Starker Anstieg in NRW bei Verfahren wegen Hass im Netz
17.08.2024 - 09:40:25Im laufenden Jahr 2024 gab es bis zum 9. Juli 1.094 neue FĂ€lle. Dem gegenĂŒber stehen deutlich weniger erledigte VorgĂ€nge. So gab es 2023 der Statistik zufolge 107 Anklagen oder Strafbefehle und 55 rechtskrĂ€ftige gerichtliche Entscheidungen. In diesem Jahr gab es 77 Anklagen oder Strafbefehle und 52 rechtskrĂ€ftige Gerichtsentscheidungen. Ferner sind aktuell fĂŒr die Bearbeitung der VorgĂ€nge im gesamten Bereich der HasskriminalitĂ€t laut der Antwort der Landesregierung 2,8 "Arbeitskraftanteile" von StaatsanwĂ€lten vorgesehen. Der Sprecher der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime, Staatsanwalt Christoph Hebbecker, sagte der Zeitung zur sprunghaften Entwicklung seit 2023: "Der Anstieg - und der ist in der Tat ganz gewaltig - ist im Wesentlichen dem Umstand geschuldet, dass wir unheimlich viele Anzeigen von einzelnen politischen MandatstrĂ€gern bekommen." Immer mehr Politiker nĂ€hmen SchmĂ€hungen oder Bedrohungen nicht mehr hin. Die relativ geringe Zahl der abgeschlossenen FĂ€lle erklĂ€rt Hebbecker mit besonderen UmstĂ€nden: "Hier liegen nicht in groĂer Anzahl unerledigte Verfahren, in denen nichts passiert", sagte er. "In vielen FĂ€llen schaffen wir es einfach nicht, einen Beschuldigten zu identifizieren. Dann mĂŒssen wir das Verfahren einstellen. Wenn wir Beschuldigte identifizieren, bleiben die FĂ€lle nur bei uns, wenn die Person ihren Wohnsitz in NRW hat. Bei der Mehrzahl der Verfahren ist das aber nicht der Fall. Dann geben wir die FĂ€lle an die zustĂ€ndige Staatsanwaltschaft ab." Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Werner Pfeil, warf Justizminister Benjamin Limbach (GrĂŒne) Versagen vor. "WĂ€hrend der NRW-Innenminister die Polizei fĂŒr den Kampf gegen Cybercrime massiv ausbaut, herrscht in der Justiz absoluter Stillstand", kritisierte er. "2,8 sogenannte `Arbeitskraftanteile` fĂŒr mehr als 2.000 FĂ€lle der Verfolgung von HasskriminalitĂ€t im Jahr 2023 ist viel zu wenig, auch hier fehlt Personal. Ohne konkrete PlĂ€ne und ausreichende Ressourcen wird die ZAC NRW im Chaos versinken und die Justiz zum Flaschenhals fĂŒr Ermittlungen. NRW braucht eine Regierung, die Cybercrime ernst nimmt - Limbach ist der falsche Mann fĂŒr diesen Job."


