HĂŒrzeler, Walter

HĂŒrzeler gegen Walter: Das Stadtderby als Trainer-Duell

30.11.2023 - 14:16:34 | dpa.de

Im Hamburger Zweitliga-Stadtderby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV treffen die unterschiedlichen Trainer-Typen Fabian HĂŒrzeler und Tim Walter aufeinander. Kein spannungsarmes VerhĂ€ltnis.

Treffen im Hamburger Stadtderby aufeinander; Pauli-Coach Fabian HĂŒrzeler (r) und HSV-Trainer Tim Walter. - Foto: Christian Charisius/dpa
Treffen im Hamburger Stadtderby aufeinander; Pauli-Coach Fabian HĂŒrzeler (r) und HSV-Trainer Tim Walter. - Foto: Christian Charisius/dpa

Freunde werden Fabian HĂŒrzeler und Tim Walter in diesem Leben wohl nicht mehr. Daraus machen der Trainer des FC St. Pauli und dessen Kollege vom Hamburger SV vor dem Stadtderby in der 2. Fußball-Bundesliga keinen Hehl.

Er habe nicht nur Respekt vor Walter aufgrund seiner Persönlichkeit, «sondern auch aufgrund seiner Arbeit», sagte der 30-jĂ€hrige HĂŒrzeler vor dem Ligaspiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky). Zugleich betonte er: «Es ist natĂŒrlich keine Freundschaft. Daraus muss ich kein Geheimnis machen.»

Der 18 Jahre Ă€ltere Walter meinte dazu: «Das kann ich bestĂ€tigen.» Ereignisse wie in der Regionalliga Bayern vor sechs Jahren, als HĂŒrzeler als Spielertrainer des FC Pipinsried mit Walter als Trainer des FC Bayern MĂŒnchen II aneinandergerieten, oder das Aufeinandertreffen der beiden Alpha-Tiere im letzten Stadtderby im April im Volksparkstadion (4:3 fĂŒr den HSV) förderten ein inniges VerhĂ€ltnis der beiden nicht.

Walter sprach vor der 110. Auflage der «Königsklasse der Derbys» aber ebenfalls vom Respekt vor der Arbeit des Stadtrivalen und vor allem von HĂŒrzeler. «Ich finde, dass er das in seinem Alter entsprechend gut macht», sagte er. 

Mit HĂŒrzeler ging es fĂŒr den FC St. Pauli nur bergauf

Wobei letztere Aussage eine Untertreibung ist: Seit Walters junger Kollege vor knapp einem Jahr vom Assistenz- zum Cheftrainer befördert wurde, ging es mit der Mannschaft des FC St. Pauli nur bergauf - bis an die Tabellenspitze. In 31 Ligaspielen holte der Nachfolger von Club-Ikone Timo Schultz 21 Siege und kassierte nur zwei Niederlagen. Die letzte im April im wilden 109. Stadtderby. 

Der FC St. Pauli pendelte viele Jahre zwischen oberem Tabellendrittel und Abstiegszone. Jetzt wird die Mannschaft von Experten als beste in der 2. Bundesliga gelobt. In elf Monaten hat HĂŒrzeler ein stabiles Gebilde gebaut. AusschlĂ€ge nach unten wie beim HSV gab es nicht.

«Der FC St. Pauli hat unter HĂŒrzeler eine super Entwicklung genommen», meinte Willi Reimann, der einst den Kiezclub und den HSV trainierte. «Das ist kein Lauf, sondern das hat einen Plan, ein Fundament. FĂŒr so einen jungen Trainer ist das außergewöhnlich, das muss man einfach so sagen.»

HĂŒrzeler hat die Mannschaft auf ein anderes Level gehoben. Mittelfeld-DauerlĂ€ufer Marcel Hartel oder StĂŒrmer Johannes Eggestein stehen beispielhaft dafĂŒr. «Man kann gar nicht sagen, dass wir eine erste und zweite Reihe haben. Wir sind mittlerweile auf einem Niveau. Da kann jeder spielen», meinte Eggestein vor einigen Wochen. Es herrsche «ein positiver Konkurrenzkampf». 

Ein Arbeiterverein zelebriert Fußball-Kunst

HĂŒrzeler hat dem Arbeiterverein Fußball-Kunst beigebracht und behĂ€lt dennoch als einer der wenigen einen kritisch-nĂŒchternen Blick. «Mir sind Werte wie Demut und Bescheidenheit sehr, sehr wichtig», sagt der Sohn eines Schweizer Zahnarztes und einer Deutschen.

Er habe in seinem ersten Jahr als Cheftrainer «sehr viel gelernt, und das in allen unterschiedlichen Bereichen». So habe er gelernt, dass er nicht alle Spieler gleich behandeln könne, «sondern sie als individuelle Menschen betrachten muss». Es sei wichtig, «dass du zuhörst». Er mĂŒsse als Vorbild vorangehen, um die Leute hinter sich zu bringen und ihnen eine WertschĂ€tzung zu geben.

Walter hat mit dem HSV das große Ziel bisher nicht erreicht  

In einem Punkt ist sein Kollege Walter ihm aber voraus: Eine Krise hat HĂŒrzeler bislang nicht erlebt. Walter musste in den zweieinhalb Jahren als HSV-Trainer schon einige Mal Tiefs moderieren. FĂŒr ihn spricht: Er schaffte jedes Mal den Weg daraus. Die RĂŒckkehr in die Bundesliga gelang ihm bis jetzt nicht - obwohl der Kader des HSV vor jeder Saison als der stĂ€rkste genannt wird. Bislang sind zwei dritte PlĂ€tze und das jeweilige Scheitern in der Relegation herausgesprungen.  

In dieser Saison muss Walter oft genug erklĂ€ren, warum seine Mannschaft zu Hause die makellose Bilanz von sieben Siegen in sieben Heimspielen aufweist, aber auswĂ€rts nicht annĂ€hernd das Niveau erreicht. Da passiert es schon mal, dass er bei Pressekonferenzen bei ihm nicht genehmen Fragen gereizt reagiert. Trotz der AuswĂ€rtsschwĂ€che sind Walter und sein Ensemble Tabellenzweiter - eine Platzierung, die 16 seiner Zweitliga-Trainerkollegen vor dem 15. Spieltag gern nehmen wĂŒrden. 

Das Spiel am Freitag im vom Volkspark sieben Kilometer entfernten Millerntorstadion ist fĂŒr Walter kein AuswĂ€rtsspiel. «Wenn wir in Hamburg spielen, geht es nicht darum, von einem AuswĂ€rtsspiel zu reden, sondern von einem Derby», sagte Walter. «Und da ist einfach nur wichtig, dass man Emotionen und Willen zeigt - und trotzdem einen kĂŒhlen Kopf bewahrt.»

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
sport | 64320111 |