Mama, bitte hilf mir! - Wie TelefonbetrĂŒger gezielt mit Angst arbeiten - Polizei warnt vor Betrugsmaschen und gibt Verhaltenstipps
05.02.2026 - 14:19:30"Mama ... Mama ... bitte hilf mir ..."
Die Stimme klingt vage vertraut. Sie klingt vor allen eins: sehr verzweifelt. Kurz darauf ĂŒbernimmt ein Mann das GesprĂ€ch. Ruhig, bestimmt und sachlich. Er stellt sich als Hauptkommissar Meyer von der Polizei Stade vor. Ihre Tochter habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, eine Person sei dabei tödlich verletzt worden. Um eine Untersuchungshaft zu vermeiden, mĂŒsse nun eine Kaution in Höhe von 30.000 Euro gezahlt werden.
Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Die Angst um das eigene Kind ĂŒberrollt alles. Viele Betroffene erkennen erst spĂ€ter, dass sie Opfer eines Betrugsanrufs geworden sind.
Solche Anrufe geschehen tagtÀglich in Deutschland. Es handelt sich um gezielte Betrugsmaschen. Es handelt sich hierbei um den falschen Polizeibeamten in Kombination mit einem Schockanruf. Neben "Polizisten" können sich auch vorgebliche "StaatsanwÀlte" oder "Richter" melden.
Insbesondere die Schockanrufe sind perfide, da sie einen emotionalen Ausnahmezustand bei den GeschĂ€digten verursachen. Durch Zeitdruck und dramatische Schilderungen soll verhindert werden, dass Betroffene ruhig nachdenken oder andere Personen hinzuziehen. HĂ€ufig versuchen die TĂ€ter, ihre Opfer ĂŒber lĂ€ngere Zeit am Telefon zu halten, um Kontrolle ĂŒber die Situation zu behalten.
Im Folgenden werden die aktuell gÀngigsten Betrugsarten erlÀutert. Zum Schluss werden dazu Verhaltenstipps gegeben.
Die hÀufigsten Betrugsmaschen
Wie soeben schon geschrieben, wird beim Schockanruf eine schwere Notlage eines Angehörigen vorgetĂ€uscht. HĂ€ufig geht es um angeblich verursachte VerkehrsunfĂ€lle mit schweren oder tödlichen Folgen. In anderen FĂ€llen geben sich die TĂ€ter als Krankenhausmitarbeiter aus und behaupten, ein Familienangehöriger mĂŒsse dringend operiert werden. Nur durch eine sofortige Zahlung könne eine lebensrettende Behandlung erfolgen.
Lassen Sie sich nicht verunsichern. In Deutschland gibt es keine Kautionen, die bar ĂŒbergeben werden mĂŒssen, und keine Polizisten, die Geld an der HaustĂŒr abholen. Sobald Geld oder WertgegenstĂ€nde verlangt werden, handelt es sich um Betrug.
Des Weiteren wird jeder Mensch, der mit lebensgefÀhrlichen Verletzungen in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert selbstverstÀndlich notversorgt.
Das sagt eigentlich auch schon der gesunde Menschenverstand. Aber die professionell agierenden TĂ€ter schaffen es hĂ€ufig ein so ĂŒberzeugendes Schreckensszenario aufzubauen, dass eben dieser Verstand nicht mehr so richtig funktionieren möchte.
Der Enkeltrick beginnt meist mit einem allgemeinen "Hallo Oma, ich bin's". Die TĂ€ter hoffen, dass das Opfer selbst Namen oder persönliche Informationen nennt "AndrĂ©, bist du das?" - "Ja genau, Oma. Hier ist der AndrĂ©". Diese Angaben werden im weiteren GesprĂ€ch gezielt genutzt. AnschlieĂend wird ein Sachverhalt erfunden, um Geld zu erlangen. Dabei muss es sich nicht zwingend um eine Notlage handeln, sondern auch um angebliche Geldanlagen oder finanzielle EngpĂ€sse. Auch hier wird Druck aufgebaut. Der "Familienangehörige" braucht unbedingt Geld und bekommt Schwierigkeiten, wenn das Geld nicht zu VerfĂŒgung gestellt wird. Die BetrĂ€ge sind unterschiedlich hoch und können sich auch anpassen, je nachdem wie viel das Opfer zur VerfĂŒgung stellen kann. Abgeholt wird das Geld dann in der Regel von einem "Bekannten".
Der falsche Polizeibeamte wurde oben schon anteilig beschrieben. Aber auch hier gibt es verschiedene Versionen. Die TĂ€ter kontaktieren Sie und geben sich als hiesige Polizeibeamte oder StaatsanwĂ€lte aus. Sie behaupten, es gebe EinbrĂŒche in Ihrer Nachbarschaft oder Ermittlungen gegen kriminelle Banden. Die Durchsuchung und/oder Befragung der TĂ€ter habe nun Hinweise darauf gegeben, dass Ihr Haus auch ins Versier der TĂ€ter geraten sei. Da man nicht alle TĂ€ter habe festnehmen können, besteht nun Grund fĂŒr die Annahme, dass die verbliebenen TĂ€ter in Ihr Haus einbrechen. Um das Vermögen angeblich zu sichern, sollen Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen ĂŒbergeben werden.
