U21, DFB

Sieg ist Pflicht: U21 will Rassismus-Eklat trotzen

24.06.2023 - 11:16:59

Die Folgen des Rassismus-Eklats beschÀftigen die U21 weiter. Trainer Antonio Di Salvo muss sein Team gleichzeitig auf das wichtige nÀchste EM-Spiel gegen Tschechien vorbereiten. Keine leichte Aufgabe.

Viel Schlaf bekommt Antonio Di Salvo derzeit nicht. Der deutsche U21-Nationaltrainer ist nach den aufwĂŒhlenden Rassismus-VorfĂ€llen und dem sportlich enttĂ€uschenden EM-Start seiner Mannschaft doppelt gefordert: als Krisenmanager und als Fußball-Trainer.

Mit einem klaren Statement gegen Diskriminierung und Hass versuchte der Deutsche Fußball-Bund, den Schock nach der Hetze im Netz gegen die StĂŒrmer Youssoufa Moukoko und Jessic Ngankam zu ĂŒberwinden - zu viel steht im zweiten EM-Spiel gegen Tschechien am Sonntag (18.00 Uhr/Sat.1) auf dem Spiel. «Wir wollen den Fokus auf das Sportliche legen. Ich bin mir sicher, dass wir das hinbekommen», sagte Di Salvo.

Ein Sieg gegen Tschechien ist doppelt wichtig

Bleibt der Titelverteidiger nach dem 1:1 gegen Israel im zweiten Gruppenspiel erneut ohne Sieg, wĂ€re das Vorrunden-Aus bei der EM zwar noch nicht besiegelt. Die Aussichten vor dem Gruppenfinale gegen EM-Mitfavorit England wĂ€ren dann aber Ă€ußerst bescheiden. Die zwei besten Teams der Gruppe ziehen ins Viertelfinale ein, England ist mit einem 2:0 gegen Tschechien gestartet. Hinzu kommt: FĂŒr die Olympia-Qualifikation könnte auch das Abschneiden in der Gruppenphase relevant werden - hier ist die deutsche Ausgangsposition nun schon nicht mehr optimal. «Wir mĂŒssen zusehen, dass wir das Spiel gewinnen», sagte Di Salvo.

Trainer Di Salvo sieht noch «viel Arbeit»

Beim 1:1 gegen Israel machte Deutschland kein schlechtes Spiel, aber auch kein besonders gutes, wie Di Salvo zugab. Nicht nur wegen der zwei verschossenen Elfmeter von Moukoko und Ngankam war die Chancenverwertung ein großes Thema. «Wir haben noch viel Arbeit vor uns», sagte Di Salvo nach dem Auftakt-Remis. Weitere Punkte auf der MĂ€ngelliste des 44-JĂ€hrigen: PrĂ€zision und Tempo im Spiel nach vorn sowie Flanken und deren Verwertung im Strafraum. «Der Plan gegen Tschechien ist, weiterhin dominant aufzutreten, uns Chancen rauszuspielen und diese dann auch zu nutzen», sagte der Freiburger Yannik Keitel.

Der Rassismus-Eklat begleitet das Team weiter

Auch wenn der DFB das Thema vor dem Spiel gegen Tschechien fĂŒr beendet erklĂ€rte: Die rassistischen Beleidigungen gegen Moukoko und Ngankam nach deren Elfmeter-FehlschĂŒssen dĂŒrften das Team weiter begleiten und beschĂ€ftigen. «Das ist ein Paket, das musst du als Mensch erst mal verarbeiten. Vor allem als Mensch, der in seiner Entwicklung noch lange nicht fertig ist», sagte DFB-VizeprĂ€sident Ronny Zimmermann. Hinzu kommt: Bis lange in den Freitag hinein waren Di Salvo und sein Team mit der Aufarbeitung und der angemessenen Reaktion beschĂ€ftigt, an sportliche Vorbereitung war nicht zu denken.

Kein Zeichen auf dem Platz geplant

Auf ein Zeichen auf dem Platz - wie es etwa die Nationalmannschaft bei der WM in Katar mit der Mund-zu-Geste nach der Diskussion um die One-Love-Armbinde zeigte - will die U21 verzichten. «Die Mannschaft möchte sich auf das Sportliche konzentrieren», sagte Di Salvo. Innerhalb des Teams und auch nach außen gab es mit vielen klaren Statements aber UnterstĂŒtzung fĂŒr Moukoko und Ngankam. «Diese Mannschaft lĂ€sst sich nicht von rassistischen Kommentaren kleinkriegen», schrieb KapitĂ€n Yann Aurel Bisseck auf Instagram.

Multi-Kulti ist in der U21 lÀngst NormalitÀt

«Wir sind global, bunt, und es spielt keine Rolle, ob man schwarz, weiß oder gelb ist», sagte Trainer Di Salvo, dessen Eltern aus Italien stammen. Fast die HĂ€lfte der Spieler in seinem aktuellen U21-Kader hat auslĂ€ndische Wurzeln. Der DFB schrieb in seinem Statement an die Urheber der rassistischen Beleidigungen gerichtet: «Ihr werdet nie gewinnen. Denn wir sind mehr. Wir sind offen, vielfĂ€ltig, bunt und verdammt stolz darauf.»

Die möglichen Aufstellungen

Tschechien: 1 Jaros - 4 Gabriel, 2 Vitik, 3 Hranac, 12 Cedidla - 22 Kaloc, 8 Cerv - 11 Sulc, 20 Zamburek, 7 Kusej - 9 Sejk

Deutschland: 1 Atubolu – 2 Vagnoman, 5 Bisseck, 14 Matriciani, 22 Netz – 6 Krauß, 8 Keitel, 10 Stiller – 9 Schade, 11 Moukoko, 17 Weißhaupt

Schiedsrichter: Espen EskÄs (Norwegen)

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