Antisemitische, VorfÀlle

Antisemitische VorfÀlle haben in Berlin deutlich zugenommen

04.06.2025 - 09:39:09

Die Zahl antisemitischer VorfÀlle hat in Berlin deutlich zugenommen.

Das geht aus der Antwort des Berliner Senats auf eine parlamentarische Anfrage der AfD im Abgeordnetenhaus hervor, ĂŒber welche die "Welt" berichtet. Demnach wurden 2023 noch 901 antisemitische Delikte erfasst. Im vergangenen Jahr waren es dagegen 1.823. Vor allem das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen ist der Statistik zufolge massiv angestiegen: von 88 im Jahr 2023 auf 587 im Jahr 2024. Die FĂ€lle von SachbeschĂ€digung stiegen von 144 auf 379, FĂ€lle von Volksverhetzung von 359 auf 525. Gewaltdelikte nahmen dagegen von 72 auf 67 leicht ab.

Der ĂŒberwiegende Teil der FĂ€lle wurde dabei im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt registriert. 2023 waren es 533 FĂ€lle, im Jahr darauf 1.451. FĂŒr 2025 könnte sich ein Absinken der Zahlen abzeichnen. So wurden bis zum 5. Mai 307 FĂ€lle mit antisemitischer Motivation registriert, 245 davon im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Allerdings, so schreibt es der Berliner Senat in seiner Antwort, sind fĂŒr das laufende Jahr noch nicht alle bekannt gewordenen FĂ€lle in der Statistik erfasst worden. Die meisten der TatverdĂ€chtigen mit antisemitischen Motiven sind deutsche Staatsangehörige. Waren es vor zwei Jahren 256, waren es 2024 schon 743. Wie viele der deutschen Beschuldigten eine weitere Staatsangehörigkeit haben, geht aus der Statistik nicht hervor. Nach Deutschland stammten die meisten TatverdĂ€chtigen 2024 aus Syrien (42), den USA (27), dem Iran (26), Italien (23) und dem Libanon (16). Den grĂ¶ĂŸten Anteil macht nach den Deutschen jedoch die Gruppe der Staatenlosen mit 66 TatverdĂ€chtigen aus. Die Mehrheit der antisemitischen VorfĂ€lle in Berlin wird der Kategorie "auslĂ€ndische Ideologie" zugeordnet. Im Jahr 2024 entfielen laut Senat 1.036 antisemitisch motivierte Straftaten auf eine auslĂ€ndische, 338 auf eine religiöse Ideologie. Dem gegenĂŒber stehen 302 FĂ€lle mit rechtsextremem Hintergrund. Aus der linksextremistischen Szene wurden vergleichsweise wenig FĂ€lle registriert: 2024 waren es 32. Der Berliner Senat warnt dennoch, dass sich infolge des Hamas-Angriffs auf Israel eine antiisraelische Szene "aus dem auslandsbezogenen Extremismus, dem Islamismus und dem Linksextremismus" gebildet habe. Der AfD-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus Martin Trefzer, der die Anfrage an den Berliner Senat gestellt hatte, fordert ein Umdenken in der Berliner Politik. "Der Senat muss mit seiner Gegenstrategie ansetzen, wenn er Antisemitismus und Israelhass zurĂŒckdrĂ€ngen will", sagte er der Zeitung. "Insbesondere die unheilige Allianz aus islamistischen und linksextremistischen Judenhassern muss endlich adĂ€quat adressiert werden." Hier lasse sich der Senat von falsch verstandenen RĂŒcksichten leiten. "Die EinfĂŒhrung eines Tages gegen Islamfeindlichkeit geht leider in die vollkommen falsche Richtung." Der CDU-Politiker Timur Husein, Sprecher fĂŒr Antisemitismus-BekĂ€mpfung, sagte: "Die Zahlen zeigen, dass wir noch lange mit Antisemiten in Berlin zu tun haben werden. Sie zeigen auch, dass es eine gefĂ€hrliche und immer stĂ€rker werdende Zusammenarbeit zwischen Linksextremisten und Islamisten gibt." Alex Freier-Winterwerb von der in Berlin mitregierenden SPD sagte: An der Lebenswirklichkeit von Juden zeige sich der Zustand der Gesellschaft - und der sei "alarmierend". Die massive Zunahme antisemitischer Straftaten sei kein RandphĂ€nomen, sondern ein Angriff auf die Demokratie. "Wer jetzt nicht handelt, macht sich mitschuldig. JĂŒdisches Leben braucht Schutz, Antisemitismus null Toleranz - und endlich Taten statt Worte. Es ist Zeit fĂŒr einen neuen Aufstand der AnstĂ€ndigen und mehr Anstand bei den ZustĂ€ndigen." Die Antwort des Berliner Senats bezieht sich auf Zahlen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in FĂ€llen politisch motivierter KriminalitĂ€t. Es handelt sich um eine Eingangsstatistik. FĂ€lle werden also gezĂ€hlt, sobald sie bekannt werden, und nicht erst nach Abschluss der Ermittlungen.

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