BundeslÀnder melden mehr extremistische Straftaten in Schulen
06.04.2024 - 18:57:23Im vergangenen Jahr waren es 149. GegenĂŒber dem Vorjahr entspricht das einer Steigerung von rund 300 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern berichten die Schulen im Schuljahr 2022/23 laut Bildungsministerium ĂŒber 17 VorfĂ€lle mit "extremistischem Hintergrund". Im laufenden Schuljahr gab es allein bis Ende Januar 34 Meldungen. Ein neuer Höchstwert zeichnet sich auch in Sachsen-Anhalt ab. Nach 19 und 15 Meldungen in den Schuljahren 2021/22 und 2022/23 berichteten die Schulen im laufenden Schuljahr bis Ende Januar bereits ĂŒber 22 "verfassungsfeindliche VorfĂ€lle". "ErfahrungsgemĂ€Ă" handele es sich dabei "nahezu ausschlieĂlich um Taten mit rechtsextremem Hintergrund", sagte eine Sprecherin des sachsen-anhaltischen Bildungsministeriums. Baden-WĂŒrttemberg erfasst an Schulen "antisemitisch und anderweitig religiös und ethnisch motivierte Diskriminierungen". Die Zahl schwankte in den Schuljahren 2020/21 bis 2022/23 zwischen zwölf und 23. Im laufenden Schuljahr registrierten die Behörden bis zum 20. MĂ€rz bereits 35 VorfĂ€lle dieser Kategorie. Von einem "spĂŒrbaren Anstieg" berichtet auch Hessen. Als linksextremistisch stuften die Behörden in den vergangenen Jahren zwar lediglich bis zu zwei VorfĂ€lle pro Jahr ein. Das Aufkommen rechtsextremistischer VorfĂ€lle verdreifachte sich im Jahr 2023 dagegen gegenĂŒber dem Vorjahr auf nunmehr 35 Meldungen. Im Jahr 2024 meldeten die Schulen in den ersten drei Monaten 39 rechtsextremistische VorfĂ€lle. Der Zuwachs erklĂ€rt sich laut Ministerium vor allem durch das vermehrte Zeigen des verbotenen HitlergruĂes, "meist im Zusammenhang mit Challenges in den sozialen Medien". Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe es auch vermehrt antisemitische oder islamistische VorfĂ€lle gegeben. Laut Statistik waren es 2023 in der Kategorie "antisemitisch" 17 VorfĂ€lle, weitere 15 wurden als "islamistisch/pro Hamas" eingestuft. In Brandenburg hatte im April vergangenen Jahres ein Brandbrief zweier Lehrer fĂŒr Aufsehen gesorgt. Die PĂ€dagogen hatten darin auf diverse rechtsextreme VorfĂ€lle an ihrer Schule im Ort Burg hingewiesen. Die Schulleitung habe diese aber weitgehend ignoriert. Angesichts der öffentlichen Debatte nach dem Brief war die Zahl der gemeldeten VorfĂ€lle in die Höhe geschnellt. Das Land registrierte in der Folge fĂŒr das gesamte Schuljahr 2022/23 rund 180 extremistische VorfĂ€lle - eine Verdreifachung der Vorjahreszahl. In Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schleswig-Holstein mĂŒssen extremistische VorfĂ€lle den jeweiligen Bildungsministerien entweder nicht gemeldet werden oder die VorfĂ€lle werden nicht statistisch ausgewertet. Bremen, Hamburg und ThĂŒringen belieĂen die Anfrage der "Welt am Sonntag" inhaltlich unbeantwortet. Die saarlĂ€ndische Bildungsministerin und derzeitige PrĂ€sidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Christine Streichert-Clivot (SPD), sagte zum Anstieg der gemeldeten ExtremismusvorfĂ€lle: "Wir beobachten in der KMK diese Entwicklungen natĂŒrlich mit Sorge." Sie sehe aber auch "viele positive Entwicklungen". SchĂŒler, Eltern und Lehrer gingen auf die StraĂe und setzten "Zeichen gegen Hass, Diskriminierung, Populismus, Antisemitismus und Extremismus". Eine Vereinheitlichung der Erfassung extremistischer VorfĂ€lle an Schulen - wie sie der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, gefordert hatte - halte die Kultusministerkonferenz aufgrund der unterschiedlichen Situationen in den einzelnen BundeslĂ€ndern allerdings fĂŒr "nicht unbedingt zielfĂŒhrend".


