Geld, Gold

Geld fĂŒr Gold: Debatte um PrĂ€mien-Novum bei Olympia

23.07.2024 - 09:40:44

Der Leichtathletik-Weltverband zahlt seinen Olympiasiegern in Paris eine stattliche GeldprĂ€mie aus. Das gab es unter den fĂŒnf Ringen noch nie - das IOC ĂŒbt Kritik. Doch was steckt hinter dem Novum?

  • Weitspringerin Malaika Mihambo durfte in Tokio ĂŒber Gold jubeln. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • So eine Goldmedaille ist fĂŒr Leichtathleten in Paris 50.000 Dollar wert - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

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  • Dem Leichtathletik-Weltverbandschef Sebastian Coe geht es wohl nicht nur um die Sportler. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Sportökonom Christoph Breuer sieht in der PrĂ€mie ein sportpolitisches Manöver. - Foto: Fabian Strauch/dpa

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Weitspringerin Malaika Mihambo durfte in Tokio ĂŒber Gold jubeln. - Foto: Michael Kappeler/dpaSo eine Goldmedaille ist fĂŒr Leichtathleten in Paris 50.000 Dollar wert - Foto: Thibault Camus/AP/dpaDem Leichtathletik-Weltverbandschef Sebastian Coe geht es wohl nicht nur um die Sportler. - Foto: Michael Kappeler/dpaSportökonom Christoph Breuer sieht in der PrĂ€mie ein sportpolitisches Manöver. - Foto: Fabian Strauch/dpa

Was ist ein Olympiasieg wert? Ewiger Ruhm und Ehre, antworten Sport-Romantiker. Aufmerksamkeit, Klicks und Follower, sagen Berater heutzutage. Ganz viel Genugtuung und Erleichterung nach jahrelangen Strapazen, berichten Sportler oft.

Der Leichtathletik-Weltverband legt nun in Paris auf jede Goldmedaille noch 50.000 US-Dollar, also rund 46.000 Euro, obendrauf. Erstmals in der Geschichte der Spiele verteilt ein Fachverband an seine Olympiasieger auch GeldprĂ€mien. Athletinnen und Athleten sind begeistert - andere VerbĂ€nde und das Internationale Olympische Komitee (IOC) ĂŒben Kritik.

In der Sportwelt ist seit der AnkĂŒndigung der PrĂ€mien im April eine heftige Debatte im Gang. Manche Beobachter sehen eine neue Zeitrechnung Olympischer Spiele, die in der Antike ein großes Fest des Friedens und spĂ€ter in der Neuzeit lange den Amateursportlern vorbehalten waren. Athletinnen und Athleten versuchen seit Jahren, ihre Interessen gegenĂŒber jenen von FunktionĂ€ren, VerbĂ€nden und staatlichen Institutionen in den Fokus zu stellen. Johannes Herber von der Vereinigung Athleten Deutschland hofft auf einen «Weckruf fĂŒr das IOC».

«Kluges politisches Signal»

Doch steckt hinter dem Novum von World Athletic (WA) tatsĂ€chlich die FĂŒrsorge fĂŒr die Aktiven? Nein, meint der deutsche Sportökonom Christoph Breuer. Er wertet die PrĂ€mien im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur weniger als sportlichen Lohn, sondern eher als «interessantes und kluges politisches Signal, sowohl fĂŒr die Leichtathletik, als auch fĂŒr den Weltverband und PrĂ€sident Sebastian Coe persönlich».

Es seien gleich drei Ziele, die WA verfolge, schildert der Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln. Zum einen gehe es darum, Athleten nicht an externe, finanzkrĂ€ftige Events und Veranstalter zu verlieren - so wie es jĂŒngst etwa im Golfsport passierte. Schon jetzt lockten große Stadt-Marathons die besten LĂ€ufer mit hohen Gagen und PrĂ€mien.

Außerdem wĂŒrde die Stellung der Sportart innerhalb Olympias gestĂ€rkt, indem man noch attraktiver fĂŒr Sportler werde und so auch Athletenvertreter - die bei IOC-Entscheidungen Einfluss haben - fĂŒr sich gewinnt. «Die Leichtathletik ist zwar seit jeher eine olympische Kernsportart, aber das ist nicht auf Dauer zementiert», warnte Breuer. Nun aber seien die Leichtathleten in einer guten Verhandlungsposition.

«Und drittens bringt sich Coe selbst in Position, wenn es darum geht, den nĂ€chsten IOC-PrĂ€sidenten zu wĂ€hlen», sagt Breuer. Dem ehemaligen MittelstreckenlĂ€ufer und zweimaligen Olympiasieger Coe (67) wird nachgesagt, dass er IOC-PrĂ€sident Thomas Bach (70) beerben will. «Er holt sich mit so einer populĂ€ren Maßnahme RĂŒckenwind von den Athleten. Und obwohl er noch gar nicht IOC-PrĂ€sident ist, kann er zeigen, dass er imstande ist, die Olympischen Spiele zu modernisieren und die Athleten noch mehr ins Zentrum zu rĂŒcken.»

Kritik von IOC und anderen FachverbÀnden

Bei der Ringe-Organisation weiß man freilich um den sportpolitischen Winkelzug des Leichtathletik-Bosses. Die IOC-Exekutive um PrĂ€sident Bach unterstrich im Juni, dass es nicht die Aufgabe von WeltverbĂ€nden sei, Sportler bei Olympia finanziell zu prĂ€mieren. Das IOC verteile einen Teil seiner Milliarden-Einnahmen an die MitgliedslĂ€nder und die VerbĂ€nde, damit diese Sportler - weitgehend unabhĂ€ngig von deren Abschneiden bei den Spielen - unterstĂŒtzten. Die Vereinigung der VerbĂ€nde von olympischen Sommersportarten (Asoif) bemĂ€ngelte, dass andere FachverbĂ€nde sich derartige PrĂ€mien gar nicht leisten könnten.

Der Leichtathletik-Weltverband vergibt erstmals direkte Gold-PrÀmien - Olympiasieger haben aber auch bislang schon finanziell von ihren Erfolgen profitiert. Sportökonom Breuer erinnert, dass schon seit jeher «eine Goldmedaille einen Fahrstuhl in die ökonomisch höhere Etage darstellt». Den Gewinnern winken etwa lukrative Werbe- und SponsoringvertrÀge.

20.000 Euro von Sporthilfe - warum nicht eine Million?

Und auch Boni fĂŒr Gold wurden schon seit jeher zuhauf bezahlt, nur halt eben nicht von einem Fachverband oder gar dem IOC. In Deutschland belohnt die Deutsche Sporthilfe einen Olympiasieg mit 20.000 Euro, in anderen LĂ€ndern winken Sportlern neben noch viel höheren GeldbetrĂ€gen auch andere PrĂ€mien wie Immobilien oder Aufstockungen bei der Rente. Der frĂŒhere Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz hat immer wieder gefordert, dass Olympiasieger MillionenprĂ€mien kassieren sollten, auch als Motivation.

Deutschlands Top-Weitspringerin Malaika Mihambo berichtet im dpa-GesprĂ€ch, dass ein Olympiasieg «mich weder zu einem besseren Menschen noch zu einem besonderen Menschen macht». Klar, der Triumph 2021 in Tokio sei etwas ganz Besonderes gewesen, das Olympia-Gold habe sie «resilienter, achtsamer und glĂŒcklicher» werden lassen. Sie klingt dabei so, als wĂŒrden 50.000 Dollar daran nicht viel Ă€ndern.

@ dpa.de