Unfallchirurgen, Kriegsfall

Unfallchirurgen rechnen im Kriegsfall mit 1.000 Verletzten pro Tag

22.03.2025 - 07:00:00

Der GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie, Dietmar Pennig, warnt, dass das Gesundheitssystem auf einen möglichen Kriegsfall nicht vorbereitet sei.

Der "Welt am Sonntag" sagte er: "Wir rechnen mit 1.000 Verletzten pro Tag, ein Viertel davon schwer." Auch die Art der Verwundungen sei ganz anders.

"Darauf sind die Kliniken nicht vorbereitet". Der Kölner Unfallchirurg sagte, es fehle an Ärzten und an der notwendigen Ausbildung. "Es braucht etwa 3.000 Ärzte in Deutschland, die Kriegsverletzungen behandeln können. Davon sind wir weit entfernt", erklĂ€rte er. Zudem seien Ärzte und Pflegepersonal nicht auf die drohenden Verwundungen vorbereitet. "Wer im Klinikalltag einen Oberschenkelbruch operiert, fĂŒr den sind abgerissene Gliedmaßen und offene Körperhöhlen eine Ausnahmesituation." Pennig ĂŒbt auch massive Kritik an der Politik. Zwar gebe es eine Zusatzweiterbildung fĂŒr OrthopĂ€den und Unfallchirurgen, in der Ärzte lernen, Verwundungen etwa durch Hochgeschwindigkeitsgeschosse oder Explosionstraumata zu behandeln. "Allerdings werden die Kurse nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert. Entweder zahlen es die KrankenhĂ€user oder die Ärzte selbst. Das ist ein unertrĂ€glicher Zustand." Die Politik sehe sich nicht in der Verantwortung, weil die Weiterbildungen nicht zur regulĂ€ren Krankenversorgung zĂ€hlten. "Doch die Vorbereitungen fĂŒr den Ernstfall mĂŒssen jetzt getroffen werden. Wenn das Land verteidigt werden muss, können wir nicht anfangen, Leute zu trainieren", so Pennig. "Wir brauchen Zeit, um in den Kliniken KrisenĂŒbungen durchzufĂŒhren", sagte er. Das bedeute, dass zwölf bis 15 KrankenhĂ€user einer Region fĂŒr einen Tag vom Netz genommen werden. "Nur geĂŒbte Strukturen funktionieren im Notfall, die Versorgung von Kriegsverletzten kann nicht am Konferenztisch geprobt werden", warnt er. FĂŒr ein mittleres Krankenhaus koste das etwa 100.000 Euro. ZusĂ€tzlich mĂŒsse ein Vorrat zusĂ€tzlicher Notfallinstrumente und -materialien angeschafft und eingelagert werden. "Im Kriegsfall werden auch die Lieferketten massiv angegriffen", warnt Pennig. Dennoch mĂŒsse die Versorgung sichergestellt bleiben. Etwa vier Wochen sollten KrankenhĂ€user unabhĂ€ngig weiterarbeiten können. Das aber koste. "All diese Maßnahmen ergeben nach unseren Kalkulationen eine Summe von knapp 420 Millionen Euro", sagte er.

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