Ryder Cup wieder in Europa: «Feiern als gÀbe es kein Morgen»
29.09.2025 - 10:39:15«Schaust du zu, Donald Trump?», sangen Europas Ryder-Cup-Helden um KapitĂ€n Luke Donald mit der goldenen TrophĂ€e in den HĂ€nden nach der erfolgreichen Titelvereidigung gegen am Schlusstag sensationell aufspielende US-Stars. Die Antwort des US-PrĂ€sidenten und begeisterten Hobby-Golfers kam prompt: «Ja, ich schaue zu. Herzlichen GlĂŒckwunsch!», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social und postete dazu den entsprechenden Video-Clip der ausgelassen feiernden EuropĂ€er. Trump war am ersten Tag des Kontinentalvergleichs persönlich auf dem Golfplatz erschienen, um seine US-Landsleute anzufeuern.
Am Ende jubelten aber die EuropĂ€er. Nach dem aufwĂŒhlenden AuswĂ€rtssieg versprach ein erleichterter Rory McIlroy mit feuchten Augen eine gigantische Party. Shane Lowry gönnte sich schon Minuten zuvor ein Bier nach dem wichtigsten Putt des Tages. Trotz unerwartet dramatischer Entwicklungen holte Team Europa wie zuletzt 2012 auswĂ€rts die wichtigste TrophĂ€e im Golf-Sport und bezwang die USA vor den Toren New Yorks 15:13. «Wir werden feiern, als gĂ€be es kein Morgen», sagte der Nordire McIlroy. «Ich bin extrem stolz darauf, Teil dieses Teams zu sein.»
Lowry mit dem entscheidenden Putt
Trotz eines Sieben-Punkte-Vorsprungs hatte erst Lowrys Schlag die Titelverteidigung fĂŒr Europa perfekt gemacht - nach einer Aufholjagd der Gastgeber im Bethpage State Park auf Long Island, die kaum jemand fĂŒr möglich gehalten hatte.
Die USA verpassten nur knapp das gröĂte Comeback in der Geschichte des Wettbewerbs. «Ich kann nicht glauben, dass der Putt rein ist. Der Ryder Cup bedeutet mir alles», sagte Lowry. Die nĂ€chste Ausgabe findet 2027 in seiner irischen Heimat statt.
McIlroy mit Kritik an US-Fans
Nach der ersten Euphorie gab es von Seiten der EuropĂ€er aber noch kritische Töne zum feindseligen Verhalten des New Yorker Publikums. «Was hier diese Woche passiert ist, ist nicht akzeptabel», sagte McIlroy. WĂ€hrend seiner fĂŒnf Spiele im Bethpage State Park musste gerade McIlroy eine Flut von Beleidigungen ĂŒber sich ergehen lassen. Die US-Fans schrien ihn an, wĂ€hrend er sich zum Abschlag und zum Putten bereitmachte. «Ich finde, wir sollten so etwas im Golfsport niemals akzeptieren», sagte McIlroy.
Europas KapitĂ€n: «Man wird jahrzehntelang ĂŒber sie sprechen»
«Das waren die stressigsten zwölf Stunden meines Lebens», sagte Europas KapitĂ€n Donald, der bereits beim Sieg in Rom vor zwei Jahren die Verantwortung getragen hatte. «Wir wussten, dass die tough sind, aber nicht, dass sie so tough sind. GroĂen Respekt an sie», meinte er in Richtung der geschlagenen Amerikaner. Ăber sein eigenes Team sagte Donald: «Ich könnte nicht stolzer sein auf die Jungs. Man wird jahrzehntelang ĂŒber sie sprechen.» Ob er als KapitĂ€n weiter macht, lieĂ er offen.Â
Der halbe Punkt fĂŒr das Unentschieden gegen Russell Henley brachte Europa auf 14 ZĂ€hler - das reichte zur Titelverteidigung und einen Riesensprung von Lowry ĂŒber das GrĂŒn nach anstrengenden Stunden. Von der SouverĂ€nitĂ€t der beiden ersten Tage war am Schlusstag allerdings nichts mehr zu sehen.Â
Die US-Profis um den Weltranglistenersten Scottie Scheffler setzten die EuropĂ€er gehörig unter Druck. «Die ersten Tage liefen nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich bin echt mĂŒde, aber stolz auf den Kampf, den wir heute geliefert haben», sagte Scheffler.Â
Der Schwede Ludvig Aberg gewann am Schlusstag als einziger EuropĂ€er sein Einzel, er bezwang Patrick Cantlay bereits nach 17 Bahnen. «Es war hart», sagte Aberg. «Es wurde immer lauter und man konnte die Umgebung fĂŒhlen.» Lowry sowie Matt Fitzpatrick, Robert MacIntyre und Tyrelll Hatton (alle England) holten jeweils einen halben Punkt durch Unentschieden, die anderen EuropĂ€er verloren ihre Duelle. Fitzpatrick gab gegen Bryson DeChambeau zwischenzeitlich fĂŒnf Bahnen Vorsprung noch aus der Hand.
Ein halber Punkt wird unerwartet wertvoll
Als unerwartet wertvoll erwies sich zudem der halbe Punkt, den Europa schon am Sonntagmorgen bekommen hatte - Viktor Hovland konnte wegen Schmerzen am Nacken nicht antreten, das Duell mit Harris English fiel deswegen aus und beide Teams bekamen einen halben ZĂ€hler gutgeschrieben.
Aus dem 11,5:4,5 vom Samstagabend war so also schon vor dem ersten Abschlag ein 12:5 fĂŒr die EuropĂ€er geworden. Zur Titelverteidigung reichten Europa deswegen zwei weitere Punkte, es war der gröĂte Vorsprung vor dem Schlusstag seit EinfĂŒhrung des aktuellen Formats 1979. Seither sind auch Kontinental-EuropĂ€er dabei.
Was fĂŒr die Amerikaner zunĂ€chst aussah wie der Versuch, die höchste Niederlage der Ryder-Cup-Geschichte zu verhindern - das 19:9 fĂŒr die USA vor vier Jahren war dafĂŒr die Marke - entwickelte sich dann allerdings zunehmend zu einer kaum fĂŒr möglich gehaltenen Aufholjagd.Â
«Wir haben an den beiden ersten Tagen nicht unser Bestes gespielt, aber heute haben wir das geschafft», sagte US-KapitÀn Keegan Bradley. Er gratulierte Europa: «Sie haben besser gespielt als wir. Sie haben das verdient. Meiner Meinung nach ist Luke Donald der beste europÀische KapitÀn der Geschichte.»
Vor zwei Jahren besiegte Europa in Rom die Amerikaner klar mit 16,5:11,5 Punkten. McIlroy hatte unmittelbar danach bereits den AuswĂ€rtssieg in Bethpage angekĂŒndigt - und Wort gehalten. «Das "Ole Ole" in Amerika zu hören und etwas zu tun, was viele Leute nicht fĂŒr möglich gehalten haben, das hat uns motiviert», sagte der Weltranglistenzweite. Von den 19 Ryder Cups seit 1979 hat Team Europa nun 13 gewonnen.







