Bilanz zur Kriminalstatistik 2025: Weniger Straftaten und hohe AufklÀrungsquote - Schutz junger Menschen und GewaltkriminalitÀt im Fokus
Veröffentlicht am: 23.03.2026 um 06:00 Uhr | presseportal.de
Friedo de Vries, PrĂ€sident der Polizeidirektion OsnabrĂŒck resĂŒmierte: "Die Sicherheitslage in der Region ist stabil und auf hohem Niveau. Die KriminalitĂ€t im Hellfeld geht nachhaltig zurĂŒck und wir haben landesweit die höchste AufklĂ€rungsquote. Aber die Aufgaben und Anforderungen haben sich stark verĂ€ndert. KriminalitĂ€t ist selten nur noch regional und zunehmend digital. Schwerpunkte sehe ich zukĂŒnftig bei der BekĂ€mpfung von GewaltkriminalitĂ€t und digitalen Straftaten, der StĂ€rkung des SicherheitsgefĂŒhls und einer gemeinsamen Offensive zum Schutz von Kindern- und Jugendlichen vor KriminalitĂ€t."
Im Jahr 2025 wurden durch die Polizei 81.539 Straftaten im Nordwesten Niedersachsens, von den Ostfriesischen Inseln bis zum Teutoburger Wald, registriert und bearbeitet - ein RĂŒckgang zum Vorjahr um rund 2 %. Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung in der Langzeitbetrachtung: Im Jahr 2005 lag die Zahl der Taten noch bei rund 105.000 - im Vergleich zu heute eine Reduzierung um immerhin 23.000 Straftaten. WĂ€hrend in einigen Deliktsbereichen, u.a. bei den Geldautomatensprengungen, DiebstĂ€hlen, BetĂ€ubungsmitteln, Tötungsdelikten oder beim Waren- und Tankbetrug, RĂŒckgĂ€nge zu verzeichnen sind, zeigen andere Bereiche weiterhin dringenden Handlungsbedarf. Auch die Dunkelfeldforschung, die das AusmaĂ und die HintergrĂŒnde zu nicht anzeigten Straf-taten untersucht, bleibt landesweit zentraler Schwerpunkt. Hierzu werden im Herbst nĂ€here Er-gebnisse erwartet.
Besonders aufmerksam verfolgt die Polizei im Hellfeld unter anderem die Entwicklungen bei den folgenden Deliktsbereichen:
Kinder und JugendkriminalitÀt
Mit rund 5.868 FÀllen lag die Zahl der Taten bei der angezeigten KriminalitÀt durch Kinder und Jugendliche im letzten Jahr knapp unter dem Niveau des Vorjahres. AuffÀllig: WÀhrend die Zahl der TatverdÀchtigen Jugendlichen (14-18 Jahre) abnahm, stieg die Zahl bei den tatverdÀchtigen Kindern (unter 14 Jahren) an. Immer öfter sind den Zahlen nach Kinder als "TÀter" unterwegs. Allen voran das digitale Verbreiten pornografischer Inhalte durch junge Menschen via Messenger und Co. bleibt ein Dauerbrenner, der die Polizei weiterhin stark beschÀftigt. 2025 waren es 867 Taten dieser Art. Aber auch an den Straften im analogen Raum sind junge Menschen öfter beteiligt, darunter Körperverletzungen, SachbeschÀdigungen oder WiderstÀnde gegen AmtstrÀger.
de Vries: "Aus polizeilicher Sicht kann eine AltersbeschrĂ€nkung fĂŒr die Nutzung von sozialen Medien positiven Einfluss auf die KriminalitĂ€tsentwicklung ganz junger Menschen haben. Straftaten durch Kinder und Jugendliche nehmen wir sehr ernst. Oberstes Ziel muss es sein, KriminalitĂ€t junger Menschen frĂŒh zu verhindern und gleichzeitig, junge Menschen als Opfer vor Kriminellen zu schĂŒtzen. Polizeiliche Intervention allein reicht da nicht aus; der Schutz unserer Kinder ist eine gesamtgesellschaftliche Pflichtaufgabe. Neben regulatorischen und repressiven MaĂnahmen setzt die Polizei vor allem auf umfassende und zeitgemĂ€Ăe PrĂ€ventions- und AufklĂ€rungsarbeit. Dazu gehören VortrĂ€ge, Projekte und Kampagnen, die in enger Zusammenarbeit mit Schulen, Kommunen, lokalen Einrichtungen und der Justiz stattfinden.
