Immer mehr rechtsmotivierte VorfÀlle an Schulen
21.06.2025 - 09:00:00In fast allen BundeslĂ€ndern sind die gemeldeten FĂ€lle gestiegen. In Baden-WĂŒrttemberg wurden 2022 demnach neun rechtsextreme VorfĂ€lle an Schulen dokumentiert. Ein Jahr spĂ€ter waren es 32, 2024 hat sich diese Zahl mit 62 FĂ€llen fast verdoppelt. Allein in den vergangenen zwei Monaten soll es nach Angaben des dortigen Kultusministeriums 20 FĂ€lle gegeben haben. Bei den FĂ€llen handelte es sich vor allem um das Zeigen des HitlergruĂes und Schmierereien von NS-Symbolen an SchulgebĂ€uden. In Bayern antwortete das Landeskriminalamt auf Anfrage der Zeitung, es gebe keine Erhebung dieser FĂ€lle fĂŒr die "Tatörtlichkeit Schule". Es konnten keine Zahlen genannt werden. In Berlin erfasst die Polizei alle FĂ€lle "politisch motivierter KriminalitĂ€t rechts", sobald Anzeige erstattet wird. Sie zĂ€hlte 2021 33, 2022 81, 2023 80 und 2024 115 FĂ€lle. 2025 soll es bislang 56 FĂ€lle gegeben haben. Um welche FĂ€lle es sich handelte, teilte die Polizei nicht mit. In Brandenburg wurden 2023 insgesamt 259 rechtsextreme Straftaten gemeldet. Ein Jahr spĂ€ter waren es 336. Darunter waren antisemitische Beleidigungen wie "Gleich ins KZ damit" und "Juden vergasen" sowie rechtsradikale Ausrufe wie "Heil Hitler", "Sieg Heil" oder "Mein FĂŒhrer", teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums der FAS mit. In Bremen gab 2022 13, 2023 20 und im vergangenen Jahr 26 gemeldete rechtsextreme FĂ€lle. "Wir gehen allerdings von einem beachtlichen Dunkelfeld aus", antwortete eine Sprecherin des Innenministeriums. Hamburg habe bis Redaktionsschluss nicht geantwortet, schreibt die FAS. In Hessen sind fĂŒr 2022 zwei VorfĂ€lle erfasst. Ein Jahr spĂ€ter waren es 37, im vergangenen Jahr dann das Vierfache: 172. Darunter waren vor allem Hakenkreuz-Schmierereien, das Zeigen des HitlergruĂes, das Singen rechtsextremer Lieder und Posts mit rechtsextremen Inhalten in den sozialen Medien. In Mecklenburg-Vorpommern erfolgt laut einer Sprecherin des Bildungsministeriums keine separate statistische Erfassung rechtsextremer VorfĂ€lle. Im Schuljahr 2022/2023 wurden 19 meldepflichtige VorfĂ€lle mit extremistischem Hintergrund dokumentiert. Ein Jahr spĂ€ter waren es 100. In Niedersachsen gab es 2022 insgesamt 82 rechtsmotivierte Straftaten an Schulen. Ein Jahr spĂ€ter waren es 131, wieder ein Jahr spĂ€ter 140. 2024 sind 305 dieser Straftaten dokumentiert. Nur "eine Teilmenge" davon sei rechtsextremistisch, teilte eine Sprecherin des Kultusministeriums mit. Der GroĂteil seien Propagandadelikte, am zweithĂ€ufigsten handele es sich um Volksverhetzung. In Nordrhein-Westfalen verweist das Innenministerium ebenfalls auf "politisch motivierte KriminalitĂ€t rechts". Die FĂ€lle stiegen von 277 im Jahr 2023 auf 452 im Jahr 2024. Auch hier seien der GroĂteil Propagandadelikte, gefolgt von Volksverhetzung. In Rheinland-Pfalz erfasste das Innenministerium fĂŒr das Jahr 2023 18 Propagandadelikte. Ein Jahr spĂ€ter waren es 33. FĂŒnfmal soll es auĂerdem zu Volksverhetzung gekommen sein. Im Saarland wurden 2023 laut Innenministerium neun rechtsextreme FĂ€lle erfasst. 2024 waren es 23. In Sachsen gab es 2022 154 gemeldete mutmaĂlich rechtsextreme FĂ€lle, 2023 waren es 149, 2024 stieg die Zahl auf 156. Nach Angaben des Kultusministeriums sorgen demnach vor allem VorfĂ€lle regelmĂ€Ăig fĂŒr Aufsehen, bei denen SchĂŒler "sich vor GedenkstĂ€tten des Holocaust (Auschwitz) in eindeutiger Pose (Deutscher GruĂ oder White-Power-Handzeichen) ablichten lassen und diese Aufnahmen in den sozialen Medien posten". Die ĂŒberwiegende Zahl der FĂ€lle sind in Sachsen Propagandadelikte. In Sachsen-Anhalt verwies das Landesschulamt gegenĂŒber der FAS auf eine Kleine Anfrage der Linken und die entsprechende Antwort der Landesregierung zu VorfĂ€llen mit rechtem Hintergrund an Schulen. In einer Tabelle sind fĂŒr 2023 74, fĂŒr 2024 185 FĂ€lle aufgelistet. In den meisten FĂ€llen handelt es sich um Propagandadelikte. In Schleswig-Holstein verweist das Kultusministerium ebenfalls auf eine Kleine Anfrage und die Antwort der Landesregierung. Erfasst sind 24 mutmaĂlich rechtsextreme FĂ€lle fĂŒr das Schuljahr 2023/2024, darunter beispielsweise rassistische ĂuĂerungen, Hakenkreuz-Schmierereien, rechtsextreme Posts und Körperverletzungen. In ThĂŒringen sind fĂŒr 2021 49 FĂ€lle erfasst, in denen es laut Bildungsministerium zur "Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" kam. 2022 waren es 86, 2023 92 und 2024 122 FĂ€lle. Diese Zahlen sind zwar nicht direkt miteinander vergleichbar - auch weil die LĂ€nder teils verschiedene Regeln fĂŒr sogenannte Meldepflichten haben. Trotzdem lĂ€sst sich ein Trend erkennen. Denn die Zahlen steigen in fast allen LĂ€ndern oder stagnieren auf hohem Niveau.


