FIFA-Reform: Europas Top-Ligen erhöhen Druck auf Gianni Infantino
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 11:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundesliga, Serie A, La Liga und Premier League haben die Führung des Fußball-Weltverbands FIFA scharf kritisiert, ohne Präsident Gianni Infantino in einem gemeinsamen Brief ausdrücklich zum Rücktritt aufzufordern.
Vorwurf eines grundlegenden Führungsproblems
In dem zweiseitigen Schreiben heißt es, die langjährigen Grundlagen des Fußballs seien durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht worden. Der FIFA-Präsident habe ausbeuterische Ideen aktiv gefördert, statt sie zu verhindern.
Unterzeichnet wurde der Brief von Marc Lenz für die Bundesliga, Javier Tebas für La Liga, Luigi De Siervo für die Serie A und Richard Masters für die Premier League. Der Titel lautet: „Um den Fußball zu vereinen, muss sich die FIFA reformieren.“
Kritik an Expansion und Kommerzialisierung
Die vier Ligen erklärten, sie erhöben als Gründungsmitglieder der Europäischen Ligen und der Weltliga-Vereinigung gemeinsam ihre Stimme. Sie kritisierten den „unerbittlichen Expansionismus“ der FIFA und verlangten mehr als oberflächliche Änderungen an den Verfahren.
Nach einem Vorstoß zur Vermarktung von WM-Rechten durch externe Investoren war Infantino im Sommer massiv unter Druck geraten. Zudem wurde sein Führungsstil kritisiert. Infantino bot daraufhin Gespräche über Reformen, eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance und Beratungen über stärkere Entscheidungsprozesse an.
Drei konkrete Forderungen
Die Ligen verlangen echte Mitsprache betroffener Interessengruppen, evidenzbasierte Entscheidungen und den Schutz der FIFA vor kommerziellen Interessen. Innerhalb von 100 Tagen soll eine unabhängige Kommission eingerichtet werden; binnen sechs Monaten soll sie einen öffentlichen Bericht vorlegen.
Infantino will die FIFA weiter anführen. Einen Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 kündigte er nicht an. Seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin fordern diesen Verzicht.
Infantino bislang ohne Gegenkandidaten
Die UEFA sowie Fußballverbände aus Nord- und Mittelamerika verfolgen seit Wochen einen harten Oppositionskurs gegen Infantino. Einen Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahl konnten sie bislang jedoch nicht benennen.
Der gemeinsame Brief nimmt auch Bezug auf die nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgenommene Rot-Sperre des Stürmers Folarin Balogun bei der Weltmeisterschaft. Eine öffentliche Rücktrittsforderung gegen Infantino formulierten die vier Ligen trotz der scharfen Kritik nicht.
Der DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hatte Infantino jüngst zum Rücktritt aufgefordert. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich entsprechend. Der spanische Liga-Chef Tebas hatte Infantinos Rücktritt bereits im August verlangt.
Machtkonflikt vor der FIFA-Wahl
Der gemeinsame Brief verschärft den Machtkampf im Weltfußball wenige Monate vor dem FIFA-Kongress im März 2027. Infantino will die FIFA weiter führen und gilt nach derzeitigem Stand als einziger Kandidat. Damit richtet sich die Kritik der vier großen Ligen nicht nur gegen einzelne Vorhaben, sondern gegen die Entscheidungsstrukturen des Verbandes.
Im Zentrum stehen die Vermarktung von WM-Rechten durch externe Investoren, die aus Sicht der Kritiker zu weit reichende Kommerzialisierung des Fußballs und die Konzentration von Einfluss beim FIFA-Präsidenten. Hinzu kommt der Streit über die Rücknahme einer Rot-Sperre des englischen Stürmers Folarin Balogun nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump. Beide Vorgänge nähren die Debatte über Transparenz, Zuständigkeiten und politische Einflussnahme.
Was die Forderungen bedeuten
Die verlangte unabhängige Kommission soll innerhalb von 100 Tagen eingerichtet werden; binnen sechs Monaten soll ein öffentlicher Bericht folgen. Für die Ligen geht es damit um überprüfbare Änderungen und nicht allein um Gespräche oder interne Verfahren. Leser und Fans könnten vor allem an den Folgen für Wettbewerbe, Spielkalender, Vermarktung und die Unabhängigkeit sportlicher Entscheidungen interessiert sein.
Politisch bleibt die Lage offen, weil die europäischen Verbände zwar Druck ausüben, bislang aber keinen Gegenkandidaten präsentieren können. Der Brief erhöht deshalb den Reformdruck, verändert die formale Ausgangslage der Wahl jedoch zunächst nicht.
