Portugal mit Jorge Jesus und Cristiano Ronaldo: Neuer Trainer, alter Plan vor der WM 2030
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 08:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPortugal beginnt die neue Ăra unter dem 72-jĂ€hrigen Nationaltrainer Jorge Jesus weiterhin mit dem 41-jĂ€hrigen Cristiano Ronaldo als prĂ€gender Figur.
Neustart mit vertrauten Gesichtern
Der Titelverteidiger der Nations League kam knapp drei Monate nach dem enttÀuschenden WM-Aus gegen Spanien erstmals wieder zusammen. Zum Auftakt steht an diesem Donnerstag um 20.45 Uhr das Nations-League-Spiel gegen Wales an, am Sonntag folgt in Norwegen das Duell zwischen Erling Haaland und Ronaldo.
Jesus und Ronaldo sind zusammen 113 Jahre alt. Obwohl Portugal 2030 Co-Gastgeber der Weltmeisterschaft ist und damit ein Neuaufbau naheliegen könnte, setzt die Auswahl zunÀchst auf die Erfahrung ihres neuen Trainers und ihres Rekordspielers.
Kritik an Ronaldos DauerprÀsenz
Der von Jesus zurĂŒckgeholte Fabio Silva von Borussia Dortmund bezeichnete Ronaldo als Idol und erklĂ€rte, es sei eine Freude, von ihm zu lernen. Gleichzeitig wĂ€chst in Portugal das UnverstĂ€ndnis darĂŒber, dass der 41-JĂ€hrige weiterhin regelmĂ€Ăig fĂŒr die Nationalmannschaft nominiert wird.
Portugals Sportzeitung âA Bolaâ kritisierte, Dankbarkeit rechtfertige weder eine zwingende Nominierung noch einen Stammplatz. Ronaldo spielt seit 2023 fĂŒr den saudi-arabischen Club Al-Nassr, bei dem Jesus in der vergangenen Saison sein Trainer war.
1000 Tore als persönliches Ziel
Ronaldo hat 233 LĂ€nderspiele und sechs WM- sowie sechs EM-Teilnahmen absolviert. Als möglicher Grund fĂŒr seine Fortsetzung gilt neben dem VerhĂ€ltnis zu Jesus das Ziel, die Marke von 1000 Toren fĂŒr Club und Nationalmannschaft zu erreichen; derzeit steht er bei 979 Treffern.
Jesus erwartet, dass Ronaldo dieses Ziel eher bei Al-Nassr als in der Nationalmannschaft erreicht. Zugleich betont der neue Coach, Ronaldo werde wie jeder andere Spieler behandelt: Gute Leistungen fĂŒhrten zum Einsatz, schwache Leistungen nicht.
Palhinha kehrt zurĂŒck
Jesus ist bereits der sechste Nationaltrainer seit Ronaldos DebĂŒt 2003 gegen Kasachstan. Der 72-JĂ€hrige arbeitet seit 36 Jahren als Profitrainer und gewann Titel in Portugal, Brasilien, der TĂŒrkei und Saudi-Arabien. Die Nationalmannschaft bezeichnete er als âSahnehĂ€ubchenâ seiner Karriere.
Portugal gilt gemessen an seiner Bevölkerung von rund elf Millionen Menschen als besonders erfolgreicher Exporteur von SpitzenfuĂballern. Vier Talente wechselten seit 2025 fĂŒr zusammen rund 150 Millionen Euro nach England oder Italien, spielen vorerst aber nur in der U21. Jesus berief stattdessen den 31-jĂ€hrigen JoĂŁo Palhinha von Benfica Lissabon zurĂŒck, den der FC Bayern MĂŒnchen in diesem Sommer abgeben wollte.
Zwischen Nations League und Heim-WM
Portugal steht vor einem ungewöhnlichen Ăbergang. Die Weltmeisterschaft 2030 findet unter anderem auf der Iberischen Halbinsel statt, wodurch die Auswahl als Co-Gastgeber automatisch langfristig planen kann. Ein klassischer Neuaufbau wĂ€re naheliegend, doch der Verband setzt zunĂ€chst auf Erfahrung: Jorge Jesus soll die Mannschaft fĂŒhren, Cristiano Ronaldo bleibt ihr prominentestes Gesicht.
Die Entscheidung verbindet sportliche Sofortziele mit groĂer Symbolik. Ronaldo verkörpert die erfolgreichste Generation des portugiesischen FuĂballs, zugleich nimmt seine Rolle mit zunehmendem Alter zwangslĂ€ufig Fragen nach Einsatzzeiten, Belastungssteuerung und Hierarchie auf. Dass Jesus und Ronaldo bereits bei Al-Nassr zusammengearbeitet haben, schafft Vertrautheit, erhöht aber auch die öffentliche Aufmerksamkeit fĂŒr jede Entscheidung des Trainers.
Erfahrung gegen Talent
Portugal verfĂŒgt trotz der alternden Leitfiguren ĂŒber einen groĂen Nachwuchspool. Junge Spieler wechseln frĂŒh zu finanzstarken Vereinen in England oder Italien, wĂ€hrend etablierte Nationalspieler wie JoĂŁo Palhinha fĂŒr StabilitĂ€t sorgen sollen. Die zentrale Aufgabe besteht darin, beide Gruppen rechtzeitig zu verbinden.
Die Spiele gegen Wales und Norwegen liefern dafĂŒr erste Anhaltspunkte. Im Mittelpunkt steht weniger ein einzelner Sieg als die Frage, ob Portugal den Generationenwechsel schrittweise organisieren kann, ohne die Erfahrung von Ronaldo und anderen Routiniers vorschnell aufzugeben.
