Steuern, Gesellschaft

Prien verteidigt Umbau von Demokratie leben-Programm

25.03.2026 - 19:51:32 | dts-nachrichtenagentur.de

Familienministerin Karin Prien (CDU) hat den Umbau des Bundesprogramms "Demokratie leben" gegen Kritik aus der Zivilgesellschaft verteidigt.

Karin Prien am 25.03.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Karin Prien am 25.03.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
"Aus meiner Sicht ist es Zeit, dass wir neue Strategien finden, mit dieser Vertrauenskrise umzugehen", sagte Prien der "taz" (Donnerstagausgabe). "Wie es besser gelingt, diejenigen zu erreichen, die auf der Kippe stehen, die uns in der Mitte der Gesellschaft verloren gehen." Zudem brauche das Programm "mehr Pluralismus, mehr Transparenz, demokratische Legitimation".

Prien erklĂ€rte, sie wolle mit dem Programm kĂŒnftig "mehr auf die Mitte der Gesellschaft zielen". Es brauche bessere Demokratiebildung an Kitas, Schulen und Berufsschulen, in Betrieben oder Gewerkschaften. Zudem werde sich das Programm stĂ€rker auf das Internet konzentrieren.

Den bisherigen Weg, auch Vielfaltsprojekte zu fördern, will Prien verlassen. "Gesellschaftliche Vielfalt ist grundsÀtzlich positiv - aber als staatliches Förderziel sehe ich das nicht", sagte sie.

Prien erklĂ€rte, dass das "Demokratie leben"-Programm nur umgestaltet, nicht gekĂŒrzt werden solle. Ihr Ministerium werde im kommenden Jahr insgesamt 170 Millionen Euro einsparen mĂŒssen. Beim Programm "Demokratie leben" werde dies höchstens "in geringem Maße" passieren, so Prien. Das Ministerium gibt fĂŒr "Demokratie leben" in diesem Jahr 191 Millionen Euro aus.

Zu den TrĂ€gern, deren Projekte zum Jahresende beendet werden sollen, sagte Prien, all diese Organisationen könnten sich "neu bewerben, wenn sie bereit sind, Projekte aufzulegen, die den zukĂŒnftigen prĂ€zisierten Förderzwecken entsprechen". Es gebe "niemanden, den wir von vornherein ausschließen".

Prien erklĂ€rte auf Nachfrage zudem, dass in ihrem Ministerium in diesem Jahr keine Organisation nach dem zuletzt viel diskutierten Haber-Verfahren vom Verfassungsschutz ĂŒberprĂŒft wurde. "Wir sorgen fĂŒr Legitimation der Organisationen, die sich gegen Extremismus engagieren - sie mĂŒssen fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen", so die CDU-Politikerin. "Alles andere macht keinen Sinn, und deshalb gibt es dieses Verfahren."

Mit der Neuaufstellung will Prien zum Jahresende die sogenannten Innovationsprojekte und bundesweiten Infrastrukturen einstellen. Rund 200 Projekte sind davon betroffen. Unter den betroffenen TrÀgern war es in den vergangenen Tagen deshalb zu Unruhe und Unmut gekommen.

Zuletzt hatte unter anderem die BildungsstĂ€tte Anne Frank Priens Förderpolitik scharf kritisiert. "Das ist Politik mit der KettensĂ€ge - zum denkbar schlechten Zeitpunkt: In Zeiten, in denen die AfD ein Rekordergebnis nach dem nĂ€chsten fĂŒr ihre menschenfeindliche Politik einfĂ€hrt und wir einen massiven Anstieg von Antisemitismus erleben, reißt die Bundesfamilienministerin die mĂŒhsam errichteten AbwehrdĂ€mme gegen Antisemitismus, Rassismus und andere menschenfeindliche Ideologien ein", sagte Meron Mendel, Direktor der BildungsstĂ€tte Anne Frank. "Bereits genehmigte, begonnene und auf Jahre angelegte Projekte mittendrin zu stoppen, das hat es in dieser Form bislang nicht gegeben." Die Bundesregierung schwĂ€che die Zivilgesellschaft, statt sie zu stĂ€rken, so Mendel. "In einer Hauruck-Aktion Programme zu stoppen, die mit Beginn der neuen Förderperiode gerade erst angelaufen waren, ist Ressourcen-Verschwendung im großen Stil und das Gegenteil von verantwortungsvoller und wirkungsorientierter Verwendung von Steuergeld."

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