Dressur-Skandal kurz vor Olympia: 24 SchlÀge auf Pferdebeine
24.07.2024 - 12:39:00Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Paris sorgt ein neuer Dressur-Skandal fĂŒr Aufregung. Auch im Trainingslager des deutschen Teams gab es Diskussionen ĂŒber den Fall der nun gesperrten britischen Olympiasiegerin Charlotte Dujardin wegen eines tierschutz-relevanten Trainings-Videos. «Das ist nicht gut fĂŒr den Dressursport», sagte Equipe-Chef Klaus Roeser. Die Mannschaft wolle sich derzeit nicht weiter zu dem Thema Ă€uĂern.
Heimlich aufgenommene Videos
FĂ€lle von TierquĂ€lerei in den USA und in DĂ€nemark beschĂ€ftigen die Dressurszene seit einigen Monaten. Heimlich aufgenommene Videos hatten fĂŒr Entsetzen gesorgt - und so lief es auch jetzt. Der niederlĂ€ndische Anwalt Stephan Wensing hatte den Vorfall im Auftrag einer Mandantin beim Weltverband angezeigt und sagte im «Guardian» zu dem Video: «Charlotte Dujardin war mitten in der Arena. Sie sagte der SchĂŒlerin: "Dein Pferd muss im Galopp die Beine mehr heben." Sie nahm die lange Peitsche und schlug das Pferd mehr als 24 Mal in einer Minute. Es war wie ein Elefant im Zirkus.»
Das Video soll vier Jahre alt sein. Seine Klientin habe damals gedacht, das mĂŒsse normal sein, weil Dujardin ja Olympiasiegerin sei, sagte Anwalt Wensing. Doch dann habe es andere FĂ€lle gegeben. «Und dieses Wochenende hat sie schlieĂlich beschlossen, dass ich die Beschwerde bei der FEI einreichen darf», erlĂ€uterte der NiederlĂ€nder.Â
«VorwĂŒrfe sind schwerwiegend»
Der Weltverband FEI begann daraufhin mit Untersuchungen und teilte am Dienstagabend mit, dass Dujardin bis auf weiteres suspendiert worden sei. Die 39-JĂ€hrige habe bis zum Abschluss von Untersuchungen wegen des Videos auch selbst darum gebeten. Auf dem Video sei zu sehen, wie Dujardin gegen das Wohlergehen eines Pferdes handele. Sie selbst habe zugegeben, dass sie die Person auf dem Video sei und ihr Verhalten unangemessen gewesen sei.
«Wir sind zutiefst enttĂ€uscht ĂŒber diesen Fall, insbesondere im Hinblick auf die Olympischen Spiele», sagte FEI-PrĂ€sident Ingmar De Vos. «Es liegt jedoch in unserer Verantwortung und ist von entscheidender Bedeutung, dass wir uns mit allen MissbrauchsfĂ€llen befassen, da das Wohlergehen der Pferde nicht gefĂ€hrdet werden darf.»
Nach Angaben des britischen Verbandes BEF wird im Fall Dujardin «Fehlverhalten im Tierschutz» untersucht. «Die erhobenen VorwĂŒrfe sind schwerwiegend und die Konsequenzen weitreichend», hieĂ es weiter. Dujardin selber hatte sich in einer Stellungnahme entschuldigt, ohne im Detail auf das Video mit dem Training einer SchĂŒlerin einzugehen. «Ich schĂ€me mich zutiefst und hĂ€tte in dem Moment ein besseres Beispiel abgeben sollen», schrieb sie in einer Stellungnahme.
Sportliche Auswirkungen
Das deutsche Olympia-Team war von dem erneuten Fall ĂŒberrascht worden. «Wir haben das zunĂ€chst aus den Medien erfahren», sagte Delegationsleiter Dennis Peiler der Deutschen Presse-Agentur. «Aber solche Nachrichten sind immer schlecht fĂŒr den Sport.» Zum Video sagte er: «Hier sind die Grenzen der pferdegerechten Ausbildung eindeutig ĂŒberschritten.» Die Person auf dem Video «schlĂ€gt sehr krĂ€ftig und nahezu andauernd, sodass das Pferd panisch und verĂ€ngstigt reagiert und keine Chance hat, den Sinn dieses heftigen Einsatzes zu verstehen».
Die britische Mannschaft, die bisher als Gold-Favorit galt, ist durch das Fehlen von Dujardin deutlich geschwĂ€cht. Beim Mannschafts-Sieg der britischen Equipe bei der EM im Vorjahr erwies sie sich erneut als sichere Reiterin mit höchsten Bewertungen. Durch die Suspendierung wird in Paris eine der gröĂten Konkurrentinnen des deutschen Dressur-Teams um Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl fehlen.
Die sportlichen Auswirkungen wollte Peiler nicht kommentieren. «Wir konzentrieren uns auf uns und schauen nicht auf die möglichen Ergebnisse anderer Teams», sagte der Sport-GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. «Wir mĂŒssen unsere Leistung bringen.»







