Eishockey-WM 2027: DEB erwägt Rückgabe nach CAS-Urteil
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 15:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTurnierplanung und Visa vor offenen Entscheidungen
- Frank Lutz nannte eine Rückgabe der WM als mögliche Option für den DEB.
- Die Bundesregierung will sich zeitnah mit dem DEB über die Folgen austauschen.
- Das Auftaktspiel Deutschland gegen die Schweiz ist für den 13. Mai auf Schalke angesetzt.
Russlands Rückkehr stellt Eishockey-WM 2027 vor offene Fragen
Das CAS-Urteil zur Rückkehr russischer Nationalteams bringt die Eishockey-WM 2027 in Deutschland in Bedrängnis. Der Deutsche Eishockey-Bund erwägt deshalb sogar, das Turnier zurückzugeben.
Ausverkauftes Schalke-Spiel unter Vorbehalt
Das Mega-Freiluftspiel auf Schalke ist ausverkauft, der DEB rechnet mit einem Millionengewinn. Gut sieben Monate vor dem Turnier ist jedoch unklar, wie die von der IIHF angeordnete Zulassung Russlands praktisch umgesetzt werden soll.
DEB-Vorstandsvorsitzender Frank Lutz sagte bei MagentaSport, der Verband wolle die Weltmeisterschaft nicht infrage stellen, müsse sich aber mit der Option einer Rückgabe befassen. Der Weltverband IIHF berät am Montag über das weitere Vorgehen.
Bundesregierung kündigt Gespräche an
Die Bundesregierung bewertet die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs kritisch. Ein Regierungssprecher kündigte an, die Folgen des Urteils, auch für die WM 2027, zeitnah mit dem DEB zu besprechen.
IIHF-Präsident Franz Reindl bezeichnete die schnelle und umfassende Umsetzung des CAS-Spruchs als überraschend. Zunächst muss der Weltverband klären, wie das Teilnehmerfeld aussehen und ob der Spielplan verändert werden soll.
Visa-Frage belastet kommende Turniere
Vor der Männer-WM stehen weitere Wettbewerbe an. Bei der U20-WM über den Jahreswechsel in Kanada lässt die Regierung derzeit keine russischen Mannschaften einreisen; ein offizielles Statement liegt dem Weltverband laut Reindl bislang nicht vor.
Auch Deutschland hält eine restriktive Visumpolitik gegenüber Russland grundsätzlich aufrecht. Damit könnte die Umsetzung des Urteils an nationalen Einreiseentscheidungen scheitern oder zumindest erheblich erschwert werden.
Boykott und Streit um das Teilnehmerfeld
Einzelne Nationen könnten die WM boykottieren. Als besonders empfindlich gelten Kanada sowie einige skandinavische und osteuropäische Länder.
Der Spielplan steht bereits, darunter das deutsche Auftaktspiel gegen die Schweiz am 13. Mai auf Schalke. Sollte die IIHF am Format mit 16 Teams festhalten, könnte die Ukraine als zweiter Aufsteiger wieder aus dem Teilnehmerfeld fallen.
Das CAS-Urteil verändert die Planung der Eishockey-WM 2027 grundlegend. Russland war zuvor wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden. Der Sportgerichtshof bewertete die von der IIHF angeführten Sicherheitsbedenken jedoch als nicht ausreichend belegt und verpflichtete den Weltverband, russische Nationalteams in der Saison 2026/27 wieder zuzulassen.
Für die WM in Deutschland trifft die Entscheidung auf ein bereits festgelegtes Teilnehmerfeld. Die Ukraine soll als Aufsteiger erstmals wieder in der Top-Division antreten. Hält die IIHF am Turnierformat mit 16 Mannschaften fest, müsste daher geklärt werden, ob ein anderes Team weicht oder das Format angepasst wird. Diese Entscheidung betrifft unmittelbar den Spielplan, die Gruppen und die sportliche Vorbereitung.
Visa und Sicherheitsfragen
Zusätzliche Konflikte entstehen bei der Einreise. Kanada lässt derzeit keine russischen Mannschaften einreisen, obwohl dort über den Jahreswechsel die U20-WM stattfindet. Auch für Deutschland steht eine politische Entscheidung über Visa aus. Dadurch hängen die praktische Umsetzung des CAS-Urteils und die Organisation kommender Turniere nicht allein vom Weltverband ab.
Für den DEB geht es neben Sicherheits- und politischen Fragen auch um erhebliche wirtschaftliche Interessen. Das ausverkaufte Freiluftspiel auf Schalke und die geplante Heim-WM versprechen hohe Einnahmen. Ein Boykott einzelner Nationen oder eine Rückgabe des Turniers würde deshalb nicht nur den Spielbetrieb, sondern auch Planungssicherheit, Vermarktung und Gastgeberrolle Deutschlands berühren.
Entscheidung der IIHF erwartet
Die IIHF-Spitze muss zunächst festlegen, wie das Urteil umgesetzt und das Teilnehmerfeld organisiert wird. Erst danach können DEB, Politik und Ausrichter belastbar über Visa, Sicherheitskonzepte und mögliche Anpassungen des Turniers beraten. Für Leser und Besucher bedeutet das: Der Spieltermin am 13. Mai auf Schalke ist geplant, die Teilnahme Russlands und die endgültige Turnierkonstellation sind jedoch noch Gegenstand der weiteren Entscheidungen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Eishockey: Russland darf an WM in Deutschland teilnehmen“ (30.10.2026)
Der Beitrag hebt hervor, dass das CAS die Teilnahme Russlands an der WM 2027 grundsätzlich erlaubt habe. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf die Begründung des Urteils: Die Sicherheitsbedenken der IIHF seien nicht ausreichend bewiesen worden. Offen bleibe auch dort, wie das feststehende Teilnehmerfeld mit der Ukraine als Aufsteiger angepasst werden solle.
Frankfurter Rundschau: „DEB entsetzt: CAS erlaubt russische Eishockey-Rückkehr“ (30.10.2026)
Der Artikel stelle die ablehnende Haltung des DEB und die organisatorischen Folgen in den Mittelpunkt. Er betone zusätzlich die offenen Visa- und Einreisefragen bei Turnieren in Kanada, Tschechien und den USA. Einigkeit bestehe über die grundsätzliche Zulassung durch das CAS und den daraus entstehenden Klärungsbedarf; offen seien Teilnehmerfeld, Visa und Sicherheitsorganisation.
