GerichtsprĂ€sident kritisiert Innenminister bei ZurĂŒckweisungen
28.06.2025 - 16:45:53
Sollte es zu weiteren gerichtlichen Entscheidungen zugunsten von Asylsuchenden kommen, "werden Kanzler und Innenminister sicherlich ĂŒberlegen mĂŒssen, inwieweit sie die Auffassung noch aufrechterhalten können, die sie bisher vertreten haben", sagte Korbmacher dem "Handelsblatt".
Anfang Juni hatte das Berliner Verwaltungsgericht in einer Eilentscheidung festgestellt, dass die ZurĂŒckweisung von Asylsuchenden auf deutschem Gebiet rechtswidrig ist. Es war die erste Entscheidung zu der Neuregelung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
GerichtsprĂ€sident Korbmacher kritisierte, Dobrindt habe von einer Einzelentscheidung im vorlĂ€ufigen Rechtsschutz gesprochen. Damit habe er wohl zum Ausdruck bringen wollen, dass diese Entscheidung nur fĂŒr diesen Fall der drei Somalier von Gewicht sei und auch nur eine ĂŒberschlĂ€gige PrĂŒfung stattgefunden habe.
"Das ist so nicht ganz richtig", erklĂ€rte Korbmacher. Das Verwaltungsgericht sei im Eilverfahren erst- und auch letztinstanzlich zustĂ€ndig. "Das hat die Politik bewusst so geregelt, um in solchen Verfahren zu schnellen, abschlieĂenden Entscheidungen zu kommen", erklĂ€rte Korbmacher. "Das fĂ€llt dem Bundesinnenministerium jetzt auf die FĂŒĂe." Denn wegen des fehlenden Rechtsmittels seien die Verwaltungsgerichte verfassungsrechtlich verpflichtet, die Rechtslage intensiv durchzuprĂŒfen. Die Berliner Richter hĂ€tten das getan. "Ein Minister muss das lesen und prĂŒfen, ob er dann gleichwohl an seiner Auffassung festhĂ€lt", sagte Korbmacher dem "Handelsblatt".