GewaltkriminalitÀt
Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion ĂŒber GewaltkriminalitĂ€t hat PolizeiprĂ€sident de Vries die Bedeutung eines konsequenten Vorgehens gegen Gewalttaten und die Ăchtung solcher Taten betont. Die sog. Opfertaten habe oberste PrioritĂ€t. Besonders die Rohheitsdelikte bleiben im Fokus. Die Fallzahlen stagnieren mit 14.568 Taten (Vorjahr 14.895) weiterhin auf einem hohen Niveau - besonders auffĂ€llig sind dabei die knapp 10.000 Körperverletzungs-delikte. Auch die Zahl der registrierten Taten, bei denen ein Messer im Spiel war, stieg deutlich auf 438 FĂ€lle (Vorjahr 341) an, wenngleich die Anzahl im landesweiten Vergleich noch verhĂ€ltnismĂ€Ăig gering ausfĂ€llt. Den GroĂteil der FĂ€lle beziehen sich dabei auf Drohungen unter Zuhilfenahme eines Messers. Die Beteiligung nichtdeutscher TatverdĂ€chtiger bleibt mit einem Anteil von rund 40 % ĂŒberproportional hoch. Hier gilt es, die regionalspezifischen Ursachen und HintergrĂŒnde weiter zu analysieren und Verbote im Zusammenhang mit Waffen konsequent umzusetzen. Bei der hĂ€uslichen Gewalt blieb die Zahl der FĂ€lle mit 4.893 (Vorjahr 4.902) auf gleichbleibend hohem Niveau. Nicht zuletzt erschĂŒtterten zwei mutmaĂliche Tötungsdelikte im hĂ€uslichen Umfeld die OsnabrĂŒcker Region. Polizei und Netzwerkpartner messen dem PhĂ€nomen unverĂ€ndert eine hohe Bedeutung bei und initiieren direktionsweit zahlreiche Kooperationen, Projekte und Aktionen, um auf das wichtige Thema aufmerksam zu machen. Die Reduzierung derartiger Taten sieht de Vries weiter als einen Schwerpunkt in der BekĂ€mpfung der GewaltkriminalitĂ€t an. Auch die Angriffe auf EinsatzkrĂ€fte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst bleiben ein Thema. Dabei spielen Taten, die unter Alkohol bzw. unter dem Einfluss von BetĂ€ubungsmitteln geschehen nach wie vor eine gröĂere Rolle. Auch Menschen in psychischen AusnahmefĂ€llen fordern EinsatzkrĂ€fte zunehmend. Mit 1.768 Opfern in den eigenen Reihen war den Zahlen nach mehr als jeder zweite Polizist der OsnabrĂŒcker Polizeidirektion betroffen. Auch Politiker und Journalisten sind immer öfter Zielscheibe von Gewalt.
De Vries: "GewaltkriminalitĂ€t erschĂŒttert das SicherheitsgefĂŒhl der Menschen ungemein. Gewalt kann niemals als Mittel zur Konfliktlösung akzeptiert werden und gefĂ€hrdet unsere demokratische StabilitĂ€t. Wir gehen mit aller Konsequenz gegen GewalttĂ€ter vor und setzen dabei sowohl auf sofortige Intervention als auch auf intensive Ermittlungs- und Netzwerkarbeit. Es ist wichtig, die Taten anzuzeigen, vor allem bei HĂ€uslicher Gewalt, die uns leider noch viel zu hĂ€ufig verborgen bleibt."
Die Polizei ruft generell die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Hinweise aus der Bevölkerung sind ein bedeutender Bestandteil der Polizeiarbeit und entscheidend fĂŒr die AufklĂ€rung von Straftaten, wodurch letztlich auch weiterer Taten verhindert werden können.
Ausblick
"Wenn zwei Drittel aller Taten aufgeklĂ€rt werden können, ist das zunĂ€chst einmal ein gutes Ergebnis. Dies ist allerdings kein Grund nachzulassen - im Gegenteil, zumal wir hier nur von den uns bekannt gewordenen Taten sprechen. Mir liegt am Herzen, dass die Menschen ihrer Polizei vertrauen und uns ansprechen, wenn sie Hilfe brauchen. NatĂŒrlich spielt bei unserer Arbeit auch die dynamische Entwicklung der Digitalisierung eine riesengroĂe Rolle. Werkzeuge wie KI darf nicht nur von TĂ€terseite genutzt werden, sondern ist fĂŒr die Abwehr von Gefahren und die BekĂ€mpfung von KriminalitĂ€t von enormer Bedeutung. Und natĂŒrlich ist dies unter dem Hinweis auf Datenschutz ein auszubalancierender Bereich. Klar ist dabei auch: Freiheit kann es nur mit Sicherheit gelebt werden. Da, wo Kriminelle sich die digitalen Möglichkeiten fĂŒr ihr schmutziges GeschĂ€ft zu nutze machen, können wir Ihnen ohne entsprechende digitale Werkzeuge nicht das Handwerk legen. Wir mĂŒssen mindestens auf Augenhöhe sein, sonst drohen wir in der BekĂ€mpfung der KriminalitĂ€t und der Abwehr von Gefahren fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger den Anschluss zu verlieren. Kurz: Ich werbe um Vertrauen in die IntegritĂ€t der Arbeit der Polizei. Nicht wir mĂŒssen "eingehegt" werden, sondern die Kriminellen!"
Unzertrennlich ist dies mit dem Zugriff auf befristet gespeicherte IP-Adressen verbunden. Ebenso halte ich eine Identifizierungspflicht bei der Registrierung auf Internetplattformen fĂŒr geeignet, dass Entdeckungsrisiko von Kriminellen und die Rechtsstaatlichkeit im Internet zu steigern", so PolizeiprĂ€sident Friedo de Vries abschlieĂend.
RĂŒckfragen bitte an:
Polizeidirektion OsnabrĂŒck
Marco Ellermann
Telefon: 0541 - 327 1024
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