Patienten, Millionen

Patienten verbringen Hunderte Millionen Stunden in Wartezimmern

10.04.2025 - 11:48:26

Deutschlands Patienten verbringen jÀhrlich Hunderte Millionen Stunden in Wartezimmern.

Der volkswirtschaftliche Schaden dĂŒrfte in die Milliarden gehen. Das zeigen Berechnungen auf Basis von Zahlen der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), ĂŒber die der "Spiegel" berichtet. Demnach gibt es in Deutschland 98.503 Praxen, in denen es pro Jahr zu 575,7 Millionen BehandlungsfĂ€llen kommt.

Bis zum MĂ€rz 2020 - der FrĂŒhphase der Coronapandemie - hat die KBV in Versichertenumfragen auch die Wartezeiten in den Praxen detailliert erfasst. Demnach berichteten zuletzt nur zwölf Prozent der Patienten von gar keiner Wartezeit bei ihrem letzten Praxisbesuch. 34 Prozent mussten bis zu 15 Minuten warten, 26 Prozent bis zu 30 Minuten, 18 Prozent bis zu 60 Minuten, sechs Prozent bis zwei Stunden und zwei Prozent sogar mehr als zwei Stunden. Bei 575,7 Millionen BehandlungsfĂ€llen verbringen die Deutschen damit mindestens 162 Millionen bis 332 Millionen Stunden pro Jahr in Wartezimmern. Die tatsĂ€chlichen Zahlen dĂŒrften noch höher liegen, da ein Behandlungsfall mehrere Einzeltermine umfassen kann. Die langen Wartezeiten verursachen einen erheblichen Schaden fĂŒr die Volkswirtschaft. Laut OECD liegt die ProduktivitĂ€t einer Arbeitsstunde in Deutschland bei umgerechnet rund 87 Euro. Angenommen, jeder vierte Patient wĂ€re ein nicht krankgeschriebener ErwerbstĂ€tiger, lĂ€ge der volkswirtschaftliche Schaden der Warterei zwischen 3,5 bis 7,2 Milliarden Euro pro Jahr. Mediziner begrĂŒnden die Wartezeiten meist mit unvorhersehbaren NotfĂ€llen. Im medizinischen Alltag komme es tĂ€glich vor, "dass man sich sehr viel mehr Zeit nehmen mĂŒsse, als eingeplant war", sagte Jakob Maske vom Bundesverband der Kinder- und JugendĂ€rzte. Von einer bewussten Überbuchung der Terminkalender in den Praxen sei "nicht auszugehen". Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz hĂ€lt das fĂŒr wenig glaubwĂŒrdig. Bei einer solchen HĂ€ufung angeblicher NotfĂ€lle "darf schon hinterfragt werden, ob es vielleicht an dem miserablen Management einiger Praxen liegt". ÄrzteverbĂ€nde hatten zuletzt Strafhonorare fĂŒr geplatzte Termine gefordert. HĂ€ufige AusfĂ€lle verlĂ€ngerten die Wartezeiten auf Arzttermine.

@ dts-nachrichtenagentur.de