Gewalt, Schulen

Gewalt an Schulen nimmt weiter zu

19.04.2025 - 07:00:00

Die Gewalt an deutschen Schulen nimmt weiter zu. 14 BundeslÀnder meldeten im vergangenen Jahr insgesamt knapp 27.000 Gewaltdelikte an Schulen, berichtet die "Welt am Sonntag".

Das sind rund 1.500 mehr als im Jahr zuvor. Besonders deutliche Anstiege verzeichneten Bayern (von 2.645 auf 3.002 FĂ€lle), Hessen (von 1.734 auf 2.038) und Brandenburg (von 1.333 auf 1.583).

Auch Baden-WĂŒrttemberg, Niedersachsen, Sachsen und Rheinland-Pfalz meldeten ZuwĂ€chse. FĂŒr Bremen und Mecklenburg-Vorpommern lagen keine aktuellen Daten vor. Die Zahlen entsprechen dem Trend der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die 2024 mit bundesweit 217.277 FĂ€llen den höchsten Stand bei GewaltkriminalitĂ€t seit 2007 verzeichnet. AuffĂ€llig ist laut PKS der Anstieg bei jungen TatverdĂ€chtigen: Die Zahl der Kinder stieg um 11,3 Prozent auf 13.755, bei Jugendlichen um 3,8 Prozent auf 31.383. Bildungs- und Innenpolitiker zeigten sich alarmiert. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht eine wachsende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. Eine aktuelle Dunkelfeldstudie seines Ministeriums bestĂ€tige diese Entwicklung - auch, weil junge Menschen zunehmend Schwierigkeiten hĂ€tten, mit Frust umzugehen. "Wenn es mal nicht so lĂ€uft, wie gewollt, fliegen eher die FĂ€uste oder wird sogar das Messer gezĂŒckt", sagte Reul der "Welt am Sonntag". Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) forderte "null Toleranz" und konsequente Sanktionen im Schulrecht, kĂŒndigte aber zugleich verstĂ€rkte PrĂ€vention an. Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach sich fĂŒr entschlossene Maßnahmen aus und verwies auf ein neues PrĂ€ventionsmodul zur MesserkriminalitĂ€t. Brandenburgs Innenministerin Katrin Lange (SPD) kritisierte ein mögliches Erziehungsversagen im Elternhaus und schloss strafrechtliche Konsequenzen fĂŒr Erziehungsberechtigte nicht aus. Auch LehrerverbĂ€nde schlagen Alarm. Gerhard Brand, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), beklagt eine VerschĂ€rfung der GewaltvorfĂ€lle und kritisiert strukturelle Defizite wie Personalmangel und ĂŒberlastete Schulen. Bildungsforscher Klaus Hurrelmann sieht in Krisen, sozialen Spannungen und einer schwachen Schulkultur zentrale Ursachen. GewaltprĂ€vention mĂŒsse daher dauerhaft in die Schulentwicklung integriert werden.

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