Zunehmend tritt auch der falsche Mitarbeiter in Erscheinung. Die TĂ€ter geben sich als Mitarbeiter bekannter Unternehmen ausgeben, etwa von Banken, OnlinehĂ€ndlern oder IT-Firmen. Eine inzwischen bekannte Masche ist der angebliche Microsoft-Mitarbeiter, der vor einem Virus auf dem Computer warnt. Ziel ist es, einen Fernzugriff auf PC oder Laptop zu erlangen. In der Folge können Schadsoftware installiert, Passwörter ausgespĂ€ht oder Ăberweisungen ausgelöst werden. Der falsche Bankmitarbeiter versucht in der Regel Druck auszuĂŒben, indem er vorgibt, dass Ihr Geld auf dem Konto nicht mehr sicher sei. Es mĂŒsse nun schnell auf ein anderes Konto ĂŒberwiesen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass es weg ist.
Auch Gewinnversprechen sind weiterhin erfolgreich. Den Angerufenen wird ein hoher Gewinn in Aussicht gestellt, der erst nach Zahlung einer angeblichen GebĂŒhr ausgezahlt werden soll. Ein solcher Gewinn existiert selbstverstĂ€ndlich nicht.
Bei Abofallen versuchen die TÀter, kostenpflichtige VertrÀge oder Abonnements am Telefon zu verkaufen, hÀufig unter Zeitdruck und/oder ohne transparente Vertragsbedingungen. Nicht selten wird dabei so geschickt gehandelt, dass der Kunde denkt, er oder sie hÀtte ein Gratisprodukt erhalten.
Des Weiteren ist das sogenannte Smishing - Phishing Angriffe per SMS - inzwischen tagtĂ€gliches GeschĂ€ft von BetrĂŒgerbanden. Die TĂ€ter senden SMS-Nachrichten zu vermeintlichen Kontosperrungen, Zahlungsaufforderungen, Paket- oder Sicherheitsupdates und versuchen so, persönliche Daten, Kreditkartennummern oder Zwei-Faktor-Authentisierung Codes zu ergaunern. Auch hier ist hĂ€ufig der Enkeltrick in der Version vertreten, bei welchem sich die vorgeblichen Kinder bei den Eltern melden "Hallo Mama, hallo Papa. Das ist meine neue Nummer. Melde dich bitte mal unter der neuen Nummer."
Ganz wichtig: Diese AufzĂ€hlung ist nicht abschlieĂend.
Die TÀter entwickeln ihre Maschen stÀndig weiter, erfinden neue und passen sie aktuellen Ereignissen an.
WĂ€hrend der Corona-Pandemie wurden beispielsweise telefonisch angebliche Impfstoffe angeboten.
Zuallerletzt ist es noch wichtig kurz auf Spoofing einzugehen. Beim ID-Spoofing manipulieren BetrĂŒger die angezeigte Rufnummer eines Anrufs oder einer SMS. Die Nummer, die auf dem Display erscheint, ist dabei nicht die tatsĂ€chliche Nummer des Anrufers. Sie kann frei erfunden sein oder zu einer real existierenden Behörde, Bank oder Firma gehören. Dabei kann es auch passieren, dass auf dem Display beispielsweise "Sparkasse Stade" oder der Name eines bekannten Unternehmens angezeigt werden, obwohl der Anruf tatsĂ€chlich von Kriminellen ausgeht. Der Name wird dabei nicht von der TĂ€terschaft hinterlegt, sondern ist im Datennetz mit der Nummer verbunden. Diese Manipulationen sind sowohl bei Telefonanrufen als auch bei Textnachrichten (SMS) möglich. Bei einer SMS ist es dazu fĂŒr die TĂ€terschaft möglich, einen Namen (Beispiel: Amazon, DHL, Paypal) zu vergeben. Ein bekannter Name oder eine vertraut wirkende Nummer ist daher kein verlĂ€sslicher Hinweis auf einen echten Anruf. Wenn Sie einen gespooften Anruf annehmen, sprechen sie mit der verschleierten Nummer, die Sie selber gar nicht kennen. Wenn Sie den Anruf verpassen und ĂŒber Ihre Anrufliste zurĂŒckrufen, landen Sie bei der Nummer, die die TĂ€ter vorgetĂ€uscht haben. Sprich: Es wird Ihnen vorgegaukelt, dass die Sparkasse Stade angerufen hat. Sie rufen ĂŒber Ihre Anrufliste "verpasste Anrufe" zurĂŒck und sprechen dann mit dem Kundendienst der Sparkasse Stade. Wenn Ihnen also mitgeteilt wird, dass man Sie nicht angerufen hat, sollte Vorsicht geboten sein.
