Hertha-PrÀsident Bernstein stirbt mit 43 Jahren
16.01.2024 - 14:36:24 | dpa.deDer unerwartete Tod von PrĂ€sident Kay Bernstein hat Hertha BSC in einen Schockzustand versetzt und ĂŒber den deutschen FuĂball hinaus fĂŒr groĂe Trauer gesorgt. Der Clubchef ist im Alter von nur 43 Jahren gestorben, wie die Berliner mitteilten.
Zu Ehren von Bernstein wurde das Olympiastadion am Dienstagabend in Herthas Vereinsfarben beleuchtet. Vor den Toren der HeimspielstĂ€tte des Hauptstadtclubs zĂŒndeten Fans Kerzen an und legten Blumen nieder.Â
«Der gesamte Verein, seine Gremien und Mitarbeitenden sind fassungslos und zutiefst bestĂŒrzt», schrieb der Zweitligist. Man bitte darum, die PrivatsphĂ€re der Familie nach diesem schrecklichen Ereignis zu respektieren. Weitere Angaben machten die Berliner nicht. Noch am Wochenende hatte der PrĂ€sident die Mannschaft im Trainingslager in Spanien besucht.
GroĂe Anteilnahme
In ganz FuĂball-Deutschland gab es groĂe Anteilnahme. «Ich bin wirklich tief erschĂŒttert und bestĂŒrzt», sagte DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf am Rande des Neujahrsempfangs der Deutschen FuĂball Liga in Frankfurt/Main. Er beschrieb Bernstein als Â«ĂŒberaus freundlich, kritisch, aber zugewandt und immer an der Sache orientiert».Â
Die Vertreter der Proficlubs hielten im Frankfurter Palmengarten fĂŒr Bernstein und fĂŒr die am 7. Januar gestorbene FuĂball-Legende Franz Beckenbauer jeweils eine Schweigeminute ab. Er sei Bernstein «seit einigen Jahren persönlich und freundschaftlich verbunden», sagte DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke und sprach von einer unfassbaren Tragik.
Dirk Zingler, PrĂ€sident vom Stadtrivalen 1. FC Union Berlin, wandte sich in einem Brief an Hertha: «Kay Bernstein hat in seiner leider viel zu kurzen Amtszeit bei Hertha BSC bereits prĂ€gende Spuren hinterlassen. Die furchtbare Nachricht von seinem Tod war auch fĂŒr uns Unioner ein Schock, und wir teilen den Schmerz und die Trauer der Hertha-Familie».
Auch aus der Politik gab es viele Reaktionen. «Mit seinem Berliner Weg ist es ihm gerade erst gelungen, Fans und Verein wieder zu vereinen. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und Freunden in diesen schweren Stunden», schrieb Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner, der selbst groĂer AnhĂ€nger der Hertha ist.
Wahl als Ohrfeige fĂŒr das Establishment
Bernstein war beim organisierten Teil des Hertha-Anhangs besonders beliebt. Er war in seiner Jugend selbst Ultra und VorsĂ€nger in der Kurve. Mit von ihm vorangetriebenen karitativen Engagement sorgten die Fans auch bundesweit fĂŒr Aufsehen.Â
Danach baute der in seiner Jugend von Dresden nach Berlin-Marzahn gezogene Bernstein eine Event- und Kommunikationsagentur auf. Auch im Stadion wechselte er den Platz: von der Ostkurve auf die HaupttribĂŒne. Als sich das Ende der immer bleischwerer gewordenen Ăra von VorgĂ€nger Werner Gegenbauer abzeichnete, kĂŒndigte Bernstein seine Kandidatur an. «Wir waren auf dem besten Weg dahin, den Leuten egal zu werden», sagte er der dpa Ende 2022 in einem Interview. «Und das war etwas, was ich nicht zulassen konnte, weil es mir das Herz gebrochen hat.»
Dass er im Sommer 2022 tatsĂ€chlich gewĂ€hlt wurde, war auch eine klatschende Ohrfeige fĂŒr das Hertha-Establishment, das in Teilen unverhohlen seinen Gegenkandidaten Frank Steffel durchboxen wollte. Die öffentlichen Zweifel, ob er dem Amt gewachsen war, waren groĂ.
Bernstein stĂŒrzte sich mit voller Kraft in die Aufgabe. «Fulltime und dazu herausfordernd», sagte er. Er machte den Club und das Amt wieder nahbarer. Nicht nur mit seiner allgegenwĂ€rtigen Hertha-Trainingsjacke, sondern auch mit seiner offenen Art. Dazu trat er als Kritiker der AuswĂŒchse des modernen FuĂballs in Erscheinung.
Stimmung deutlich verbessert
An Krisen mangelte es nicht. Die Verbindung mit dem unbeliebten Investoren Lars Windhorst endete mit einem groĂen Eklat. Die US-Investmentfirma 777 Partners ĂŒbernahm dessen Anteile und brachte dem Club dringend benötigtes Geld. Hertha stieg zum siebten Mal aus der Bundesliga ab und musste wochenlang um die Lizenz bangen.Â
Trotzdem gelang es Bernstein und seinen UnterstĂŒtzern, die Stimmung um den Verein deutlich zu verbessern. Zwischen Fans und Mannschaft entstand ein Band, das auch Misserfolge aushielt. Zahlreiche Hertha-Legenden wie Pal Dardai und Zecke Neuendorf kehrten zurĂŒck.Â
Nach einem schwachen Start in die Zweitligasaison fruchtete der auch aus finanziellen EngpĂ€ssen ausgerufene Berliner Weg, mit viel Fokus auf Talente aus der eigenen Jugend, zum Ende der Hinrunde immer mehr. Die Mitgliederversammlung im Oktober verpasste Bernstein nach einem Unfall auf der GeschĂ€ftsstelle und lieĂ sich per Video aus dem Krankenhaus zuschalten. Nach einer Pause trat er wieder in der Ăffentlichkeit auf.
Als PrĂ€sident freute er sich besonders ĂŒber den gestiegenen Zusammenhalt im Verein. «Es ist so viel an wunderbarer karitativer Kraft da drauĂen. Das wollen wir noch mehr unterstĂŒtzen», sagte er. Bei der Hertha hinterlĂ€sst die Identifikationsfigur eine groĂe LĂŒcke.
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