England, Ko-Kracher

England ist bereit: K.o.-Kracher gegen Deutschland?

24.06.2021 - 00:12:35 | dpa.de

England spielt bislang eine wenig spektakulÀre EM. Ihre Vorrundengruppe gewinnen die Three Lions zwar souverÀn, aber sie geben weiter RÀtsel auf. Im Achtelfinale können sie nun ihr Potenzial zeigen.

Die Vorfreude in England auf den Klassiker ist groß. «Es ist Deutschland als nĂ€chstes», titelte die «Daily Mail» in ihrer Online-Ausgabe kurz nach Schlusspfiff des Zitterspiels der DFB-Auswahl beim 2:2 gegen Ungarn.

Am 29. Juni treffen die Three Lions im heimischen Wembley-Stadion auf den großen Rivalen. Fast genau 25 Jahre nach dem Scheitern im Halbfinale der Heim-EM, als die deutsche Mannschaft den EnglĂ€ndern im Elfmeterschießen eine der schmerzhaftesten Niederlagen in der Geschichte der Three Lions zugefĂŒgt hatte.

Wozu sind die EnglÀnder wirklich fÀhig?

Zuvor sah Gareth Southgate aus wie fast immer. Der Körper im feinen Anzug, die HĂ€nde vor sich gefaltet, der Blick ruhig und ernst. WĂ€hrend sich Fans und Medien auch nach dem souverĂ€nen Einzug ins Achtelfinale der EM den Kopf ĂŒber das Potenzial der englischen Mannschaft zerbrechen, wirkte der Nationalcoach zufrieden. Southgate wĂŒrde das nie sagen, aber seine Botschaft nach dem 1:0 gegen Tschechien hĂ€tte sein können: Schaut her, mein Plan geht auf! England spielt bieder, aber England verliert keine Spiele. Und jetzt soll das Turnier fĂŒr die Three Lions erst richtig losgehen. «Das Gute fĂŒr uns ist: Wir verbessern uns immer noch», sagte Southgate.

Aber wozu sind diese EnglĂ€nder wirklich fĂ€hig? Der Gruppensieg garantiert ihnen, dass sie auch ihr Achtelfinale am nĂ€chsten Dienstag im heimischen Wembley-Stadion spielen dĂŒrfen. Dann wird es ernst. «Jetzt spielen wir gegen Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal, unseren alten Feind Deutschland oder, Ă€hm, Ungarn», titelte das Boulevardblatt «The Sun» am Mittwoch. TatsĂ€chlich wartet nun höchstwahrscheinlich ein HochkarĂ€ter auf die Briten. Sollte Deutschland seine Gruppe am Mittwochabend nach dem Spiel gegen Ungarn als Zweiter abschließen, wĂ€re der K.o.-Kracher gegen die EnglĂ€nder perfekt.

Saka spielt stark

«Wir spielen jetzt gegen viel stĂ€rkere Teams. Aber wir können Selbstvertrauen aus dieser Gruppe mitnehmen, wir haben kein einziges Tor kassiert», sagte FlĂŒgelstĂŒrmer Bukayo Saka, der gegen die Tschechen zum Spieler des Spiels ernannt wurde. «Egal, wer kommt, wir können mit Selbstbewusstsein ins Spiel gehen. Zumal wir in Wembley mit unseren Fans spielen.» Saka steht sinnbildlich fĂŒr das riesige Offensivpotenzial der EnglĂ€nder. Gerade mal 19 Jahre ist der Profi des FC Arsenal alt, gegen Tschechien ließ Southgate ihn erstmals bei dieser EM starten. Supertalent Phil Foden saß da nicht mal auf der Bank. BVB-Profi Jadon Sancho bekam immerhin seine ersten EM-Minuten.

Saka, Sancho, Foden oder TorschĂŒtze Raheem Sterling: Die Three Lions sind gerade auf den offensiven FlĂŒgeln herausragend besetzt. Und im Zentrum gibt es noch einen gewissen Harry Kane, auch wenn der KapitĂ€n und TopstĂŒrmer bislang nicht sein bestes Turnier erlebt. Doch trotz all dieser Einzelkönner fallen die EnglĂ€nder bislang eher mit Minimalisten- als mit Spaßfußball auf. Am Dienstagabend gegen die Tschechen hatte ein AnhĂ€nger in Wembley ein Plakat mit seiner Wunschaufstellung gezeigt: Die OffensivkrĂ€fte Sancho, Kane, Foden, Mason Mount und Jack Grealish standen darauf alle in der Startelf. Southgate weiß um diese Sehnsucht. Aber sie beeinflusst ihn nicht.

Starke Verteidigung als Grundlage

Der 50-JĂ€hrige will keine Mannschaft, die Spektakel bietet, sondern eine, die im Turnier funktioniert. Southgate hat genau beobachtet, wie Portugal 2016 den EM-Titel gewonnen hat und Frankreich zwei Jahre spĂ€ter die Weltmeisterschaft: nicht mit Spaßfußball, sondern mit oft trockenen Siegen. Seine bisher vielleicht grĂ¶ĂŸte Leistung ist darum eine eher weniger beachtete. WĂ€hrend alle Welt ĂŒber das Angriffstalent der EnglĂ€nder redet, steht die vor der EM als eher mĂ€ĂŸig eingeschĂ€tzte Defensive erstaunlich stabil. «Wollen wir, dass England bei der Euro Spaß macht? Oder wollen wir, dass sie gewinnen?», fragte das Sportportal «The Athletic» am Mittwoch.

Die Abwehr bildet die Grundlage fĂŒr große Erfolge, genau das scheint Southgates Credo. Die Viererkette um ihren wiedergenesenen Defensivboss Harry Maguire ist noch ohne Gegentor, zudem hĂ€lt TorhĂŒter Jordan Pickford bislang stark. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Englands Abwehrreihe von Kroatien (1:0), Schottland (0:0) und auch Tschechien bislang kaum auf die Probe gestellt wurde. Im Achtelfinale steht nun die erste schwere PrĂŒfung an. Southgate weiß das. Und er ist bereit.

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