Schmach, Endspiel

Von Schmach zurĂŒck ins Endspiel: Anisimova greift nach Titel

05.09.2025 - 10:40:06

Ihr Wimbledon-Finale ging als Debakel in die Tennis-Historie ein. In New York gibt Amanda Anisimova ein imposantes Comeback auf der Grand-Slam-BĂŒhne. Im Endspiel kann sie es krönen.

  • Voller Fokus auf den Ball: Amanda Anisimova gewann ein packendes Halbfinale gegen Naomi Osaka. - Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

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  • Aryna Sabalenka steht zum dritten Mal nacheinander im Endspiel der US Open. - Foto: Frank Franklin/AP/dpa

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  • Amanda Anisimova wurde nach ihrem Halbfinaleinzug emotional. - Foto: Wu Xiaoling/XinHua/dpa

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  • Die viermalige Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka kam nicht gegen Amanda Anisimova an. - Foto: -/kyodo/dpa

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Voller Fokus auf den Ball: Amanda Anisimova gewann ein packendes Halbfinale gegen Naomi Osaka. - Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpaAryna Sabalenka steht zum dritten Mal nacheinander im Endspiel der US Open. - Foto: Frank Franklin/AP/dpaAmanda Anisimova wurde nach ihrem Halbfinaleinzug emotional. - Foto: Wu Xiaoling/XinHua/dpaDie viermalige Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka kam nicht gegen Amanda Anisimova an. - Foto: -/kyodo/dpa

Im Moment ihres zweiten Finaleinzugs auf der schillernden Grand-Slam-BĂŒhne kniete Amanda Anisimova auf dem blauen Hartplatz nieder. Ein paar Mal schlug sie mit der Hand auf den Boden. Dann beugte sich die amerikanische Tennisspielerin nach vorn, legte ihr Stirn ab und hielt inne.

Was fĂŒr einen Unterschied acht Wochen machen können. Keine zwei Monate nach dem geschichtstrĂ€chtigen wie denkwĂŒrdigen 0:6, 0:6 und TrĂ€nen im Wimbledon-Endspiel kann Anisimova bei den US Open am Samstag (22.00 Uhr MESZ/Sky, Sporteurope.tv) ein Tennis-MĂ€rchen schreiben. Im packenden Halbfinale rang sie Japans Tennisstar Naomi Osaka 6:7 (4:7), 7:6 (7:3), 6:3 nieder. Eindrucksvoll zeigte sie, dass sie sich von Wimbledon erholt hat.

Mit einem Erfolg gegen Titelverteidigerin und Topfavoritin Aryna Sabalenka kann sie sich als US-Open-Siegerin in die Tennis-Geschichte eintragen. Im Wimbledon-Halbfinale hatte sie die Nummer eins der Tennis-Welt besiegt.

Anisimova stemmt sich im Halbfinale gegen ihre Zweifel

«Es bedeutet mir die Welt. Ein Traum wird wahr», sagte Anisimova wenige Minuten vor 1.00 Uhr Ortszeit. «Ich bin jetzt im Finale und versuche, mich darauf vorzubereiten. Ich bin einfach nur aufgeregt – es ist etwas ganz Besonderes.»

Zumindest im Halbfinale zeigte sie, dass sie Zweifel ĂŒberwinden und mit Druck, der fĂŒr eine US-Spielerin in der Heimat höher sein mag, umgehen kann. Als sie ihre emotionale Achterbahnfahrt gegen Osaka erklĂ€ren sollte, lĂ€chelte sie. Sie habe die meiste Zeit gedacht, das Match wĂŒrde ihr entgleiten, rĂ€umte sie ein. 

«An einigen Punkten habe ich versucht, das zu akzeptieren, so schwer es auch war», schilderte die Nummer neun der Welt aus dem US-Bundesstaat New Jersey. «In den letzten Momenten des zweiten Satzes habe ich versucht, mich daran zu erinnern, was auf dem Spiel stand und welche Chance ich hatte.»

Sie ließ sich nicht unterkriegen von RĂŒckstĂ€nden, von einem schwachen ersten Tiebreak mit zu vielen vermeidbaren Fehlern. Nicht davon, dass Osaka kurz vor dem Sieg stand. Nicht von ihren zwei vergebenen MatchbĂ€llen. 

Schwerer Schicksalsschlag fĂŒr Anisimova

Erfolgreich kĂ€mpfte sie gegen die negativen Gedanken an, mit denen sie ins Match gegangen war. «Ich hatte das GefĂŒhl, dass ich wegen meiner NervositĂ€t nicht mein Tennis spielen konnte», erzĂ€hlte Anisimova. Immer wieder habe sie sich eingetrichtert, es schaffen zu können. Schon den ganzen Tag.

Anisimova hat in ihrem Leben schon Schlimmeres durchgemacht als eine Klatsche im Wimbledon-Finale. Einst entzĂŒckte sie als Teenagerin die Tenniswelt. Im Alter von 17 stand sie im Halbfinale der French Open, wenig spĂ€ter starb ihr Vater und Trainer Konstantin mit 52 Jahren. 

Anisimova kehrte nach einer kurzen Auszeit auf die Tennis-Tour zurĂŒck, doch sie verlor irgendwann die Lust. Im Mai 2023 teilte sie mit, dass sie mit mentalen Problemen und Burnout kĂ€mpfe. «Es ist fĂŒr mich unertrĂ€glich, bei Tennisturnieren zu sein», schrieb sie bei Instagram und pausierte.

An diese schlechten Zeiten erinnerte sie auch in New York. Und mit dem Wimbledon-Finale musste sie sich zwangslĂ€ufig auseinandersetzen. Am 12. Juli war sie gegen Iga Swiatek ĂŒberfordert gewesen, hatte danach bitterlich geweint. Eine solche Schmach hatte es zuvor nur 1911 beim Rasenklassiker gegeben. In der modernen Ära verpasste nur Steffi Graf bei den Grand Slams 1988 im Finale der French Open Natascha Zwerewa diese Höchststrafe. 

Das Drama war nicht vergessen, als Anisimova im Viertelfinale der US Open der Polin Swiatek wieder begegnete. Und so schmerzhaft es war, sie schaute sich das Wimbledon-Endspiel vorher noch einmal an, um daraus zu lernen, zu sehen, was sie vermeiden mĂŒsse. Sie revanchierte sich gegen Swiatek in zwei SĂ€tzen.

Wie geht die Außenseiterin in das nĂ€chste Finale?

Auf ihr nĂ€chstes Grand-Slam-Finale gegen Sabalenka fĂŒhlt sie sich besser vorbereitet. Die Belarussin kam mit einem 4:6, 6:3, 6:4 gegen Anisimovas Landsfrau Jessica Pegula zum dritten Mal in Serie ins New Yorker Endspiel. 

In Wimbledon sei sie nach jedem Sieg vor Überraschung «total geschockt» gewesen, blickte Anisimova zurĂŒck. «Ich habe wirklich an mir gearbeitet, um mit solchen Momenten umgehen zu können und an mich zu glauben, auch wenn es sich so anfĂŒhlt, als gĂ€be es nichts, woran man glauben könnte.» Schon den Halbfinaleinzug hatte sie als «surreal» bezeichnet. Es kann surrealer werden.

@ dpa.de