Gesundheit, Arbeitsmarkt

Verdi: Pflege-Azubis beklagen mangelnde Ausbildungsqualität

01.11.2025 - 01:00:00

Viele Auszubildende und Studierende in der Pflege sind unzufrieden mit ihrer Ausbildung und fühlen sich überfordert.

Das zeigt der neue Ausbildungsreport Pflegeberufe 2024 der Gewerkschaft Verdi, über den die Zeitungen der Funke-Mediengruppe in ihren Samstagausgaben berichten. Für die Erhebung wurden Verdi zufolge zwischen Sommer und Herbst des vergangenen Jahres über 2.200 Auszubildende in den Pflegeberufen sowie Studierende in einer hochschulischen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz befragt. Nur gut ein Drittel der Auszubildenden und weniger als die Hälfte der Studierenden sind demnach mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Über 80 Prozent leisten regelmäßig Überstunden, fast die Hälfte fühlt sich dauerhaft stark belastet. "Nur gut ein Drittel der Auszubildenden ist mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden - nur halb so viele wie in anderen Berufen. Diese schlechte Bewertung ist ein Armutszeugnis für die Arbeitgeber, viele werden ihrer Verantwortung nicht gerecht", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler den Zeitungen. "Die jungen Leute starten hoch motiviert in die Ausbildung dieses schönen und sinnstiftenden Berufs. Doch statt sich ins Zeug zu legen und für eine gute praktische Ausbildung zu sorgen, treibt man die Menschen vielfach regelrecht aus dem Beruf", sagte Bühler. Der Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit, mangelnder Ausbildungsqualität und hoher Belastung sei eindeutig.

"Nicht wenige nutzen die große Einsatzbereitschaft und Empathie von Auszubildenden gnadenlos aus und missbrauchen diese als billige Arbeitskräfte", kritisierte Bühler. Gute Ausbildungsbedingungen dürften nicht länger ein Glücksfall sein, "sie müssen Normalität werden". Laut Verdi hält nur rund ein Drittel der Einrichtungen den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestumfang der Praxisanleitung ein. Viele Auszubildende müssen sich ihre Anleitung selbst organisieren, oft fehlt qualifiziertes Personal. Drei Viertel der Befragten berichten zudem von unplanmäßigen Versetzungen auf andere Stationen, meist wegen Personalmangels. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mahnte Reformen an. "Die Ausbildungsbedingungen in der Pflege müssen attraktiv sein und sich offenkundig verbessern. Die hohe Unzufriedenheit sollte von den für die Ausbildung verantwortlichen Betrieben ernst genommen werden", sagte Warken den Zeitungen. Man schaffe derzeit die Grundlage, die Attraktivität des Pflegeberufs weiter zu steigern, so Warken. Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) zeigte sich besorgt. "Die Zahlen des Ausbildungsreports sind besorgniserregend", erklärte SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. "Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte, um den Pflegenotstand zu bekämpfen. Dieser sinnstiftende Beruf darf nicht durch Überforderung in der Ausbildung an Attraktivität verlieren." Auszubildende dürften nicht als "Lückenfüller" im Arbeitsalltag missbraucht werden, so Engelmeier. Der Arbeitgeberverband VDAB wies die Kritik teilweise zurück. Thomas Knieling sagte den Zeitungen, die generalistische Ausbildung sei "für alle Beteiligten eine Herausforderung", aber kein flächendeckendes Problem. "Natürlich ist nicht auszuschließen, dass auch Auszubildende unter dem Personalmangel leiden. Wir können aber nicht bestätigen, dass dies ein Flächenphänomen ist - geschweige denn, dass die Situation in der Langzeitpflege besonders prekär wäre", so Knieling. Verdi fordert verbindliche Personalschlüssel, eine Erhöhung des Anteils strukturierter Praxisanleitung auf 30 Prozent sowie eine bessere Verzahnung von Theorie und Praxis. Gute Ausbildung sei die "wichtigste Stellschraube gegen den Fachkräftemangel", so Bühler.

@ dts-nachrichtenagentur.de

Weitere Meldungen

Schwesig: Privatisierung von Zahnarztkosten völlig inakzeptabel In der SPD wird die Kritik an verschiedenen Vorstößen aus der CDU zu Einschnitten im Sozialstaat lauter."Ich bin entsetzt über die immer neuen Attacken aus der Union auf den Sozialstaat und den Zusammenhalt in Deutschland", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe).Die meisten Arbeitnehmer zeigten "jeden Tag vollen Einsatz", sagte Schwesig: "Und sie gehen auch nur zum Arzt, wenn sie wirklich krank sind. (Wirtschaft, 03.02.2026 - 05:00) weiterlesen...

Reichinnek nennt CDU-Vorstöße Tritt ins Gesicht der Menschen Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek hat die Vorschläge des Wirtschaftsrates der CDU, den Bezug von Arbeitslosengeld auf zwölf Monate zu begrenzen und die "Mütterrente" und die sogenannte "Rente mit 63" abzuschaffen scharf kritisiert."Man kann nur staunen, wie zielsicher wirklich alles, was aus Reihen der Union zur Reform bestehender Systeme vorgebracht wird, nichts anderes ist, als ein Tritt ins Gesicht der Mehrheit der Menschen im Land", sagte sie dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".Dass der Wirtschaftsrat sich überhaupt traue, ein solches Papier vorzulegen, zeige, "dass in der Union gerade all jene Morgenluft wittern, die den Wert ihrer Mitmenschen ausschließlich in deren Arbeitskraft sehen".Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst, Daniel Peters, warnt derweil vor "Nebenkriegsschauplätzen" in der Debatte über Sozialreformen und sieht die Vielzahl an Vorschlägen als wenig hilfreich im Wahlkampf. (Wirtschaft, 03.02.2026 - 00:00) weiterlesen...

CDU-Generalsekretär findet Zahnarzt-Vorschlag nicht zielführend CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann stellt sich gegen die Forderung des CDU-Wirtschaftsrats, dass Zahnarztbesuche künftig nicht mehr von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden sollen.Deutschland brauche eine Zukunftsagenda, sagte er dem "Stern". (Wirtschaft, 02.02.2026 - 15:18) weiterlesen...

Rhein stellt sich gegen Forderungen von CDU-Wirtschaftsflügeln Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellt sich gegen die jüngsten Forderungen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) sowie des Wirtschaftsrats der CDU.Der "Bild" (Dienstagsausgabe) sagte Rhein: "Leistungseinschnitte für Leistungsträger lehne ich klar ab." Stattdessen forderte er mehr Respekt vor Leistung und warnte vor neuer sozialer Kälte.Rhein erklärte weiter: "Die Vorschläge von MIT und Wirtschaftsrat zu Einschränkungen bei Teilzeit und Gesundheitsleistungen wie Zahnarztbehandlungen entsprechen nicht meiner Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit." Für ihn stehe die CDU traditionell für die Anerkennung von Leistung. (Wirtschaft, 02.02.2026 - 14:33) weiterlesen...