Wie verhalte ich mich bei betrĂŒgerischen Anrufen/SMS? GrundsĂ€tzlich ist es bei unbekannten Rufnummern ratsam, nicht ans Telefon zu gehen. Seriöse Anrufer haben die Möglichkeit, eine Nachricht auf Ihrem Anrufbeantworter zu hinterlassen, sodass man in Ruhe entscheiden kann, ob ein RĂŒckruf erforderlich ist. Wer dennoch einen Anruf entgegennimmt, muss sich nicht mit Namen melden. Ein einfaches "Hallo" reicht aus. Persönliche Informationen sollten grundsĂ€tzlich nie preisgegeben werden, weder zu den eigenen Daten noch zu Familienangehörigen, finanziellen VerhĂ€ltnissen oder sonstigen persönlichen UmstĂ€nden.
HĂ€ufig nutzen TĂ€ter auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung aus. Sie erklĂ€ren am Telefon, man werde gleich eine Nachricht mit einem Code erhalten oder solle eine Abfrage "kurz bestĂ€tigen". Dieser Code dient jedoch dazu, Zahlungen freizugeben oder ZugĂ€nge zu Konten und Diensten zu ĂŒbernehmen. Wenn der Code an die TĂ€ter weitergegeben oder eine solche Abfrage bestĂ€tigt wird handeln die Betroffenen grob fahrlĂ€ssig; das abgebuchte Geld ist in der Regel verloren und wird nicht erstattet. Geben Sie daher niemals Codes telefonisch oder per Nachricht weiter und bestĂ€tigen Sie keine Zahlungen - auch dann nicht, wenn diese als angebliche "TestĂŒberweisungen" dargestellt werden.
Lassen Sie sich generell niemals unter Druck setzen. Ihr Geld liegt auf Ihrem Konto sicher, solange sie nicht selber anfangen es zu verschieben. Bemerkt die Bank tatsÀchlich verdÀchtige Kontobewegungen, wird Ihr Konto gesperrt. Sie werden niemals aufgefordert selber tÀtig zu werden.
Sobald Zweifel an der SeriositÀt eines Anrufers bestehen, sollte das GesprÀch umgehend beendet werden. Ein Auflegen ist jederzeit möglich und richtig. Die Polizei wird Sie niemals zu Ihren finanziellen VerhÀltnissen und/oder WertgegenstÀnde befragen. Eine vorgebliche "Kaution" gibt es in FÀllen von fahrlÀssigen VerkehrsunfÀllen nicht, ganz unabhÀngig davon, wie schwer diese sind.
VerdÀchtige Telefonnummern sollten notiert und der Polizei gemeldet werden.
ZusĂ€tzlichen Schutz bietet ein innerhalb der Familie vereinbartes Codewort. Wird bei angeblichen NotfĂ€llen oder bei Anrufen von unbekannten oder neuen Nummern dieses Codewort korrekt genannt, wissen Sie, dass der Anruf echt ist. Wichtig ist, dass es sich um ein recht spezielles Wort handelt, was die BetrĂŒger nicht aus Versehen verwenden können (Beispiel: Honigkuchenpferd) und es ausschlieĂlich die Familienangehörigen kennen.
Erhalten Sie etwaige Smishing Nachrichten, die von Banken, Paketdiensten oder anderen bekannten Unternehmen stammen, sollten Sie keinesfalls auf enthaltene Links klicken und keine persönlichen Daten eingeben, insbesondere keine Zugangsdaten oder Zahlungsinformationen. In solchen FĂ€llen handelt es sich in der Regel immer um Betrug. Antworten Sie auf diese Nachrichten nicht, sondern sperren Sie die Nummer. Auch scheinbar humorvolle Antworten sollten unterbleiben, da BetrĂŒger dadurch erkennen, dass hinter der Nummer eine reale Person steht. Solche Telefonnummern werden hĂ€ufig weiterverwendet oder weiterverkauft, was weitere Betrugsversuche nach sich ziehen kann. Wenn die TĂ€ter die Absender Nummer gespooft haben, kann es auch sein, dass sie beim regulĂ€ren Anschlussinhaber landen, der nichts mit dem Betrug zu tun hat.
Bei weiteren allgemeinen Fragen zum Thema Betrug, erreichen sie die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle der Polizeiinspektion Stade unter der Rufnummer 04141 - 102-109.
Marlin Heintsch
Beauftrage fĂŒr KriminalprĂ€vention
Weitere Informationen auch unter: https://www.polizei-beratung.de/
RĂŒckfragen bitte an:
Polizeiinspektion Stade
Pressestelle
Rainer Bohmbach
Telefon: 04141/102-104
E-Mail: rainer.bohmbach@polizei.niedersachsen.de
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