Arbeitsmarkt, Steuern

Sozialversicherungen verlieren 41 Milliarden Euro durch Tarifflucht

12.09.2025 - 00:00:00

Der Schaden, der den Sozialversicherungen jÀhrlich durch Tarifflucht und Lohndumping entsteht, liegt laut einer neuen Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bei 41 Milliarden Euro.

Hinzu kommen EinnahmeausfĂ€lle bei der Einkommensteuer, die fĂŒr Bund und LĂ€nder zusammen bei 24 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Die Auswertung des DGB, ĂŒber die die Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (Freitagausgaben) berichten, basiert auf Daten der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes, die die Anzahl der BeschĂ€ftigten mit und ohne Tarifvertrag sowie deren Einkommen erfasst. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass TarifbeschĂ€ftigte ĂŒber alle Branchen hinweg im Schnitt 2.891 Euro netto pro Jahr mehr verdienen als deren Kollegen, die nicht nach Tarif bezahlt werden.

Das hat laut DGB auch große Auswirkungen auf die Kaufkraft der arbeitenden Gesamtbevölkerung. "Mit einer flĂ€chendeckenden Tarifbindung hĂ€tten die BeschĂ€ftigten insgesamt rund 58 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie", heißt es in der Studie. Addiert man die Mindereinnahmen der Sozialversicherungen, die SteuerausfĂ€lle und das fehlende Geld im Portemonnaie der BeschĂ€ftigten, fĂŒhrt Tarifflucht zu einem volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 123 Milliarden Euro pro Jahr. Im Vergleich zur letzten Auswertung von 2023 ist dieser Wert leicht rĂŒcklĂ€ufig. Damals hatte der DGB noch einen Schaden von 130 Milliarden Euro berechnet. Als ursĂ€chlich fĂŒr den RĂŒckgang sieht der Gewerkschaftsbund die Erhöhung der Tarifbindung in einigen BundeslĂ€ndern an, die aus seiner Sicht allerdings nur zaghaft und auf niedrigem Niveau stattgefunden habe. "TarifvertrĂ€ge sind nicht nur ein Instrument fĂŒr faire Löhne, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Investition in StabilitĂ€t und soziale Sicherheit", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell den Zeitungen. "Eine hohe Tarifbindung ist kein Hemmschuh, sondern Motor fĂŒr wirtschaftliches Wachstum - sie stĂ€rkt die Binnennachfrage und sichert gute, nachhaltige Arbeit", so der Gewerkschafter weiter. Körzell forderte die Bundesregierung auf, bei den anstehenden Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur nur Unternehmen in Tarifbindung zu beauftragen. Das vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Tariftreuegesetz mĂŒsse deshalb schnell vom Bundestag beschlossen werden, forderte Körzell, mahnte aber auch Nachbesserungen an. Der Schwellenwert von 50.000 Euro, ab dem das Gesetz greife, sei deutlich zu hoch bemessen, sagte er. Auch sei es unverstĂ€ndlich, dass die Tariftreuepflicht nicht fĂŒr AuftrĂ€ge von Sicherheitsbehörden gelten solle. "Gelder der öffentlichen Hand dĂŒrfen nicht lĂ€nger Lohndumping subventionieren", sagte Körzell. "Der Staat ist ein mĂ€chtiger EinkĂ€ufer - und damit trĂ€gt er Verantwortung fĂŒr einen fairen Wettbewerb, der nicht auf dem RĂŒcken der BeschĂ€ftigten ausgetragen wird."

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