Rassismus-Eklat, Schröder

«Das ist traurig»: Rassismus-Eklat um Schröder bei der EM

31.08.2025 - 08:15:38 | dpa.de

Das fulminante 107:88 von Deutschlands Basketballern gegen Litauen gerĂ€t in den Hintergrund. KapitĂ€n Schröder macht rassistische Anfeindungen öffentlich. Der deutsche Verband kĂŒndigt Konsequenzen an.

Deutschlands Basketball-Gala geriet in den Hintergrund. - Foto: Matthias Stickel/dpa
Deutschlands Basketball-Gala geriet in den Hintergrund. - Foto: Matthias Stickel/dpa

Dennis Schröder war tief getroffen und zeigte sich persönlich gekrÀnkt. In ruhigem Ton sprach der deutsche Basketball-Star in die TV-Kameras und Mikrofone in der Interview-Zone das aus, was Fans und Reporter ihm und seiner geknickten Körperhaltung nach den rassistischen Anfeindungen ansehen konnten: «Das ist eine Sache, die ich nicht akzeptieren kann. Rassismus sollte nicht hierhin gehören. Das ist traurig.»

Beim sportlich famosen 107:88 des Weltmeisters ĂŒber Litauen hatten Fans in der Arena im finnischen Tampere AffengerĂ€usche gemacht, die Schröder und Teile des deutschen Trainerstabs wahrgenommen hatten. Nach Angaben des Deutschen Basketball Bunds (DBB) wurden zwei Personen der Halle verwiesen - der Weltverband Fiba schrieb spĂ€ter von einer Person, die ermittelt werden konnte und fĂŒr die restliche EM aus der Arena ausgesperrt wird.

Schröders klare Botschaft

Der 31 Jahre alte Schröder fĂŒhlte sich an Brasiliens Fußball-Star Vinicius Jr. von Real Madrid erinnert, der immer wieder Ziel von rassistischen Anfeindungen ist. So diplomatisch sich Schröder in den Interviews noch gezeigt hatte, so deutlich legte er spĂ€ter in den sozialen Netzwerken nach.

«Ich wĂŒnschte, die Leute, die die Affenlaute gemacht haben, hĂ€tten den Mut, das auch außerhalb der Arena zu tun. Denn ich schwöre auf das Grab meines Vaters: Dann mĂŒssten sie die Konsequenzen tragen, denen sie in der Arena entkommen», schrieb Schröder bei Instagram emotional. Ein Statement des deutschen Verbands teilte der NBA-Profi mit trauernden Smileys und schrieb dazu: «Sag 'nein' zu Rassismus.»

Litauens Profis entschuldigen sich

Schröder hatte die Affenlaute unter anderem beim Gang in die Kabine zur Halbzeit wahrgenommen. Der DBB stellte sich sofort vor Schröder. «So etwas hat nirgendwo etwas zu suchen und ganz sicher nicht im bunten, vielfĂ€ltigen und offenen Basketball», sagte PrĂ€sident Ingo Weiss. Der FunktionĂ€r kĂŒndigte an, man werde «nachhaltig beim Veranstalter intervenieren, dass solche Vorkommnisse hier nicht mehr passieren».

Litauens Spieler entschuldigten sich spĂ€ter bei Schröder. Auch der Verband bedauerte die VorfĂ€lle. «Wir möchten eine klare Botschaft senden: Dies ist fĂŒr uns völlig inakzeptabel und verstĂ¶ĂŸt sowohl gegen die Werte des Basketballs als auch gegen die Werte in unserer Gesellschaft», wurde der litauische VerbandsprĂ€sident Mindaugas Balciunas in einer Mitteilung zitiert.

Die Fiba hat den Behörden nach eigenen Angaben das «relevante Filmmaterial und die Informationen zur VerfĂŒgung gestellt». Der Weltverband kĂŒndigte zudem an, Kontakt mit der Teamdelegation der Litauer aufzunehmen, «um sie ĂŒber die Situation zu informieren und die BemĂŒhungen zur Verhinderung Ă€hnlicher VorfĂ€lle bei kĂŒnftigen Spielen zu unterstĂŒtzen», hieß es.

Trainer: Können nur dagegen kÀmpfen

Bis zu den VorfĂ€llen waren die grĂŒn gekleideten litauischen Fans die Stimmungsgaranten in Tampere - so erschien es zunĂ€chst auch beim rasanten EM-Topspiel, bei dem Deutschland sportlich seinen Medaillenanspruch zementierte. «Wenn es mal hitzig wird, ist das okay. Ich komme auch mit Beleidigungen aller Art klar. Aber AffengerĂ€usche kann ich nicht akzeptieren», stellte Schröder klar.

Von der Basketball-Gala, bei der Deutschland fast schon mĂŒhelos den dritten deutlichen Sieg bei dieser EM einfuhr, war nicht mehr groß die Rede. Auch Trainer Alan Ibrahimagic, der weiterhin den erkrankten Alex Mumbru vertritt, Ă€ußerte seine volle SolidaritĂ€t mit KapitĂ€n Schröder.

«Ich habe mitbekommen, dass Dennis sehr aufgeregt war – zu Recht. Im Sport und im Wettkampf haben solche Sachen nichts zu suchen. Wir hoffen, dass sich das legt und irgendwie gelöst werden kann. Wir können nur dagegen kĂ€mpfen», sagte Ibrahimagic. WĂ€hrend der Partie war der Zwischenfall zunĂ€chst nicht groß aufgefallen - das Ă€nderte sich, als Schröder selbst im Anschluss auf die Szenen aufmerksam machte.

Schröders Frau: «Sie sollten sich zutiefst schÀmen»

Der seit vielen Jahren in Nordamerika spielende Braunschweiger berichtet immer wieder von seiner Jugend und Kindheit und welchem Rassismus er ausgesetzt war. Seine Frau Ellen machte im Anschluss an den Vorfall aktuelle Hasskommentare öffentlich. Sie postete Screenshots mit beleidigenden und rassistischen Nachrichten und kommentierte dazu bei Instagram: «Leider sind solche Anfeindungen, gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht, allgegenwĂ€rtig.»

Schröders Frau wandte sich auch an die VerdĂ€chtigen im Publikum und verurteilte die Anfeindungen. «Es ist wirklich beschĂ€mend, wie sich einige litauische Fans meinem Ehemann gegenĂŒber mit ihren rassistischen Kommentaren verhalten haben. Sie sollten sich fĂŒr ein solches Verhalten zutiefst schĂ€men», schrieb Ellen Schröder. Sie wĂŒnschte den VerdĂ€chtigen, «ihre Eltern hĂ€tten sie besser erzogen».

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