Eishockey-WM 2027: DEB erwägt Rückgabe wegen Russland
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Teilnehmerfeld und Ausrichtung
- Der DEB erwägt nach dem CAS-Urteil sogar, die für Mai geplante Weltmeisterschaft zurückzugeben.
- Die IIHF berät am Montag über das weitere Vorgehen und muss zunächst das künftige Teilnehmerfeld klären.
- Das deutsche Auftaktspiel gegen die Schweiz ist für den 13. Mai auf Schalke angesetzt.
Russlands Rückkehr bringt die Heim-WM in Bedrängnis
Das CAS-Urteil zur Rückkehr russischer Eishockeyteams stellt die Weltmeisterschaft im kommenden Mai in Deutschland infrage. Der Deutsche Eishockey-Bund erwägt deshalb sogar, das Turnier zurückzugeben.
IIHF berät über die nächsten Schritte
Der Internationale Sportgerichtshof hatte am Freitag entschieden, dass russische Auswahlteams wieder an Weltmeisterschaften teilnehmen sollen. Die Spitze des Weltverbands IIHF will am Montag über die Folgen beraten.
IIHF-Präsident Franz Reindl verwies dabei auch auf die U20-WM über den Jahreswechsel in Kanada. Die kanadische Regierung lässt russische Mannschaften derzeit nicht einreisen, eine vollständige Organisation der anstehenden Turniere erscheint deshalb besonders schwierig.
Boykott einzelner Länder möglich
Kanada sowie einige skandinavische und osteuropäische Nationen könnten eine Teilnahme unter den neuen Bedingungen ablehnen. Nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die politischen und sicherheitspolitischen Vorbehalte in diesen Ländern besonders groß.
Beim DEB sind Gruppen und Spielplan bereits eingeteilt. Das deutsche Auftaktspiel gegen die Schweiz soll am 13. Mai in Gelsenkirchen auf Schalke stattfinden.
Neue Sicherheitskosten für den Gastgeber
DEB-Vorstandsvorsitzender Frank Lutz erwartet zunächst Antworten der Politik zu Visa-Fragen und von der IIHF zur Zusammensetzung des Teilnehmerfelds. Unklar ist auch, ob der Spielplan verändert werden muss und für welches Team Russland einen Platz erhalten würde.
Bei einem Festhalten am Format mit 16 Mannschaften könnte die Ukraine als zweiter Aufsteiger wieder aus dem Teilnehmerfeld fallen. Lutz bezeichnete dies als schweren Reputations- und Integritätskonflikt für den Sport. Für den DEB würden zudem zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und damit neue Kosten entstehen.
Das CAS-Urteil verändert die Planung der internationalen Eishockey-Saison 2026/27 unmittelbar. Der Weltverband IIHF hatte Russland und Belarus zuvor wegen des seit 2022 andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgeschlossen. Nun müssen die Verbände klären, wie eine Rückkehr russischer Nationalteams organisatorisch und politisch umgesetzt werden kann.
Für die deutsche WM sind die Folgen besonders groß, weil das Teilnehmerfeld bereits feststeht und die Ukraine als Aufsteiger eingeplant ist. Bei einem Festhalten am 16er-Format könnte die Aufnahme Russlands zulasten eines anderen Teams gehen. Dadurch entstünde neben der sportlichen Frage ein erheblicher politischer Konflikt.
Sicherheits- und Einreiseentscheidungen
Das CAS sah die von der IIHF angeführten Sicherheitsbedenken nicht ausreichend belegt. Für die Ausrichter bleiben sie dennoch praktisch relevant: Visa, Einreise, Schutzkonzepte und der Umgang mit möglichen Protesten müssen neu bewertet werden. Besonders schwierig ist, dass vor der Männer-WM bereits Nachwuchs- und Frauenturniere anstehen.
Kanada lässt russische Mannschaften derzeit nicht einreisen. Ob und wie nationale Regierungen ihre Vorgaben an die CAS-Entscheidung anpassen, kann deshalb die Turnierplanung ebenso beeinflussen wie ein möglicher Boykott einzelner Verbände. Für den DEB geht es neben der sportlichen Durchführung auch um zusätzliche Sicherheitskosten, Einnahmen aus der Heim-WM und die politische Verantwortung des Gastgebers.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Eishockey: Russland darf an WM in Deutschland teilnehmen“ (30.10.2026)
Der Beitrag hebt hervor, dass die russische Nationalmannschaft nach dem CAS-Urteil bei der WM 2027 in Deutschland starten darf und dass Sicherheitsbedenken als nicht ausreichend bewiesen bewertet worden seien. Im Mittelpunkt stehen die heftige Kritik des DEB und die offene Frage, wie Russland in das bereits geplante Teilnehmerfeld integriert werden könne.
Frankfurter Rundschau: „DEB entsetzt: CAS erlaubt russische Eishockey-Rückkehr“ (30.10.2026)
Der Artikel betont stärker die politischen und organisatorischen Folgen für den DEB als Gastgeber. Er stellt die Einreise- und Sicherheitsfragen sowie den Abstimmungsbedarf zwischen IIHF und nationalen Verbänden heraus. Einigkeit besteht über die grundlegend veränderte Planung; offen bleibt, wie die Turniere konkret angepasst werden.
Die Beiträge bestätigen die Rückkehrmöglichkeit russischer Teams und die Belastung für die deutsche Heim-WM. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von CAS-Begründung, Sicherheitsfragen und organisatorischen Konsequenzen.
