Pakistan, Afghanen Pakistan inhaftiert Afghanen mit Aufnahmezusagen fĂŒr Deutschland
13.07.2025 - 07:00:00
Nach Ablauf eines Ultimatums zur Aufnahme von rund 2.500 in Islamabad befindlichen Afghanen hat sich ein diplomatischer Konflikt zwischen der Bundesregierung und der pakistanischen Regierung weiter zugespitzt.
Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet, forderte Islamabad Berlin bereits Ende 2024 auf, Probleme bei den verschiedenen Aufnahmeprogrammen fĂŒr afghanische StaatsbĂŒrger zu lösen.
Deutschland hatte seit der MachtĂŒbernahme der Taliban im Sommer 2021 Zehntausenden Afghanen Aufnahmezusagen erteilt, sie aber nicht direkt eingeflogen, sondern erst einmal fĂŒr weitere ĂberprĂŒfungen nach Islamabad reisen lassen.
Weil der Prozess viel lĂ€nger als geplant dauert - im Schnitt warten die Afghanen aktuell rund acht Monate auf ein endgĂŒltiges "Go" - und die Visa fĂŒr Pakistan nur drei Monate gĂŒltig sind, wurden viele Menschen fĂŒr illegal erklĂ€rt.
Berlin sollte die von der GIZ angemieteten GÀstehÀuser zunÀchst bis zum 31. MÀrz rÀumen; dann wurde die Frist auf den 30. Juni verlÀngert - ohne dass die Bundesregierung die offenen FÀlle abarbeitete.
Wenige Tage vor Ablauf der Frist begannen pakistanische Behörden nach Informationen der "Welt am Sonntag" mit Razzien in den GĂ€stehĂ€usern und nahmen einzelne Afghanen mit abgelaufenem Visum fest. Laut der Zeitung schlugen GIZ-Mitarbeiter Alarm und informierten die deutsche Botschaft. Deutsche Beamte bemĂŒhten sich, Abschiebungen in die Heimat zu verhindern - meist erfolgreich.
Dem Bericht zufolge hat die pakistanische Polizei ihre EinsÀtze gegen das deutsche Aufnahmeprogramm aber zuletzt deutlich ausgeweitet.
"Es herrscht heilloses Chaos", sagte eine mit der Lage vertraute Person in Islamabad der "Welt am Sonntag". "UnabhÀngig davon, wie man zu den Aufnahmeprogrammen steht, ist es ein Wahnsinn, wie mit dem Schicksal von Menschen umgegangen wird."
Das AuswĂ€rtige Amt (AA) erklĂ€rte auf Anfrage der "Welt am Sonntag" vergangene Woche, die "aufenthaltsrechtliche Situation" afghanischer StaatsbĂŒrger habe sich "seit Herbst 2023 verschlechtert und seit Anfang April 2025 erneut verschĂ€rft". Man stehe "in engem und hochrangigem Kontakt mit der pakistanischen Regierung", um Abschiebungen von Afghanen mit gĂŒltiger Aufnahmezusage zu verhindern, die sich zum Zwecke der VisumsprĂŒfung in Islamabad aufhielten.
Nach Recherchen der "Welt am Sonntag" wurden seit Beginn der EinsÀtze rund 150 Afghanen mit Aufnahmezusage in Lager gebracht; ihr Verbleib ist teils unklar.
Bemerkenswert ist, wie Berlin in solchen FĂ€llen reagiert: Weil Abgeschobene oft ihre PĂ€sse zurĂŒcklassen mĂŒssen, bemĂŒhen sich deutsche Stellen, die Dokumente per Kurier auf die afghanische Seite der Grenze zu bringen. Dort können sie die Betroffenen wieder in Empfang nehmen - fĂŒr eine legale Wiedereinreise nach Pakistan.