Polizeiwissenschaftler, Kommunikation

Polizeiwissenschaftler kritisiert Kommunikation von Polizeibehörden

21.05.2025 - 13:09:36

Polizeibehörden in Deutschland gehen nach EinschĂ€tzung des Polizeiwissenschaftlers Rafael Behr bei heiklen VorfĂ€llen wie Schussgebrauch durch eigene Beamte oft zu wenig offen mit der Öffentlichkeit um.

Zwar habe es diesbezĂŒglich in den letzten Jahren Fortschritte gegeben, sagte Behr dem "Mannheimer Morgen". Aber vor allem bei internen Angelegenheiten, zum Beispiel Schusswaffengebrauch, merke man oft, dass PrĂ€sidien "schmallippig" werden. PrĂ€sidien wĂŒrden in solchen FĂ€llen hĂ€ufig auf "laufende Ermittlungen" verweisen.

Das sei zwar mitunter berechtigt, diene aber auch dazu, sich Kritik zu entziehen. Es sei "zu oft so, dass sie nur zögerlich kommuniziert und sich die Richtung - nĂ€mlich Transparenz und Öffentlichkeit zuzulassen - verĂ€ndert, sobald es darum geht, Einblicke in die eigene Innenwelt zu geben oder eigene Fehler einzurĂ€umen". Behr kritisierte weiterhin, dass es PrĂ€sidien trotz der Professionalisierung der Pressearbeit weiterhin schwerfalle, ihr Informationsverhalten konsequent auf Transparenz auszurichten. "Man muss Dinge ausprobieren, schrittweise informieren - auch mal nur vorlĂ€ufig: Was wir jetzt wissen, ist das und das. In zwei Stunden kann sich das aber verĂ€ndert haben. Diese klare, transparente Kommunikation fehlt leider hĂ€ufig", kritisierte der Wissenschaftler, der an der Hochschule der Polizei Hamburg unter anderem zu Polizeikultur und dem SpannungsverhĂ€ltnis zwischen Polizei und Öffentlichkeit geforscht hat. Behr kritisierte, dass in "personalintensiven Pressestellen" von PrĂ€sidien keine Journalisten oder ausgebildeten Pressesprecher arbeiten wĂŒrden. "Anstatt dass man die Arbeit Fachleuten ĂŒbertrĂ€gt, die man in den Polizeibetrieb einbettet, machen das Polizisten, die mit Medien kaum Vorerfahrungen haben", sagte er. Über LehrgĂ€nge mĂŒssten Defizite beseitigt werden, die antrainiert worden seien. "Die Ausbildung der Polizei lĂ€uft ansonsten immer unter der Devise: Ihr mĂŒsst objektiv berichten, ihr mĂŒsst neutral bleiben, ihr dĂŒrft euch, wenn ĂŒberhaupt, nur zurĂŒckhaltend Ă€ußern. Kurzum: Information zurĂŒckzuhalten, Sprache zurĂŒckzuhalten. In der Öffentlichkeitsarbeit muss genau das Gegenteil getan werden. Man mĂŒsste viel souverĂ€ner Sprachbilder entwerfen, auf Szenarien eingehen und so weiter, um das InformationsbedĂŒrfnis der Menschen zufriedenzustellen", sagte Behr. Die sich widersprechenden Anforderungen seien "ein strukturelles Problem, das oft zu Unsicherheit im Umgang mit Medien fĂŒhrt". Behr forderte, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei weiter professionalisieren mĂŒsse. "Ich sehe die Notwendigkeit aber auch - und das ist als ein Appell an die Öffentlichkeit zu verstehen -, nicht alles Gesagte sofort auf die Goldwaage zu legen. Das nimmt der Polizei die Offenheit, Dinge so zu kommunizieren, wie man sich das wĂŒnscht", sagte er.

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