Dramatik pur: SC Magdeburg krönt sich zum deutschen Meister
21.05.2026 - 22:10:46 | dpa.deGezittert, gekämpft und am Ende gejubelt: Der SC Magdeburg hat seinen ersten Meister-Matchball genutzt und den vierten gesamtdeutschen Titelgewinn vorzeitig perfekt gemacht. Der souveräne Tabellenführer der Handball-Bundesliga gewann das Topspiel gegen Verfolger SG Flensburg-Handewitt in letzter Sekunde mit 31:30 (13:13) und krönte sich wie 2001, 2022 und 2024 zum Champion. «Die Jungs sollen jetzt richtig die Sau rauslassen», gab Erfolgstrainer Bennet Wiegert nach dem Abpfiff den Party-Befehl.
Mit 58:4 Punkten ist der Champions-League-Gewinner des Vorjahres an den letzten drei Spieltagen vom entthronten Titelverteidiger Füchse Berlin und den Flensburgern (beide 49:13) nicht mehr einzuholen. «Wir haben in dieser Saison sehr gut performt. Ich freue mich für die Jungs, die das verdient haben», lobte Wiegert seine Schützlinge für das Meisterstück und frohlockte: «Das ist der wertigste Titel für mich.»
Magdeburg tut sich lange schwer
Vor 6.600 Zuschauern zeigten die Hausherren lange Nerven und lagen nach einer Viertelstunde mit zwei Toren hinten. Das lag vor allem am überragenden Flensburger Torwart Benjamin Buric, der einen Sahnetag erwischte. «Wir hatten einen kleinen Rucksack auf. Uns hat die Leichtigkeit gefehlt», resümierte Wiegert.
Seine Schützlinge fanden nie zu ihrem gefürchteten Tempospiel und immer wieder in Buric ihren Meister. Der SG-Keeper parierte allein in der ersten Halbzeit neun Würfe. Nach einem zwischenzeitlichen Vier-Tore-Rückstand kam Magdeburg vor der Pause immerhin zum Ausgleich.
Nach dem Wechsel blieb es ein enges Match, in dem sich beide Teams etliche Fehler leisteten. So vergab der SCM gleich fünf Siebenmeter. Dennoch jubelten am Ende die Hausherren, für die Rückraum-Ass Gisli Kristjansson mit sechs Toren bester Werfer war. «Es ist schon cool, dass wir das heute geschafft haben», sagte der Isländer. Und Routinier Philipp Weber, der in der Schlussphase zwei Siebenmeter verwandelte, meinte: «Dieser Titel bedeutet mir unendlich viel.»
Meisterschaft als Lohn für konstante Saison
Für den SCM, der in der DDR zehnmal Meister wurde, ist es unter der Regie von Wiegert bereits der elfte Titel in einem nationalen oder internationalen Wettbewerb in den vergangenen zehn Jahren. Mitte Juni kann Magdeburg beim Final-Four-Turnier in der Champions League sogar das Dutzend vollmachen. Im Halbfinale trifft der deutsche Meister dann in einer Neuauflage des Vorjahresendspiels auf die Füchse Berlin.
Im Rennen um die Meisterschaft hatte der SCM den Rivalen aus der Hauptstadt frühzeitig in der Saison abgehängt. Nach der Anfang September erfolgten Trennung von Sportdirektor Stefan Kretzschmar und Trainer Jaron Siewert, deren Aufgaben der Däne Nicolej Krickau übernahm, kassierten die Berliner allein in der Hinrunde fünf Pleiten.
Magdeburg hingegen verließ das Parkett in dieser Bundesliga-Spielzeit bisher nur einmal als Verlierer - Mitte Februar beim 29:31 in Kiel. «Die Konstanz war das große Plus von Magdeburg», lobte Bundestrainer Alfred Gislason den neuen Meister.
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