DFB-Chef Neuendorf verweigert Infantino im MĂ€rz die Stimme
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf will bei der Fifa-Wahl im MĂ€rz nicht fĂŒr Amtsinhaber Gianni Infantino stimmen. Das sagte Neuendorf dem âTagesspiegelâ vor dem Uefa-Kongress, der in dieser Woche in Berlin stattfindet.
Neuendorf spricht Infantino das Vertrauen ab
Infantino sei als Fifa-Chef ânicht mehr tragbarâ, sagte Neuendorf. Er habe dem FuĂball erheblich geschadet und im DFB jegliches Vertrauen verspielt.
Neuendorf forderte deshalb die âRote Karteâ fĂŒr den Fifa-PrĂ€sidenten: âWir mĂŒssen ihn vom Platz stellen.â Dabei bezog er sich insbesondere auf den Fall des US-Spielers Folarin Balogun.
Kritik an Umgang mit Balogun
Die Fifa hatte die Sperre nach einer Roten Karte gegen Balogun zurĂŒckgezogen, nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. FĂŒr Neuendorf war dieser Vorgang âvollkommen inakzeptabelâ.
SpĂ€testens danach habe man sich von Infantino und dem von ihm so bezeichneten âSystem Infantinoâ distanzieren mĂŒssen, sagte der DFB-Chef.
DFB lehnt geplanten Investorendeal ab
Auch den geplanten Investorendeal kritisierte Neuendorf scharf. Eine FuĂball-WM dĂŒrfe man nicht an Investoren verkaufen, sagte er und bezeichnete das Vorhaben als âUndingâ.
Der DFB hĂ€tte sich nach Neuendorfs EinschĂ€tzung zum Spielball externer Interessen gemacht. Zugleich plĂ€dierte er dafĂŒr, bis zum 18. November einen Gegenkandidaten fĂŒr die Fifa-Wahl im MĂ€rz aufzustellen.
Gegenkandidat muss nicht aus Europa kommen
Der Kandidat mĂŒsse nicht zwingend aus Europa stammen, sondern könne auch von einer anderen Konföderation kommen. Infantino sei seit zehn Jahren im Amt und habe eine Fifa-Kultur etabliert, die einen grundlegenden Wandel erfordere, sagte Neuendorf.
Es könne nicht sein, dass derjenige, der fĂŒr die heutigen ZustĂ€nde verantwortlich sei, den notwendigen Reformprozess steuere, so der DFB-PrĂ€sident.
Bernd Neuendorfs angekĂŒndigte Nicht-UnterstĂŒtzung fĂŒr Gianni Infantino richtet den Blick auf die bevorstehende Machtentscheidung an der Spitze des WeltfuĂballs. Der DFB-PrĂ€sident verbindet seine Haltung nicht nur mit einzelnen Entscheidungen, sondern mit einer grundsĂ€tzlichen Kritik an der FĂŒhrungskultur der Fifa. Damit wird aus einer nationalen Verbandsposition ein europĂ€isch und international relevantes Signal.
Besonders schwer wiegt der von Neuendorf angefĂŒhrte Fall Folarin Balogun. Die RĂŒcknahme einer Sperre nach einem direkten GesprĂ€ch zwischen Donald Trump und Infantino steht dabei fĂŒr die von Neuendorf kritisierte Vermischung sportlicher Entscheidungen mit politischen Einflussmöglichkeiten. FĂŒr VerbĂ€nde geht es damit um die Frage, ob Regeln unabhĂ€ngig von Rang, Herkunft und politischem Gewicht angewendet werden.
Wahlkampf mit offenem Ausgang
Der DFB drĂ€ngt zugleich auf einen Gegenkandidaten bis zum 18. November. Neuendorfs Hinweis, dieser mĂŒsse nicht aus Europa kommen, zeigt, dass die Kritik nicht als rein europĂ€ischer Machtkampf angelegt ist. Entscheidend dĂŒrfte sein, ob sich mehrere Konföderationen auf eine gemeinsame Alternative verstĂ€ndigen können.
Infantino ist seit 2016 Fifa-PrĂ€sident und strebt im MĂ€rz eine weitere Amtszeit an. Ein Gegenkandidat mĂŒsste deshalb nicht nur öffentlich fĂŒr Reformen stehen, sondern auch genĂŒgend UnterstĂŒtzung der MitgliedsverbĂ€nde organisieren. Der Streit ĂŒber den geplanten Investorendeal erweitert die Auseinandersetzung um die wirtschaftliche Kontrolle ĂŒber zentrale Fifa-Projekte und die Frage, wie weit externe Kapitalinteressen den internationalen FuĂball prĂ€gen dĂŒrfen.
