Zeitungen, Fernsehen

Gauck warnt Medien vor Überbetonung von MissstĂ€nden

12.03.2026 - 18:04:04 | dts-nachrichtenagentur.de

AltbundesprÀsident Joachim Gauck hat die QualitÀtsmedien in Deutschland zu mehr konstruktiver Berichterstattung aufgerufen, um auch die StÀrken der Demokratie zu zeigen.

Joachim Gauck (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Joachim Gauck (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Journalisten seien "Teil eines Ringens um den Bestand einer Ordnung, die ĂŒberhaupt garantiert, dass sie arbeiten können, wie sie arbeiten wollen", sagte Gauck am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Madsack-Mediengruppe, zu der auch das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" gehört.

Wenn unabhÀngige Medien sich allein auf die Kritik an MissstÀnden konzentrierten, drohten sie eine "Kultur des Grundverdachtes und des Grundverdrusses" zu verstÀrken, so Gauck. "Viel zu hÀufig befÀllt mich der Eindruck, dass in der Medienwelt die Besichtigung der Defizite der Demokratie wichtiger sei als deren Sicherung", kritisierte der ehemalige BundesprÀsident.

Er fĂŒhle "ein staatsbĂŒrgerliches Unbehagen", wenn aufgrund "der vielen investigativen Berichte ĂŒber die MĂ€ngel und Fehler, die ich in den anstĂ€ndigen Medien tagtĂ€glich bekomme" viele Menschen mit GleichgĂŒltigkeit oder Wut reagierten, sagte Gauck. Es gebe bereits zu viele BĂŒrger, "die angesichts der vielen negativen Zustandsbeschreibungen an der QualitĂ€t des Ganzen zweifeln". Wenn von kritischem Journalismus bei den Mediennutzern "vor allem die FragwĂŒrdigkeit der Demokratien hĂ€ngen bleibt, kann doch irgendetwas nicht stimmen", so der AltbundesprĂ€sident.

Er wĂŒnsche sich von den QualitĂ€tsmedien "mehr Augenmaß oder mehr Fairness", fĂŒgte Gauck hinzu. Kritik sei vor allem nötig, wo Demokratie und Freiheit infrage gestellt wĂŒrden, wie etwa in den USA durch Donald Trump. "Aber in einer Phase, wo die Akzeptanz des Guten bei einem Teil der Bevölkerung schwindet", mĂŒsse man als souverĂ€ner Journalist seiner Verantwortung fĂŒr die Demokratie gerecht werden, forderte er. "Sie sind ja meine VerbĂŒndeten bei der Verteidigung der Demokratie", sagte er aus der Sicht eines Mediennutzers aus der demokratischen Mitte. "Deshalb wĂŒnsche ich mir einen grĂ¶ĂŸeren Respekt und eine breitere Wahrnehmung dessen, was dieses Land, diese Demokratie tatsĂ€chlich lebenswert macht."

Zwar setze sich QualitĂ€tsjournalismus gegen alternative Fakten sowie gegen "Vernebelung und Verdunkelung von Wirklichkeit" sein, sagte Gauck. Doch das reiche nicht mehr aus. "Vor einem solchen Gefahrenhintergrund ist ein kritischer Journalismus auch herausgefordert, den Leuten mitzuteilen, was sie tatsĂ€chlich haben an diesem Land." DafĂŒr mĂŒsse man neue Formate schaffen und das Publikum nicht nur als Medienkonsumenten ansprechen, sondern auch Motivation auslösen, die die Menschen zum Mitmachen an der Gesellschaft bewegen.

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