anleitungen, mit denen sich Fatbikes innerhalb weniger Minuten manipulieren lassen. Was dort hÀufig als harmloses "Tuning" dargestellt wird, kann strafrechtliche Konsequenzen haben und im schlimmsten Fall Menschenleben gefÀhrden.
"Viele Jugendliche verbinden mit den manipulierten Fatbikes vor allem FahrspaĂ und Geschwindigkeit. Was dabei hĂ€ufig vergessen wird: Wer mit 50 oder 60 km/h ohne Helm unterwegs ist, hat bei einem Sturz kaum eine Chance, unverletzt zu bleiben. Hinzu kommen die rechtlichen Folgen. Aus einem vermeintlichen Fahrrad wird schnell ein Kraftfahrzeug - mit allen Konsequenzen. Wer ohne den vorgeschriebenen Versicherungsschutz einen Unfall verursacht, riskiert nicht nur ein Strafverfahren, sondern kann fĂŒr entstandene SchĂ€den persönlich haftbar gemacht werden. Das kann junge Menschen und ihre Familien finanziell ĂŒber viele Jahre belasten. Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Anzeigen zu schreiben. Wir möchten verhindern, dass junge Menschen durch Leichtsinn ihr Leben oder ihre Zukunft aufs Spiel setzen. Deshalb werden wir unsere Kontrollen konsequent fortsetzen", sagt Polizeioberkommissar Jörg Reurik vom PrĂ€ventionsteam und Verkehrssicherheitsbereich des Polizeikommissariats Nordhorn.
Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim wird die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten und auch kĂŒnftig gezielte Kontrollen durchfĂŒhren. Ziel ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und insbesondere junge Menschen fĂŒr die erheblichen Gefahren manipulierter Fatbikes und anderer elektrisch betriebener Fahrzeuge zu sensibilisieren.
RĂŒckfragen bitte an:
Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim
Christopher Degner
Telefon: +49 591 - 87 204
E-Mail: pressestelle@pi-el.polizei.niedersachsen.de
http://www.pi-el.polizei-nds.de
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