NRC, Kamerun

NRC: Kamerun ist am stÀrksten vernachlÀssigte Vertreibungskrise

03.06.2025 - 06:13:40

Die Fluchtkatastrophe im westafrikanischen Land Kamerun gilt laut einer Hilfsorganisation als die am meisten vernachlÀssigte Krisenregion der Welt.

Das ergibt eine Auswertung des "Norwegian Refugee Council" (NRC), ĂŒber die die Tageszeitungen der Funke-Mediengruppe berichten und die am Dienstagnachmittag in Berlin vorgestellt wird. Nach Kamerun gehören laut der Organisation weitere afrikanische Staaten zu den Vertreibungskrisen, die weltweit kaum Beachtung finden, darunter die LĂ€nder Äthiopien, Mosambik, Burkina Faso, Mali und Uganda. In Kamerun waren 2024 demnach rund 3,4 Millionen Menschen dringend auf Hilfe und Schutz angewiesen. Der Grund sind vor allem die Folgen des Klimawandels sowie schwere Gewalttaten durch islamistische Terrororganisationen wie Boko Haram.

Mehr als 1,1 Millionen wurden laut der Organisation innerhalb des Landes mit schĂ€tzungsweise knapp 30 Millionen Einwohnern vertrieben. Fast eine halbe Million GeflĂŒchtete und Asylsuchende kommen demnach zudem aus Nachbarstaaten und suchen in Kamerun Schutz. Das FlĂŒchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen geht von rund zwei Millionen Vertriebenen und Schutzsuchenden aus. Das "Norwegian Refugee Council" hat nach eigenen Angaben 34 Konfliktregionen anhand von drei Kriterien ausgewertet: mangelnde Finanzierung, fehlende mediale Aufmerksamkeit und Mangel an wirksamen internationalen politischen und diplomatischen Initiativen. Der humanitĂ€re Hilfsplan fĂŒr Kamerun ist laut NRC 2024 nur zu 45 Prozent finanziert gewesen - von den "erforderlichen 371 Millionen US-Dollar wurden 168,2 Millionen US-Dollar bereitgestellt", so die Organisation. "Viele vertriebene Familien, darunter Kinder, Ă€ltere Menschen und Menschen mit Behinderungen, leben abgelegen ohne Rechtsschutz oder die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen", sagte Hassane Hamadou, Regionaldirektor fĂŒr Zentral- und Westafrika beim NRC, den Funke-Zeitungen. Das gelte vor allem fĂŒr den Ă€ußersten Norden des Landes, am Tschadsee. Zudem leide diese Region, die Ă€rmste in Kamerun, unter schwerer ErnĂ€hrungsunsicherheit, so Hamadou. "Die anhaltende Unsicherheit schrĂ€nkt den Zugang zu MĂ€rkten und kleinbĂ€uerlichen Betrieben weiterhin ein und untergrĂ€bt so die FĂ€higkeit der Familien, ihre GrundbedĂŒrfnisse zu decken." Jedes Jahr veröffentlicht das NRC die Liste der zehn am meisten vernachlĂ€ssigten Vertreibungskrisen weltweit.

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