Gianni Infantino, Hans-Joachim Watzke

Infantino vor FIFA-Wahl unter Druck: Watzke bekrÀftigt deutschen Kurs

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor dem Treffen der 55 UEFA-VerbĂ€nde in Berlin bekrĂ€ftigt DFB-VizeprĂ€sident Hans-Joachim Watzke den deutschen Widerstand gegen FIFA-Chef Gianni Infantino. Die europĂ€ischen VerbĂ€nde suchen nach einem Gegenkandidaten fĂŒr die Wahl im MĂ€rz 2027.

Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke (r) sprechen sich gegen Gianni Infantino aus. (Archivbild) - Bild: Tom Weller/dpa
Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke (r) sprechen sich gegen Gianni Infantino aus. (Archivbild) - Bild: Tom Weller/dpa

DFB-VizeprĂ€sident Hans-Joachim Watzke hat kurz vor dem Treffen der europĂ€ischen FußballverbĂ€nde in Berlin den deutschen Konfrontationskurs gegen FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino bekrĂ€ftigt.

Watzke verweist auf mehrere Streitpunkte

„Ich bin kein Papagei, ich habe es die letzten Wochen oft genug gesagt“, sagte Watzke in Berlin. Im Sommer seien „so viele Fehler passiert“, nannte er den FIFA-Friedenspreis fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump, das Thema um den US-StĂŒrmer Folarin Balogun und den Gipfel zur Investorengeschichte.

Watzke verwies auf eine klare Haltung im Deutschen Fußball-Bund und auf DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf. Dieser hatte dem „Tagesspiegel“ gesagt: „Wir mĂŒssen ihn vom Platz stellen.“ Infantino sei als FIFA-Chef nicht mehr tragbar und habe dem Fußball sehr geschadet.

UEFA berĂ€t in Berlin ĂŒber weiteres Vorgehen

In Berlin treffen sich die Spitze der EuropĂ€ischen Fußball-Union UEFA sowie die PrĂ€sidenten und GeneralsekretĂ€re der 55 UEFA-MitgliedsverbĂ€nde. Auf der Tagesordnung steht das weitere Vorgehen im Machtkampf mit Infantino.

Der FIFA-PrĂ€sident war nach einem letztlich gescheiterten Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck geraten. Auch sein FĂŒhrungsstil wird von Teilen der Fußballwelt scharf kritisiert. Infantino reagierte mit dem Angebot von GesprĂ€chen ĂŒber mögliche Reformen in der FIFA.

Wahl im MĂ€rz 2027

Der 56-JĂ€hrige fĂŒhrt den Weltverband seit 2016 und strebt beim FIFA-Kongress im MĂ€rz 2027 im marokkanischen Rabat eine vierte Amtszeit an. VerbĂ€nde aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik und Teile Asiens haben sich gegen ihn gestellt.

Einen Gegenkandidaten gibt es aktuell nicht. Die Opposition hat bis zum Ende des 18. November Zeit, einen Bewerber zu benennen. Als möglicher Kandidat gilt Concacaf-PrĂ€sident Victor Montagliani aus Kanada. Auch UEFA-PrĂ€sident Aleksander Ceferin und Nasser al-Khelaifi, der katarische Chef von Paris Saint-Germain, wurden öffentlich gehandelt, haben Ambitionen aber mehrfach zurĂŒckgewiesen.

Europas Einfluss auf die FIFA

Der Konflikt reicht ĂŒber eine persönliche Auseinandersetzung hinaus. Europas VerbĂ€nde stellen die Frage, wie stark die FIFA-Spitze Entscheidungen ĂŒber Vermarktung, Governance und sportpolitische Themen zentral steuern darf. Der DFB verbindet seine Kritik mit konkreten VorgĂ€ngen des Sommers und mit dem Vorwurf eines FĂŒhrungsstils, der Vertrauen verspielt habe.

FĂŒr die europĂ€ische Fußballpolitik ist das Berliner Treffen deshalb vor allem ein Test der Geschlossenheit. Die UEFA verfĂŒgt ĂŒber erhebliches sportliches und wirtschaftliches Gewicht, kann einen FIFA-PrĂ€sidenten aber nicht allein absetzen. Entscheidend ist, ob sie einen Kandidaten findet, der auch außerhalb Europas UnterstĂŒtzung erhĂ€lt. Als möglicher Bewerber wird in diesem Zusammenhang der frĂŒhere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega genannt; fĂŒr eine offizielle Kandidatur muss er jedoch die erforderlichen VerbandsunterstĂŒtzer gewinnen.

Was bis zur Wahl zÀhlt

Die FIFA-Wahl im MĂ€rz 2027 in Rabat wird durch die Frist am 18. November 2026 konkret. Bis dahin muss die Opposition aus Europa, Concacaf und Teilen Asiens aus politischer Ablehnung einen wĂ€hlbaren Gegenentwurf machen. FĂŒr Fußballfans bleibt der Streit relevant, weil Entscheidungen ĂŒber Weltmeisterschaften, kommerzielle Partnerschaften und Verbandsreformen unmittelbar den internationalen Spielbetrieb prĂ€gen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Machtkampf im Weltfußball: Schweizer Ex-Profi will Infantino herausfordern“ (07.10.2026)

Der Bericht hebe hervor, Ramon Vega habe als erster öffentlich erklĂ€rter möglicher Gegenkandidat Ambitionen auf das FIFA-PrĂ€sidentenamt erkennen lassen und mĂŒsse dafĂŒr UnterstĂŒtzer von mindestens fĂŒnf MitgliedsverbĂ€nden gewinnen. Zugleich bestĂ€tige der Artikel das Berliner Treffen der 55 UEFA-VerbĂ€nde und setze den Schwerpunkt auf die organisatorischen HĂŒrden einer Kandidatur; offen bleibe, ob Vega genĂŒgend RĂŒckhalt erhalte.

n-tv: „Lionel Messi hat's endgĂŒltig geschafft, Cristiano Ronaldo sorgt fĂŒr Riesenwirbel: Der Sport-Tag am Mittwoch, den 7. Oktober 2026“ (07.10.2026)

Der Beitrag berichte ebenfalls ĂŒber Vegas angekĂŒndigte Kandidatur und stelle heraus, dass er Infantino bereits frĂŒher erfolglos habe herausfordern wollen. Anders als der Tagesspiegel ordne n-tv die Personalie in eine Sportnachrichten-Übersicht ein und betone, dass die UEFA in Berlin einen mehrheitsfĂ€higen Kandidaten suche; die UnterstĂŒtzung fĂŒr Vega bleibe offen.

Beide Berichte bestÀtigten damit den Machtkampf und das Berliner Treffen, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der Tagesspiegel erlÀutere vor allem die formalen Voraussetzungen, n-tv die aktuelle Kandidatensuche und Vegas Vorgeschichte.

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