Entsetzen, Attacken

Entsetzen nach Attacken auf israelische Fans in Amsterdam

08.11.2024 - 16:15:39

PropalÀstinensische Randalierer attackieren AnhÀnger von Maccabi Tel Aviv. Mehrere Menschen werden verletzt. Israel und die Niederlande sind geschockt. Amsterdam erlebt eine «tiefschwarze Nacht».

Die Attacken von propalĂ€stinensischen Randalierern auf israelische Fußballfans in Amsterdam haben international Entsetzen und Empörung ausgelöst. Die vorwiegend jugendlichen TĂ€ter sollen nach Angaben der Behörden aktiv Jagd auf die Israelis gemacht haben, die zuvor das Spiel in der Europa League von Ajax Amsterdam gegen Maccabi Tel Aviv besucht hatten. 

Israels Außenminister Gideon Saar traf am Nachmittag in Amsterdam ein, um dort mit Vertretern der niederlĂ€ndischen Regierung zu sprechen. Der niederlĂ€ndische MinisterprĂ€sident Dick Schoof brach seinen Aufenthalt in Budapest bei einem EU-Gipfel ab. 

Die Gewalt löste in Israel empörte Reaktionen aus. Politiker sprachen von einer Jagd auf Juden. Die israelische Regierung wollte zwei Flugzeuge schicken, um Maccabi-AnhÀnger abzuholen. Auch niederlÀndische Politiker waren entsetzt. 

Bei den Angriffen waren 20 bis 30 Menschen nach Angaben der Behörden verletzt worden, die meisten davon leicht. FĂŒnf Personen wurden in KrankenhĂ€usern behandelt, aber am Freitag wieder entlassen. Das Außenministerium Israels hat nach eigenen Angaben inzwischen alle Israelis in der niederlĂ€ndischen Hauptstadt erreicht. Zuvor galten drei BĂŒrger als vermisst. 

Behörden gehen von gezielten Angriffen aus

Die Unruhestifter seien «aktiv auf die Suche gegangen nach israelischen Fans, um sie anzugreifen und zu misshandeln», heißt es in einer ErklĂ€rung der Stadt und der Polizei. 

Die Amsterdamer BĂŒrgermeisterin Femke Halsema sprach von einem «tiefschwarzen Nacht» und einer «Schande fĂŒr Amsterdam». «An mehreren Stellen in der Stadt wurden Fans belagert, misshandelt und mit Feuerwerkkörpern beworfen», sagte Halsema. Sie verurteilte dieses «antisemitische Verhalten». Die Stadt kĂŒndigte auch scharfe Sicherheitsmaßnahmen an, um Israelis und Juden in Amsterdam zu schĂŒtzen. 

Zehn VerdĂ€chtige befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch in Haft, davon sind zwei minderjĂ€hrig. Insgesamt waren bei den Ausschreitungen 62 Personen festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft kĂŒndigte an, alle mutmaßlichen TĂ€ter mit aller HĂ€rte zu verfolgen. 

Jugendliche auf MotorrÀdern 

Nach dem Fußballspiel waren am spĂ€ten Donnerstagabend israelische Fans nach Angaben der Polizei gezielt angegriffen worden, als sie zurĂŒck ins Zentrum kamen. Vor allem Jugendliche auf Mopeds hĂ€tten die Israelis verfolgt und misshandelt. 

Augenzeugen berichteten in niederlÀndischen Medien von beÀngstigenden Momenten. Sie seien von maskierten jungen MÀnnern verfolgt, geschlagen und getreten worden. Manche mussten sich rennend in ihren Hotels in Sicherheit bringen. 

Schon im Vorfeld Spannungen 

Das Spiel war im Vorfeld bereits wegen der politischen Spannungen als Risikospiel eingestuft worden. Extra Sicherheitsvorkehrungen waren getroffen worden. Etwa 800 Beamte waren im Einsatz.

Die Polizei wies darauf hin, dass es bereits in der Nacht zuvor ZusammenstĂ¶ĂŸe gegeben hatte. Auch Fans von Tel Aviv hĂ€tten randaliert und provoziert. So hĂ€tten sie palĂ€stinensische Flaggen verbrannt sowie beleidigende Parolen gerufen. Das sei aber in keinerlei Hinsicht eine Entschuldigung fĂŒr die antisemitischen Attacken, betonte die BĂŒrgermeisterin. 

Politiker empört 

MinisterprĂ€sident Dick Schoof sprach von «unakzeptablen antisemitischen Angriffen auf Israelis». Der niederlĂ€ndische König Willem-Alexander zeigte sich geschockt. «Wir dĂŒrfen nicht wegschauen bei antisemitischem Verhalten auf unseren Straßen», erklĂ€rte er.

Auch aus Deutschland gab es Reaktionen. So verurteilte Bundeskanzler Olaf Scholz die VorfĂ€lle in Amsterdam auf X als unertrĂ€glich. «Wer JĂŒdinnen und Juden angreift, greift uns alle an. JĂŒdinnen und Juden mĂŒssen sich in Europa sicher fĂŒhlen können.» US-PrĂ€sident Joe Biden erklĂ€rte: «Die antisemitischen Angriffe auf israelische Fußballfans in Amsterdam sind verabscheuungswĂŒrdig und erinnern an dunkle Momente in der Geschichte, als Juden verfolgt wurden.»

Der radikal-rechte Populist Geert Wilders schrieb auf X: «Ein Pogrom in den Straßen von Amsterdam. (...) Muslime mit palĂ€stinensischen Flaggen jagen Juden.» 

UEFA verurteilt Gewalt 

Auch die EuropĂ€ische Fußball-Union UEFA verurteilte die Gewalt «aufs SchĂ€rfste». «Wir vertrauen darauf, dass die zustĂ€ndigen Behörden so viel Verantwortliche wie möglich fĂŒr diese Aktionen identifizieren und anklagen werden», heißt es in einer UEFA-Stellungnahme weiter.

Israels Nationaler Sicherheitsrat (NSC) rief Israelis dazu auf, am Freitagabend nicht zu einem Basketballspiel von Maccabi Tel Aviv in Bologna zu gehen. Im Netz kursierten weiterhin Gewaltaufrufe gegen Juden und Israelis, Nachahmer-Taten seien möglich, warnte der Rat. Der NSC riet Fans dazu, keine israelischen oder jĂŒdischen Erkennungszeichen zu tragen.

@ dpa.de