Aicher-Frust bei Brignones olympischem Ski-MĂ€rchen
12.02.2026 - 14:51:44 | dpa.deEmma Aicher saĂ minutenlang allein hinter einer Absperrung, Federica Brignone lieĂ sich von den begeisterten Fans mit «Fede, Fede»-Rufen feiern. Statt schwarz-rot-goldenem gab's in Cortina d'Ampezzo diesmal grĂŒn-weiĂ-roten Jubel. Das deutsche Duo hat nach zwei Medaillen in den ersten Olympia-Rennen beim Super-G in den Dolomiten eine EnttĂ€uschung erlebt, Lokalmatadorin Brignone indes ein echtes Ski-MĂ€rchen.
Monatelang hing der Start der Italienerin bei ihren Heimspielen infolge einer schlimmen Verletzung am seidenen Faden. Nun trug sie eine Goldmedaille um ihren Hals. «Es ist verrĂŒckt», sagte Brignone strahlend vor Begeisterung. «Ich war heute ein AuĂenseiter. Aber ich weiĂ, was ich kann.» Das sei eben Olympia, meinte sie. In einem Rennen könne «alles passieren».
Deutsche nach Doppel-Flop selbstkritisch
Sie Ă€rgere sich schon ein bisschen, sagte Aicher, die genau wie Kira Weidle-Winkelmann nach einem Fahrfehler ausgeschieden war. Mit Startnummer sieben dĂŒrfe ihr so etwas nicht passieren, meinte die 22-JĂ€hrige. Sie hĂ€tte wissen mĂŒssen, dass sie auf dem nassen, weichen Schnee die Ideallinie besser nicht verlassen sollte. Sie sei voll auf Risiko gefahren, sagte auch ihre sieben Jahre Ă€ltere Teamkollegin Weidle-Winkelmann. Der Mut wurde nicht belohnt.
Nach Silber in der Team-Kombination hatte das deutsche Duo im letzten alpinen Speed-Event dieser Winterspiele zu den Mitfavoritinnen gezĂ€hlt. Vor allem Aicher, die zuvor ja auch schon in der Abfahrt auf Platz zwei gedĂŒst war. Obwohl noch etliche weitere Topfahrerinnen wie die Italienerin Sofia Goggia, Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson aus den USA oder die tschechische Allrounderin Ester Ledecka ausschieden, fĂŒhrten die Deutschen ihren Doppel-Flop aber nicht etwa auf die Kurssetzung, sondern eigene Fehler zurĂŒck.
Aicher verpasste es vorerst, als erste Deutsche seit Katja Seizinger 1998 drei Olympia-Medaillen bei denselben Spielen zu gewinnen. Sie hat in Norditalien aber noch weitere Chancen. Auf jeden Fall im Slalom. Vielleicht auch im Riesenslalom. Ob sie in dem startet, lieà sie zunÀchst noch offen.
Brignone krönt Comeback nach Horror-VerletzungÂ
Ganz sicher dabei sein im Riesenslalom wird Brignone - und das mit reichlich RĂŒckenwind. Die 35-JĂ€hrige ist nun die Ă€lteste Alpin-Olympiasiegerin der Historie. Sie verwies die Französin Romane Miradoli und Cornelia HĂŒtter aus Ăsterreich auf die weiteren PodestplĂ€tze. Und das nach dieser Vorgeschichte.
Im April vergangenen Jahres hatte sich die MailÀnderin bei den vergleichsweise unbedeutenden italienischen Meisterschaften schwer am Knie verletzt. Sie erlitt bei ihrem Sturz in Val di Fassa eine mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie einen Kreuzbandriss - eine Horror-Diagnose.
237 Tage spĂ€ter stand Brignone, die in ihrer Karriere schon so viel gewonnen hat, erstmals wieder auf Freizeitskiern. «Es ist mein Traum, dort zu sein», hatte sie mehrfach ĂŒber einen möglichen Olympia-Start gesagt. Doch die Zeit schien ihr davonzulaufen. Erst Mitte Januar kehrte sie in den Weltcup zurĂŒck - mit einem sechsten Platz im Riesentorlauf am Kronplatz. Was fĂŒr ein Comeback.
Auch StaatsprÀsident Mattarella jubelt mit
Nun vergoldete sie es sogar noch. Brignone, dieses EnergiebĂŒndel, stieĂ einen ihrer mittlerweile bekannten Freudenschreie aus, als sie ĂŒber die Ziellinie schoss und die Bestzeit auf der Anzeigetafel erschien. Ihr Bruder vergoss TrĂ€nen der Freude, Italiens StaatsprĂ€sident Sergio Mattarella jubelte auf der TribĂŒne mit und gehörte spĂ€ter zu den ersten Gratulanten. DĂŒsenflieger zogen mit Rauch die italienischen Landesfarben in den Himmel, ehe Brignone und groĂe Teile des Publikums voller Leidenschaft die Nationalhymne sangen.
Eine Party in GrĂŒn, WeiĂ und Rot - und Brignone mittendrin. Mit 17 Jahren hatte sie einst im Weltcup debĂŒtiert. Seither gewann sie zweimal die Gesamtwertung, dazu unter anderem zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und nunmehr insgesamt vier Plaketten bei Winterspielen. Gold bei Olympia ist aber auch fĂŒr die erfahrene Brignone ein neues GefĂŒhl - und die Krönung ihrer RĂŒckkehr.
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