FIFA: Topligen attackieren Infantino als „ausbeuterisch“
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 10:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesliga, La Liga, Serie A und Premier League haben FIFA-Präsident Gianni Infantino in einem gemeinsamen Brief scharf kritisiert und Reformen der Führung des Weltverbands verlangt.
Vier Topligen greifen Infantino an
Die vier einflussreichsten Ligen Europas erklärten, die Grundlagen des Fußballs seien in den vergangenen Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht worden. Der FIFA-Präsident habe ausbeuterische Ideen aktiv gefördert, anstatt sie zu verhindern.
Den zweiseitigen Brief unterzeichneten die Ligabosse Marc Lenz aus Deutschland, Javier Tebas aus Spanien, Luigi De Siervo aus Italien und Richard Masters aus England. Eine ausdrückliche Rücktrittsforderung an Infantino enthält der Vorstoß nicht.
Streit um Reformen und WM-Rechte
Infantino war im Sommer nach einem Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren massiv unter Druck geraten. Auch sein Führungsstil ist in Teilen der Fußballwelt scharf kritisiert worden.
Der FIFA-Präsident bot seinen Gegnern zuletzt erstmals Gespräche über mögliche Reformen an. Er kündigte eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance und Beratungen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschließlich der Rolle des Präsidenten.
Infantino will FIFA weiter führen
Gleichzeitig machte der 56-Jährige deutlich, dass er die FIFA weiter anführen will. Einen Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim FIFA-Kongress im März 2027 stellte er nicht in Aussicht.
Seine Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin fordern einen solchen Verzicht. Mit dem gemeinsamen Brief der vier europäischen Topligen wächst der Druck auf Infantino nun auch aus dem Kreis der mächtigsten nationalen Wettbewerbe.
Einigkeit der Ligen erhöht den Druck
Der gemeinsame Brief von Bundesliga, Premier League, La Liga und Serie A markiert eine ungewöhnlich breite Front der wichtigsten nationalen Fußballmärkte Europas. Die Ligen vertreten nicht nur sportliche Interessen, sondern auch zentrale wirtschaftliche Akteure mit erheblichen Einnahmen aus Medienrechten, Sponsoring und Spielbetrieb.
Im Zentrum steht die Frage, wie Entscheidungen im Weltverband zustande kommen und welche Rolle der Präsident dabei einnimmt. Infantinos angekündigte externe Überprüfung der FIFA-Governance und Gespräche über Reformen reagieren auf diesen Konflikt, ändern aber zunächst nichts daran, dass er an einer weiteren Amtszeit festhält.
WM-Rechte als Auslöser des Konflikts
Auslöser des jüngsten Machtkampfs war der Vorstoß, Investoren stärker an der Vermarktung von WM-Rechten zu beteiligen. Kritiker befürchten, dass solche Modelle die Kontrolle über zentrale Einnahmequellen des Fußballs verschieben könnten. Für die europäischen Ligen geht es damit zugleich um Mitsprache, wirtschaftliche Planungssicherheit und die Abgrenzung ihrer Zuständigkeiten.
Entscheidend sind die nächsten Gespräche
Die Auseinandersetzung dürfte sich vor dem FIFA-Kongress im März 2027 zuspitzen. Ob die angekündigten Konsultationen zu verbindlichen Änderungen führen, hängt davon ab, wie stark die Ligen und Verbände ihre Forderungen koordinieren. Für Clubs und Fans sind vor allem mögliche Folgen für Spielkalender, Wettbewerbsformate, Vermarktung und die Verteilung internationaler Einnahmen relevant.
