Siegemund schimpft und weint: Wie «BetrĂŒgerin» behandelt
29.08.2023 - 08:26:08 | dpa.deMit MĂŒhe hielt Laura Siegemund ihre TrĂ€nen zunĂ€chst zurĂŒck, nach mehreren Minuten einer aufwĂŒhlenden Pressekonferenz weinte sie dann doch bitterlich. WĂŒtend und enttĂ€uscht schimpfte die 35 Jahre alte schwĂ€bische Tennisspielerin nach der knapp verpassten Sensation gegen Mitfavoritin Coco Gauff bei den US Open auf das amerikanische Publikum.
«Sie hatten keinen Respekt fĂŒr mich, sie hatten keinen Respekt fĂŒr gutes Tennis, das tut sehr weh», klagte Siegemund kurz nach Mitternacht. Sie sei wie «eine BetrĂŒgerin» und «eine schlechte Person» behandelt worden.
Nicht nur der frĂŒhere US-PrĂ€sident Barack Obama und Ehefrau Michelle aus der Loge hatten der groĂen AuĂenseiterin nach einem gelungenen Punkt im ersten Satz noch applaudiert. Doch nach mehreren Wortduellen mit der Schiedsrichterin und der Klage von Gauff ĂŒber eine zu langsame Spielweise ihrer Gegnerin kippte die Stimmung im Arthur Ashe Stadium. Viele Zuschauer buhten Siegemund beim 6:3, 2:6, 4:6 vom zweiten Durchgang an aus, klatschten nach verschlagenen ersten AufschlĂ€gen.
TrÀnen bei der PK
«Dieses unfaire, respektlose Verhalten gegen eine Nicht-Amerikanerin, das habe ich bislang nur auf diesem Court erlebt», sagte Siegemund. «Es ist das erste Mal, dass ich in einer Pressekonferenz weine.»
Ihre 19 Jahre alte Gegnerin Gauff hatte wĂ€hrend der knapp dreistĂŒndigen Partie bemĂ€ngelt, dass Siegemund zwischen den Ballwechseln lĂ€nger als die erlaubte Zeit zur Vorbereitung brauche. «Sie ist nie bereit, wenn ich aufschlage - wie kann das fair sein?», beschwerte sich die Weltranglistensechste bei der Unparteiischen Marijana Veljovic. Die Deutsche kassierte wegen VerstöĂen gegen die Zeitregeln zwei Verwarnungen, wodurch Gauff einen Punkt zugesprochen bekam.
Auch anderes Verhalten missfiel Gauff. «Ich habe noch nie eine Spielerin so viel mit der Schiedsrichterin sprechen gesehen», kritisierte der US-Star vor der Weltpresse. «Die groĂe Diskussion hat ja sie gemacht», erwiderte Siegemund wenige Minuten spĂ€ter einen Raum weiter.
Starker Auftritt
Durch die NebengerĂ€usche geriet der starke Auftritt der Weltranglisten-121. in den Hintergrund. Siegemund hatte sich durch die Qualifikation gekĂ€mpft und fĂŒr die schwere Aufgabe einen klaren Plan zurechtgelegt. Immer wieder ging sie aggressiv ans Netz, returnierte mit Unterschnitt und lieĂ ihre 16 Jahre jĂŒngere Gegnerin mit StoppbĂ€llen laufen. Im ersten Satz wirkte Gauff zusehends entnervt, nach 43 Minuten segelte eine RĂŒckhand zum ĂŒberraschenden Satzgewinn fĂŒr Siegemund ins Aus.
Das erste Spiel des zweiten Durchgangs wurde zur groĂen Nervenprobe, dauerte alleine 26 Minuten. Siegemund debattierte plötzlich mit der Schiedsrichterin, Gauff nutzte den achten Breakball im Spiel, ging in FĂŒhrung und holte sich den Satz souverĂ€n. Im dritten Durchgang kĂ€mpfte Siegemund gegen die Niederlage, musste sich jedoch mit physischen Nachteilen geschlagen geben.
Sie wird bei den US Open nun noch im Damen-Doppel im Einsatz sein und hat auch fĂŒr das Mixed gemeldet. Beide Titel hat Siegemund in der Vergangenheit in Flushing Meadows bereits gewonnen. Auf die Frage, ob sie sich mit 36 erneut zu den US Open zurĂŒckkehren wĂŒrde, antwortete sie: «Ich wĂŒrde nur wiederkommen, weil es ein Slam ist. Aber bestimmt nicht, um den Leuten eine Show zu bieten. Wenn sie so agieren, verdienen sie keine Show. Ich bin geschockt.»
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