FIFA-Reformen: Infantino bietet Kritikern GesprÀche an
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 06:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino schlĂ€gt im Machtkampf des Weltverbandes einen versöhnlicheren Ton an und kĂŒndigt eine PrĂŒfung der FĂŒhrungsstrukturen an.
Externe PrĂŒfung und GesprĂ€che geplant
In einem Brief an die PrĂ€sidenten der 211 nationalen FuĂballverbĂ€nde und die Mitglieder des FIFA-Councils rĂ€umt der Schweizer Fehler und MissverstĂ€ndnisse beim geplanten, inzwischen geplatzten Investorendeal fĂŒr die WM-Rechte ein. Zugleich betont er, der Deal hĂ€tte die Kontrolle der FIFA ĂŒber sportliche Entscheidungen nicht aufgegeben.
Infantino schlĂ€gt eine externe Kommission vor, die die AblĂ€ufe bei groĂen Projekten untersuchen soll. AuĂerdem will er interne und externe FuĂball-Institutionen dazu befragen, wie der Weltverband kĂŒnftig gefĂŒhrt und Entscheidungsprozesse verbessert werden können.
Konkretes Reformmodell fehlt noch
Der Brief enthĂ€lt zunĂ€chst keine konkreten VorschlĂ€ge fĂŒr eine Neuordnung. Infantino stellt sich als Initiator eines möglichen Dialogs dar und erklĂ€rt, die Debatte solle unterschiedliche Modelle offen prĂŒfen. Auch die Arbeit und Rolle des PrĂ€sidenten sollen dabei einbezogen werden.
Gegner verlangen mehr
Die Kritiker um UEFA-PrÀsident Aleksandar Ceferin und DFB-Chef Bernd Neuendorf wollen sich mit Konsultationen voraussichtlich nicht zufriedengeben. Sie fordern einen politischen Wechsel an der FIFA-Spitze. Infantinos Vorstoà zwingt sie zugleich, ihre nÀchsten Schritte und einen gemeinsamen Gegenkandidaten abzustimmen.
FIFA-Council berÀt am 15. Oktober
Ein wichtiger Termin ist die Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober in ZĂŒrich. EndgĂŒltige Entscheidungen werden dort zunĂ€chst nicht erwartet. Die UEFA-Fraktion könnte zudem einen eigenen Krisengipfel mit VerbĂŒndeten aus Nord- und Mittelamerika anstreben.
Infantino bleibt in starker Position
UnterstĂŒtzung erhĂ€lt der FIFA-PrĂ€sident weiterhin vor allem aus Afrika, Asien und SĂŒdamerika. Das könnte ihm bei der Wahl die notwendige Mehrheit sichern. Seine Gegner mĂŒssen bis zum 18. November einen Kandidaten aufstellen; drei Monate spĂ€ter soll in Marokko gewĂ€hlt werden.
Reformangebot im Schatten des Machtkampfs
Gianni Infantinos Brief fĂ€llt in eine Phase, in der die FĂŒhrungsstruktur der FIFA selbst zum zentralen Konfliktthema geworden ist. Der PrĂ€sident verbindet die angekĂŒndigte externe PrĂŒfung groĂer Projekte mit einem Konsultationsprozess ĂŒber Entscheidungswege und die Rolle des PrĂ€sidenten. Damit reagiert er politisch auf die Kritik am geplanten Verkauf von WM-Rechten an US-Investoren, ohne seine bisherige Linie grundsĂ€tzlich aufzugeben.
Entscheidend ist, dass das Schreiben zunĂ€chst einen Prozess eröffnet, aber kein konkretes Reformmodell vorlegt. Eine externe Kommission könnte Transparenz schaffen, ihre Wirkung hinge jedoch davon ab, wer sie einsetzt, welches Mandat sie erhĂ€lt und ob ihre Ergebnisse veröffentlicht werden. Auch GesprĂ€che mit internen und externen Institutionen ersetzen keine verbindlichen Ănderungen an ZustĂ€ndigkeiten und Kontrollmechanismen.
Termine erhöhen den Druck
Der 15. Oktober wird damit zum ersten wichtigen PrĂŒfpunkt: Im FIFA-Council treffen die unterschiedlichen Lager aufeinander. Bis zum 18. November mĂŒssen die Gegner einen PrĂ€sidentschaftskandidaten benennen. FĂŒr sie geht es deshalb nicht nur um die Bewertung des Reformangebots, sondern auch um Zeit, Geschlossenheit und eine glaubwĂŒrdige personelle Alternative.
FĂŒr FuĂballverbĂ€nde und Fans ist der Streit relevant, weil Entscheidungen ĂŒber WM-Rechte, Turnierprojekte und die Verteilung wirtschaftlicher Erlöse weltweit wirken. Ob Infantinos VorstoĂ zu mehr Kontrolle fĂŒhrt oder vor allem den Wahlkampf verlĂ€ngert, wird sich an den konkreten Regeln, dem Verfahren der Kommission und der Bereitschaft zu ĂŒberprĂŒfbaren ZugestĂ€ndnissen zeigen.
