Energie, KriminalitÀt

Mehr Angriffe auf kritische Infrastruktur

28.03.2026 - 08:26:09 | dts-nachrichtenagentur.de

Angriffe auf kritische Infrastruktur in Deutschland nehmen zu.

Strommast (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Strommast (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Das berichtet die "Welt am Sonntag" nach einer Umfrage unter allen 16 BundeslÀndern.

Demnach hat sich in Hamburg die Zahl der Attacken auf Energieanlagen und militÀrische Einrichtungen im vergangenen Jahr laut Innenbehörde verdoppelt. Auch Brandenburg und Niedersachsen melden steigende Fallzahlen. In Niedersachsen wurden zwischen 2019 und 2024 insgesamt 208 Angriffe auf Wirtschaftseinrichtungen, Infrastruktur, Justiz und MilitÀr registriert. Allein 2025 kam eine "hohe zweistellige Zahl" von FÀllen hinzu.

Liegen konkrete Spuren vor, richten sich die Ermittlungen hĂ€ufig gegen das linksextreme Milieu. In Nordrhein-Westfalen gehen seit 2019 nach Angaben des Innenministeriums 425 von 445 Angriffen auf das Strom- und Energienetz - rund 95 Prozent - auf politisch links motivierte TĂ€ter zurĂŒck. Ein Ă€hnliches Bild zeigt sich in Hessen: Zwischen 2015 und 2024 wurde dort eine mittlere zweistellige Zahl an Sabotagehandlungen registriert. Der ĂŒberwiegende Teil der VorfĂ€lle, zu denen es TatverdĂ€chtige gibt, wird der linksextremistischen Szene zugeordnet. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) wurden im vergangenen Jahr bundesweit 321 Sabotage-VerdachtsfĂ€lle registriert, mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

"Die GefĂ€hrdungslage durch ideologisch motivierte Sabotageakte hat sich qualitativ verĂ€ndert", teilte das Brandenburger Innenministerium mit. WĂ€hrend frĂŒher vor allem symbolische SachbeschĂ€digungen im Vordergrund standen, zielen aktuelle Taten zunehmend auf die Unterbrechung von Versorgungsketten. Innerhalb des linksextremistischen Spektrums seien zudem wachsende Fachkenntnisse ĂŒber die Verwundbarkeit technischer Netze festzustellen.

Analysen von Bekennerschreiben zeigten, dass gezielt Knotenpunkte mit geringen Redundanzen ausgewĂ€hlt werden, um möglichst große AusfĂ€lle zu erzielen. "Dies betrifft neben dem Stromnetz insbesondere auch Schienenverkehrswege. Die Sicherheitsbehörden verzeichnen eine wachsende Bereitschaft dieser Akteure, durch die Lahmlegung kritischer Infrastruktur auch schwerwiegende Folgen in Kauf zu nehmen", heißt es aus Potsdam weiter.

Informationen ĂŒber kritische Infrastruktur solle man zukĂŒnftig restriktiver handhaben. "Wir dĂŒrfen kein digitales Glashaus bauen, wĂ€hrend draußen Leute mit Steinen warten", warnte Brandenburgs ehemaliger Innenminister RenĂ© Wilke (SPD). Auch Hessens Heimatschutzminister Roman Poseck (CDU) mahnt: "Wir mĂŒssen die Transparenzregeln fĂŒr kritische Infrastruktur in den Blick nehmen, damit offene Informationen nicht zu einem Sicherheitsrisiko werden."

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Alexander Throm, sagte der "Welt am Sonntag": "Es muss endlich Schluss sein mit der Verharmlosung von Linksterrorismus". Sein SPD-Amtskollege Sebastian Fiedler sprach von einer "sehr ernsten" Bedrohungslage und forderte ein bundesweit einheitliches Lagebild. Der innenpolitische Sprecher der GrĂŒnen, Marcel Emmerich, sagte der "Welt am Sonntag", der Schutz kritischer Infrastruktur sei "nach wie vor löchrig wie ein Schweizer KĂ€se".

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