French Open, Frankreich

Tennis-Wunderkind Andrejewa besiegt ihre «DÀmonen»

07.06.2026 - 08:26:04 | dpa.de

An Talent mangelte es Mirra Andrejewa nie, dafĂŒr aber etwas an Geduld und einem stabilen NervenkostĂŒm. Beim Finalsieg der French Open gegen Qualifikantin Maja Chwalinska sind genau das ihre StĂ€rke.

  • Mirra Andrejewa lĂ€chelt mit der TrophĂ€e in den HĂ€nden. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Mirra Andrejewa lÀchelt mit der TrophÀe in den HÀnden. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Die beiden Finalistinnen bei der Siegerehrung. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Die beiden Finalistinnen bei der Siegerehrung. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Konnte auch im Finale der French Open jubeln: Mirra Andrejewa. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
    Konnte auch im Finale der French Open jubeln: Mirra Andrejewa. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa
  • Der Moment, als Andrejewas Triumph perfekt war. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Der Moment, als Andrejewas Triumph perfekt war. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Andrejewa bei einer RĂŒckhand. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
    Andrejewa bei einer RĂŒckhand. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
Mirra Andrejewa lĂ€chelt mit der TrophĂ€e in den HĂ€nden. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Die beiden Finalistinnen bei der Siegerehrung. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Konnte auch im Finale der French Open jubeln: Mirra Andrejewa. - Bild: Thibault Camus/AP/dpa Der Moment, als Andrejewas Triumph perfekt war. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Andrejewa bei einer RĂŒckhand. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa

Schon lange vor ihrer Premiere in Paris war Mirra Andrejewa ein Grand-Slam-Champion - wenn auch nur in ihrem Kopf. «Ich habe schon oft Visualisierungen gemacht», verriet der russische Tennis-Teenager. In Gedanken und TrĂ€umen sei sie das Wie, Wann und Wo immer wieder durchgegangen, aber: «Das GefĂŒhl in der RealitĂ€t ist natĂŒrlich viel besser als in meinen TrĂ€umen.»

Ihr Blick wanderte dabei zur Suzanne-Lenglen-TrophĂ€e herĂŒber, die neben ihr auf dem Tisch des Pressekonferenzraums stand. Nun, da die 19-JĂ€hrige die French Open gewonnen und sich die Prophezeiung ihres ganz großen Durchbruchs erfĂŒllt hatte, will sie mehr. «Ich habe das GefĂŒhl, dass das Ganze ein bisschen sĂŒchtig macht», sagte Andrejewa lĂ€chelnd.

Boris Becker ist sicher, dass die jĂŒngste French-Open-Gewinnerin seit 34 Jahren «noch viele Grand Slams gewinnen» werde: «Alles in allem haben wir einen neuen Star im Damentennis.» Auch, was den Unterhaltungsfaktor angeht.

Andrejewa und der Spruch von Snoop Dogg

Unmittelbar nach ihrem 6:3, 6:2-Finalsieg gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska hatte Andrejewa bei der Zeremonie auf dem Court Philippe Chatrier eine ungewöhnliche Dankesrede gehalten. «Ich möchte auch mir selbst danken», sagte sie. Und zwar dafĂŒr, dass sie immer an sich selbst glaube, sich jeden Tag als Person und Spielerin verbessern wolle und auch «gegen so viele DĂ€monen» in ihr drinnen ankĂ€mpfe.

Ihre Eingangsworte waren an die Rede von Rapper Snoop Dogg bei dessen Aufnahme in den «Hollywood Walk of Fame» angelehnt. Den Spruch «Ich möchte mir selbst danken» trÀgt sie auch als pinken Schriftzug auf ihrer Trainingsjacke. Den habe sie «die ersten Male eher als Witz abgekupfert», sagte Andrejewa. «Aber dann wurde mir klar, dass es tatsÀchlich stimmt.»

Federer als Vorbild 

Und die DÀmonen, die sie in ihrer Siegesrede andeutete? Konkret erklÀrte sie sie nicht, aber die Russin erzÀhlte von einem GesprÀch mit ihrer Psychologin, die ihr gesagt habe: Du kannst immer wÀhlen, wer du auf dem Platz sein willst. «Also habe ich entschieden, eine KÀmpferin zu sein.» Aber eine KÀmpferin mit Stil. Deswegen habe sie versucht, das Verhalten von Tennis-Ikone Roger Federer «zu imitieren». Sie wolle «gut aussehen auf dem Platz, nicht frustriert».

Andrejewa galt bislang als emotionale Spielerin, die angesichts ihres riesigen Ehrgeizes und ihrer spĂŒrbaren Ungeduld auch mal die Nerven verliert. Im Vorjahr wurde sie in Paris vom französischen Publikum ausgebuht, als sie bei ihrer Niederlage gegen LoĂŻs Boisson aus Frust einen Ball in Richtung der RĂ€nge drosch. FĂŒr Aufsehen sorgte auch ihre wĂŒste Beleidigung gegen Zuschauer nach dem Aus in Indian Wells. Ihre Psychologin und auch ihre Trainerin, die ehemalige spanische Top-Spielerin Conchita MartĂ­nez, halfen ihr aus dieser emotionalen Negativ-Spirale.

Hochtalentiert - aber auch hochemotional

Andrejewa galt schon lĂ€nger als potenzieller Grand-Slam-Champion. Als Tennis-«Wunderkind» wurde sie bereits 2022 gefeiert, als sie im Alter von 15 Jahren ihr DebĂŒt auf der Tour gab. Ihre Siege bei den Masters-Turnieren in Dubai und Indian Wells im Jahr 2025 weckten Erwartungen, die Andrejewa danach zunĂ€chst nicht ganz erfĂŒllen konnte. Mit dem gestiegenen Druck kam die junge Athletin nicht immer klar.

Bei ihrem Titel-Turnier in Paris blieb Andrejewa aber ganz bei sich. Auch im Finale bei windigen Bedingungen gegen die unorthodox spielende Chwalinska, die mit hohen BÀllen, viel Slice und zahlreichen Stopps agierte. Die Favoritin meisterte diese Geduldsprobe souverÀn und stoppte den sensationellen Lauf der polnischen Weltranglisten-114.

Chwalinska entschuldigt sich fĂŒr wenig spannendes Finale 

«Ich habe mein Bestes versucht, Entschuldigung», sagte Chwalinska bei ihrer Rede ans Publikum gerichtet. Die 24-JÀhrige verpasste es, als erst zweite Qualifikantin nach Emma Raducanu (US Open 2021) einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Ihr Lob an die Siegerin versteckte sie in einer lÀchelnd vorgetragenen Botschaft: «Du bist so jung und so talentiert - das ist so nervig.»

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