«Möchte mir selbst danken»: Andrejewa gewinnt French Open
06.06.2026 - 17:54:15 | dpa.deIn ihrer Aufregung wĂ€hlte Mirra Andrejewa mit der Suzanne-Lenglen-TrophĂ€e in den HĂ€nden zuerst die falsche Position fĂŒr ihre Siegerrede bei den French Open. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung ging die russische Tennisspielerin zur richtigen Stelle - und dankte dann vor allem sich selbst fĂŒr ihren ersten Grand-Slam-Titel durch den 6:3, 6:2-Finalsieg gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska.
«Ich möchte auch mir selbst danken, dass ich an mich selbst glaube, immer hundert Prozent gebe. Dass ich versuche, jeden Tag besser zu werden als Person und Spielerin, auch wenn es hart ist. Und dass ich daran glaube, dass ich es schaffen kann, gegen so viele DĂ€monen in mir anzukĂ€mpfen», sagte die 19-JĂ€hrige. «Nur ich weiĂ, wie schwer es fĂŒr mich war und wie nervös ich war wĂ€hrend der zwei Wochen.»
Das hat Rapper Snoop Dogg mit der Rede zu tun
Die Selbst-Danksagung hat sie sich von Rapper Snoop Dogg abgeschaut, der 2018 bei der Aufnahme in den «Hollywood Walk of Fame» mit Ă€hnlichen Worten auch sich selbst gedankt hatte. Andrejewa dankte aber auch ihrer Trainerin Conchita MartĂnez fĂŒr «viele RatschlĂ€ge», und die frĂŒhere Topspielerin aus Spanien formte dafĂŒr mit den HĂ€nden ein Herz.
Chwalinska hatte sich zuvor leicht geknickt sogar dafĂŒr entschuldigt, dass das Finale nicht spannender gewesen war. «Ich habe mein Bestes versucht, Entschuldigung», sagte die 24 Jahre alte AuĂenseiterin. Ihr Lob an die Siegerin versteckte sie in einer lĂ€chelnd vorgetragenen Botschaft: «Du bist so jung und so talentiert - das ist so nervig.»
Chwalinska verpasste es, als erst zweite Qualifikantin in der Geschichte einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Das KunststĂŒck war bislang nur der Britin Emma Raducanu bei den US Open 2021 gelungen.Â
Sprung von Weltranglisten-Position 114 auf 21Â
FĂŒr die Polin war aber schon der Finaleinzug ein Riesenerfolg. Mit den 1,4 Millionen Euro als Belohnung fĂŒr Platz zwei sammelte sie in Paris doppelt so viel Preisgeld wie in ihrer gesamten Karriere zuvor. Die 114. der Tennis-Welt war die am niedrigsten gelistete French-Open-Finalistin seit EinfĂŒhrung der WTA-Weltrangliste. Nach dem Turnier wird sie auf Platz 21 springen.
Andrejewa ist die jĂŒngste Siegerin von Roland Garros seit Monica Seles, die 1992 als 18-JĂ€hrige bereits ihren dritten Gesamtsieg hintereinander in Paris geholt hatte.
Viel Wind, viele Breaks
Die Bedingungen mit dem starken Wind machten beiden Finalistinnen merklich zu schaffen - vor allem bei den eigenen Aufschlagspielen. Chwalinska bereitete mit ihrem ungewöhnlichen Spielstil zunĂ€chst auch der groĂen Favoritin Andrejewa Probleme. Mit hohen BĂ€llen, viel Slice und einigen Stopps variierte die Polin. Ihre Gegnerin stellte sich mit zunehmender Spieldauer aber besser darauf ein und holte sich verdient den ersten Satz.
Chwalinska, die aufgrund der Qualifikation drei Matches mehr als Andrejewa in den Beinen hatte, kam im zweiten Durchgang sichtlich auch körperlich an ihre Grenzen. Auch die Anfeuerungen aus dem Publikum halfen nur wenig. In ihrem Spiel schlichen sich mehr Fehler ein, die nun deutlich dominantere Andrejewa wusste das zu nutzen.
Schon frĂŒh ein Tennis-«Wunderkind»
Andrejewa galt schon lĂ€nger als potenzielle Grand-Slam-Turniergewinnerin. Als Tennis-«Wunderkind» wurde sie schon 2022 gefeiert, als sie im Alter von 15 Jahren ihr DebĂŒt auf der Tour gab. Den Feinschliff erhielt die in Sibirien geborene Russin im französischen Cannes an einer renommierten Trainings-Akademie.Â
Ihre Siege bei den Masters-Turnieren in Dubai und Indian Wells im Jahr 2025 weckten Erwartungen, die Andrejewa danach zunĂ€chst nicht ganz erfĂŒllen konnte. Mit dem gestiegenen Druck kam die junge Athletin nicht immer klar, ihre WutausbrĂŒche bei besonders bitteren RĂŒckschlĂ€gen sorgten fĂŒr Schlagzeilen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
