Hol- und Bring-Service fĂŒr Merle FrĂ€bel
29.01.2026 - 10:00:00Dass Merle FrÀbel sich in dieser Saison den Titel der Europameisterin holt, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Zwar schaffte es die 22-jÀhrige Deutsche beim Saisonauftakt in Winterberg als Zweite auf Podium, doch danach kam sie nicht mehr in Reichweite. Aber klar, auf ihrer Heimbahn in Oberhof, konnte sie ihre Erfahrung aus den vielen Trainingsfahrten nutzen. Neben dem EM-Titel war es auch der zweite Sieg in einem Weltcuprennen. Den ersten hatte sie zwei Jahre davor erzielt. Wo? Na klar, in Oberhof. "Gerne hÀtte ich mal auf einer anderen Bahn gewonnen", sagte sie in einer ersten Reaktion, "aber ich nehm's auch so."
Typisch fĂŒr Merle FrĂ€bel waren ihre Reaktionen auf den ersten groĂen Titel. "Jetzt kann ich wieder was Neues auf die Autogrammkarte schreiben", meinte sie zur anstehenden Aufgabe. Und nach dem Rennen ging's umgehend zu einer der HĂŒtten an der Rennbahn: "Mit einer ThĂŒringer Bratwurst habe ich mich fĂŒr meinen zweiten Weltcupsieg belohnt."
Genau so entspannt geht die Athletin, die als erste Deutsche bei den Youth Olympic Games 2020 in Lausanne im Rodeln die Goldmedaille gewinnen konnte, die Olympischen Spielen bei den Erwachsenen an. "Ich möchte viel Freude haben, wenig Druck", sagt sie. Doch mit einer KörpergröĂe von 1,87 Meter und entsprechend Gewicht und Athletik zĂ€hlt sie zwangsweise zu den Favoritinnen. Zumal sie, auch durch ihre langen Arme, zu den besten Starterinnen zĂ€hlt. "Vier saubere LĂ€ufe, viermal schnell starten", gibt sie als ihr Ziel aus. "Olympiasieg - möchten möchten das viele", meint sie.
Dass im Gegensatz zum Weltcup die Entscheidung in vier statt in zwei DurchgÀngen fÀllt, sieht sie nicht als Nachteil, sondern als Chance. "Wenn's am ersten Tag nicht gut lÀuft, dann wÀren zwei gute LÀufe am nÀchsten Tag perfekt", rechnet FrÀbel vor, "und wenn's gut gelaufen ist, dann kann man den Schwung mitnehmen." Mit zu vielen Gedanken ins Bett gehen und schlecht schlafen - ausgeschlossen. Zum einen arbeitet sie seit eineinhalb Jahren mit einer Mentaltrainerin zusammen, um auf solche Situationen vorbereitet zu sein. Zum anderen erklÀrt sie: "Mit einer Nacht dazwischen hatten wir diese Saison schon Weltcups in Lake Placid und Sigulda."
Dass Merle FrĂ€bel einmal eine Wintersportart betreiben wĂŒrde, war klar. "Ich bin in Suhl mitten in einer Wintersportregion geboren." Aber welche? Ihr Ă€lterer Bruder Noah hat Langlauf betrieben, es aber mittlerweile aufgehört. "Als ich acht Jahre alt war", erzĂ€hlt FrĂ€bel, haben meine Eltern nach Sportarten fĂŒr mich gesucht. Und haben sich auch die Angebote beim Rodelteam Suhl angeschaut. Das hat ĂŒberzeugt. "Mein Vater hat gesagt: ,Die bieten ein Hol- und Bringservice und bieten auch noch eine Hausaufgabenbetreuung an.' Das ist es." Merle FrĂ€bel meint es nicht böse, wenn sie sagt: "FĂŒr die Eltern war das mit wenig Arbeit verbunden." In der sechsten Klasse ist sie dann von Suhl ins nahe gelegene Sportgymnasium in Oberhof gewechselt.
Schon frĂŒh hat die dreimalige U23-Weltmeisterin bei den Trainings Max Langenhan getroffen. Nicht nur wegen seiner Fahrlage und seiner Erfolge hat sie den sechsfachen Weltmeister und zweimaligen Gesamtweltcupsieger zu ihrem Vorbild auserkoren. "Ich finde seine Gelassenheit, die er an den Tag legt, faszinierend", erklĂ€rt sie, "und sein Selbstbewusstsein. Er hat nie Selbstzweifel." Im tĂ€glichen Training könne sie auch jetzt noch viel von ihm abschauen. "Ich bin froh, dass ich ihn als Trainingspartner habe." Aber auch Felix Loch, der dreimalige Olympiasieger, könne sie jederzeit um Rat fragen.
Neben dem EM-Titel hat ihr das Oberhof-Wochenende mit dem Heimsieg auch noch gegeben - Selbstbewusstsein. "Ich weiĂ auf alle FĂ€lle, dass ich ab jetzt vorne mitfahren kann. Und will das auf alle FĂ€lle tun. Das ist einfach wieder Selbstbewusstsein." Gute Voraussetzungen fĂŒr erfolgreiche Olympische Spiele.
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Margit Dengler
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