Berliner Polizei mit Silvestereinsatz zufrieden - 390 Festnahmen
01.01.2024 - 13:57:41Das ist ein deutlicher Anstieg gegenĂŒber den 103 Festnahmen im Vorjahr, es war allerdings im Vorfeld angekĂŒndigt worden, dass hĂ€rter durchgegriffen werden sollte. Insgesamt wurden im Rahmen des Einsatzes zum Jahreswechsel etwa 720 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 34 Beamte wurden bei dem Silvestereinsatz in Berlin verletzt, hinzu kommen 20 weitere Verletzungen "im Rahmen des tĂ€glichen Dienstes". Im Vorjahr waren es Ă€hnlich viele verletzte Beamte, Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hob allerdings hervor, dass "trotz deutlich mehr polizeilicher EinsatzkrĂ€fte vergleichsweise wenig Verletzte" der Polizei erfasst worden seien. In Berlin waren in der Nacht fast 3.200 polizeiliche EinsatzkrĂ€fte (ca. 2.500) sowie UnterstĂŒtzungskrĂ€fte aus Bund und LĂ€ndern (ca. 700) im Einsatz; weitere 1.000 Polizisten wurden im sogenannten tĂ€glichen Dienst eingesetzt. Insgesamt seien die ZwischenfĂ€lle nicht so gravierend gewesen wie in der Silvesternacht vor einem Jahr, sagte eine Polizeisprecherin dem RBB. Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) sprach davon, dass Berlin "die Lage im Griff" gehabt habe und das Einsatzkonzept "ein Erfolg" gewesen sei. Zufrieden zeigte sich auch die Berliner Feuerwehr, die zwischen 19 und 6 Uhr 1.598 EinsĂ€tze im Stadtgebiet von Berlin bewĂ€ltigen musste. Darunter waren 663 gemeldete BrĂ€nde, 861 RettungsdiensteinsĂ€tze sowie 74 technische Hilfeleistungen und sonstige EinsĂ€tze; in der Silvesternacht 2022/2023 waren es im selben Zeitraum insgesamt 1.717 EinsĂ€tze. Nach Angaben der Feuerwehr kam es erneut zu gewalttĂ€tigen Angriffen auf EinsatzkrĂ€fte und -fahrzeuge; es wurden aber offenbar keine RettungskrĂ€fte verletzt, nach 15 im Vorjahr. In vielen anderen StĂ€dten verlief die Nacht eher friedlich: So meldete etwa die Polizei in Hamburg eine "vergleichsweise ruhige Nacht mit silvestertypischem Einsatzgeschehen" - unter anderem wurden Streifenwagen mit diversen Feuerwerkskörpern beschossen; in der Hansestadt wurden bis zum frĂŒhen Morgen rund 120 Straf- und 25 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, drei vorlĂ€ufige Festnahmen getĂ€tigt, 19 Personen in Gewahrsam genommen, mehr als 130 Aufenthaltsverbote ausgesprochen, etwa 160 Platzverweise erteilt sowie fast 500 IdentitĂ€ten festgestellt. Auch in MĂŒnchen musste die Polizei zu mehreren EinsĂ€tzen ausrĂŒcken, auf dem Marienplatz versammelten sich bis zu 10.000 Menschen; da vor Ort ein komplettes Feuerwerksverbot galt, stelle die Polizei allerlei Pyrotechnik sicher. In Nordrhein-Westfalen waren in einer laut Polizei "silvestertypischen Nacht" mehr als 6.600 Beamte im Einsatz, verletzt wurden nach aktuellem Stand 21 Polizisten (Vorjahr: 43); die Anzahl der Widerstandshandlungen gegen polizeiliche EinsatzkrĂ€fte sank mit 46 gemeldeten FĂ€llen um fast zehn Prozent (Vorjahr: 51), in 48 FĂ€llen wurden Anzeigen wegen tĂ€tlicher Angriffe gegen polizeiliche EinsatzkrĂ€fte gefertigt (Vorjahr: 34). In Köln, wo die Silvesternacht unter Terroralarm stand, blieb es weitgehend friedlich, wobei den Behörden zufolge weniger los war als in den Vorjahren. Eine vorsichtig positive Bilanz zog auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP): Zwar sei die Nacht in vielen StĂ€dten alles andere als friedlich verlaufen, der jahrelange Trend zu immer mehr Gewalt habe aber erstmals gebrochen werden können, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jochen Kopelke dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Die Trendumkehr sei vor allem auf die starke PolizeiprĂ€senz "an zahlreichen Brennpunkten in ganz Deutschland" zurĂŒckzufĂŒhren. Ein Grund fĂŒr Entspannung sei diese Entwicklung aber nicht: "NatĂŒrlich freuen wir uns, dass der Trend zu immer mehr Gewalt in der Silvesternacht gestoppt werden konnte, aber die TĂ€ter mĂŒssen nun von den Gerichten schnellstmöglich verurteilt werden", sagte Kopelke. "Das ist bislang die absolute Ausnahme, weil die Angriffe oft aus dem Schutz einer anonymen Gruppe begangen werden." Der GdP-Bundesvorsitzende forderte deshalb GesetzesĂ€nderungen und mehr Eingriffsbefugnisse fĂŒr die Polizei: "Wir brauchen einen effektiveren Umgang mit Gruppengewalt. Ziel muss es sein, einzelne TĂ€ter in gröĂeren Gruppen - auch mithilfe moderner Technik - schneller zu identifizieren", sagte Kopelke. "AuĂerdem muss der Straftatbestand des Landfriedensbruchs angepasst werden. Das ist auch ein wichtiges Thema der nĂ€chsten Innenministerkonferenz im FrĂŒhjahr." Der Gewerkschafter wies zudem auf die gestiegene Einsatzbelastung fĂŒr die Polizei hin: "GroĂeinsĂ€tze wie in der Silvesternacht gehen an die Substanz. Die enorm gestiegene AlltagskriminalitĂ€t, die FuĂball-EM im Sommer, die anstehenden Castortransporte aus den stillgelegten AKW, Naturkatastrophen, die Klima-Demonstrationen, die wachsende Terrorbedrohung, die Situation an den Grenzen - ohne mehr Personal und Ressourcen wird das nicht gehen", sagte der GdP-Chef. Wie in jedem Jahr kam es in der Silvesternacht auch wieder zu zahlreichen schweren UnfĂ€llen mit Pyrotechnik, die teilweise sogar tödlich endeten: So starb etwa in Eschlkam im oberpfĂ€lzischen Landkreis Cham ein 18-JĂ€hriger an Verletzungen aufgrund einer Böllerexplosion in einem Kunststoffrohr, in Koblenz wurde ebenfalls ein 18-JĂ€hriger beim ZĂŒnden eines Böllers so schwer verletzt, dass er trotz ReanimationsmaĂnahmen an den Folgen der Explosion verstarb.


